~
Das Slow Motion Orchestra, das bisher gemeinsam mit seiner Sängerin Solveig Slettahjell als "Quintett" formierte, macht seinem Motto erfreulicherweise wieder einmal alle Ehre. Auch beim kürzlich erschienenen neuen Album "Tarpan Seasons" ist diese Begleitung für die norwegische Sängerin ein Glücksfall. Besser könnte der unverkennbare Gesang der 38-jährigen wohl kaum ergänzt und gleichzeitig getragen werden. Ihre Stimme ist im selben Atemzug sanft und intensiv. Kaum eine haucht so kraftvoll, kaum eine singt selbst aus vollem Hals so weich wie sie. Dabei untermalen und umgarnen sie die Begleitinstrumente wesensgleich behutsam. Selbst wenn ein Bläser oder eine Orgel ein Solo spielen und zusätzliche Dynamik erzeugen, treten sie nie ganz in den Vordergrund. So entsteht eine unvergleichlich harmonische, fast träumerische Atmosphäre.
Auch wenn diesmal das Anfangsstück zunächst etwas betriebsamere Gangart andeutet, die für einige Momente entfernt an den unorthodoxen Rhythmuspark eines Tom Waits erinnern mag, hat sich das Konzept der Formation nicht geändert, wozu auch, denn es funktioniert, wie bei den fünf Alben bisher, wieder wunderbar. Lediglich entsteht der Eindruck, als seien Begleitung und Stimme weiter ein wenig miteinander gereift oder auch zusammengewachsen. Keineswegs wäre das bisher zu vermissen gewesen, aber es ist schön, mitzuverfolgen, wie gutes mit den Jahren immer noch ein wenig besser, homogener oder dichter wird.
Dabei klingt die Produktion keineswegs perfektionistisch, arrogant oder gar abgebrüht. Im Gegenteil, die klangliche wie rhythmische Reduziertheit und Zartheit macht ihre Ausstrahlung so nahbar und intensiv, wie nur wenige Künstler das hinbekommen. Wer sich die gute Dreiviertel Stunde auf das Album einlässt, den entführt Frau Slettahjell mit "Slow Motion" in einen erlesenen mentalen Kurzurlaub. Übrigens auch Live ein besonderer Genuss.