Warum das 'fast' fragen sie sich? Nun, ich denke, wie so viele meiner Vorredner, dass die Charaktere äußerst präzise gestaltet wurden und dass gerade ihre Macken das Lesen erheitern. Ich denke außerdem, dass es ohnehin sehr interessant ist, eine andere geschichtliche Zeit kennenzulernen, als das Mittelalter oder die darauf folgenden Jahre. Die Riten und Bräuche, die Denkensart, die Stellungen der einzelnen Personen in der Hierarchie, alles scheint so perfekt niedergeschrieben zu sein, dass das Buch einfach ein Manko haben muss. Und das hat es auch: Eremon und Rhiann verfallen schon relativ früh in Liebe zu einander, verfallen aber immer wieder in kindliches Denken: Der ist aber sooooo doooooooof. Nervtötend. Beide haben Affären, beide meckern an dem jeweils anderen herum und merken dabei gar nicht, dass sie doch sonst sehr gut zusammen passen. Erst nach einigen hunderten von Seiten scheinen die beiden sich zu einer Freundschaft aufzuraffen. Es kommen Momente wo man denkt: JA! Jetzt könnte der Funke übergetreten sein, aber Jules Watson enttäuscht ihre Leser und lässt Rhiann zurückscheuen. Wieso das alles so in die Länge ziehen? Die meisten Leser sind weiblich und ich vermute, viele haben dieses Buch auch gekauft, weil sie eine Liebesgeschichte a là Jamie und Claire erwarten, der Text auf dem Buchrücken lässt darauf schließen.
Übersieht man dieses eine Manko, über das ich mich hier lang und breit ausgelassen habe, ist dieses Buch wirklich perfekt. Es läd zum Eintauchen in eine Zeit ein, in der nicht ein Gott, sondern eine Göttin die oberste Rolle spielt und in der das wunderschöne Schottland, bzw. Alba, noch nicht von den englischen Rotröcken niedergemäht wurde. Dafür von den Römern. Aber einen Bösewicht muss es ja immer geben :)