Sie haben also wieder einmal zugeschlagen, die 'Rolling Stones' der Tarot-Literatur. Einige Jahre hat es gedauert, bis das kleine, äußerlich recht unscheinbare Büchlein fertig 'erfunden' war. In ungezählten Seminaren, bei kreativen Lege-Sessions und als Essenz zahlreicher Experten-Diskussionen trugen Johannes Fiebig und Evelin Bürger die Inhalte dieses neuen Grundlagenwerks in Sachen Raider-Waite-Tarot buchstäblich Stück für Stück zusammen.
Seit gut 25 Jahren haben diese ebenso versierten wie fröhlichen Menschen sich ihrem Thema verschrieben - also noch nicht ganz so lange wie die berühmten 'rollenden Steine' ihrer Musik. All diese Jahre aber haben sie es vermieden, zu wahrsagerischen Krustentieren, sprich: knöchern und dogmatisch zu werden. Rechthaberische Ansätze zeigen sie bis heute allenfalls dem, der die grenzenlose Freiheit der Interpretation zu leugnen versucht.
Jedes Kartenbild im Tarot, so ihr Credo, ist immer wieder neu und voll aktueller Aussagekraft. Um die Wahrnehmung geht es da, das Erkennen der Nuancen, das gefühlig-feine Ausdeuten der Möglichkeiten. Es sind ja nicht die Karten, die die Geheimnisse verraten - es ist der aktive und sich zugleich passiv ganz öffnende Frager, der sie sich aus ihnen erschließt!
Genau hierzu findet man massenhaft Ansätze in 'Tarot Basics', einem profunden Werk- und Arbeitsbuch. Jede einzelne der 78 Karten des Raider-Waite-Tarots wird ausführlich auf einer Doppelseite dargestellt. Dass sie hinsichtlich ihrer Bedeutung für Liebe und Beziehung, Spiritualität, Erfolg und Glück etc. interpretiert wird, kennt man bereits aus anderen Werken. Völlig neu und ungemein spannend aber ist die gegenüberliegende Seite: Dort werden die auffälligsten Bildelemente und Symbole der Karte einzeln begutachtet und auf ihre mehr oder weniger 'versteckten' Botschaften hin abgeklopft. Und siehe da: Es darf der blauste Himmel nicht allein positiv sein, im entsprechenden Kontext könnte er auch 'Blauäugigkeit' und Naivität suggerieren.
So genau und zugleich so unprätentiös hat wohl noch keiner hingeschaut. Oder wäre Ihnen als Tarot-Liebhaber je aufgefallen, dass der Tisch des Magiers auf der ersten Karte der großen Arcana an seinem Rand mit Bildern verziert ist? Dass er in seiner Funktion als Unterlage für die 'magischen Werkzeuge' auch den bislang erreichten Wissensstand des Einzelnen symbolisieren kann, die Basis, von der aus er eben jene Utensilien zur Wirkung bringt?
Wer sich auf dieses Buch einlässt, wird unendlich viel Neues über den Raider Waite Tarot erfahren, besser eigentlich: erspüren. Denn dass mit den hier angebotenen und schnuckelig zurechtgemachten Erkenntnis-Häppchen noch keineswegs Schluss ist, ergibt sich aus der Materie. Vielmehr ertappt man sich voller Erstaunen dabei, wie sich beim Lesen allmählich die Pforten der eigenen Interpretationsfähigkeit öffnen - was ganz im Sinne der Autoren ist.
Spannend bleibt beim 'Tarotisieren' also auch weiterhin, welche der zahlreichen Elemente um Aufmerksamkeit nachsuchen und angesprochen werden wollen. Wie sich aus ihrer immer wieder andersartigen Kombination im jeweiligen Lege-Zusammenhang Sinn ergibt, wie letztlich Antworten auf gestellte Fragen, das bleibt das Faszinosum des Tarot (- und, wenn man nach der Arbeit mit diesem neuen Büchlein tiefer schaut, das Wunder unseres Geistes, der sich nur mit ein paar Anhaltspunkten seine eigene Spur durchs Dickicht sucht.)
Fazit: So klein und bescheiden 'Tarot Basics' daherkommt, so wichtig und wonnig ist es für den, der im Tarot sowohl das Spiel wie auch den Ernst sucht und erkennt. Ein Argument schließlich für Sparfüchse und Menschen, denen nie einfiel, was sie denn ihrem Lieblings-Kartenleger schenken könnten: Wie nur wenige Bücher unserer Zeit bietet 'Tarot Basics' deutlich mehr, als es mit seinen 9,95 Euro kostet.