Ich höre diese Platte nun schon seit einigen Wochen und kriege noch lange nicht genug davon.
Wer sich auf "Libera Me" Danielssons noch von den soundtrackartigen Streichereinlagen peinlich gestört fühlte (ich auch), sollte hier vollständig zufrieden gestellt werden und vielleicht noch mehr: Mathias Eicks Trompete tröpfelt so schön fließend lyrisch dahin, unterstützt und übernommen von Mozders unaufdringlichen, ein wenig in sich verschlungenen Geschichten, die er auf dem Klavier erzählt. Dazu hier und da eine sehr zurückgenommene Gitarre und immer vollkommen angemessen unterstützende Percussion bzw. drums, zusammengehalten vom sowohl tragenden als auch lyrische Ausflüge unternehmenden Bass Danielssons, dessen klassische Cello-Einlage in "Travellers Wife" sich sehr schön ins Gesamtgefüge dieses zarten Klangkunstwerks einpasst. Natürlich, der Gesamtsound ist melancholisch, aber immer sehr gekonnt auf der Grenze zum Sentimentalen tänzelnd, ohne dass auch nur ein Ton in diese Richtung umkippen würde. Was entsteht ist nicht frei von Pathos, allerdings, wie ich es mal nennen möchte, ruhigem, bescheidenem, ganz ehrlichem Pathos.
Besonders hervorheben möchte ich noch die beiden Stücke "Fiojo" und "The Madonna", die sich durch einzigartig schöne und zugleich originelle Melodieführung auszeichnen, wobei auf letzterem Danielsson wieder zu einem seiner - für mich - Markenzeichen greift: ich habe noch nie vorher einen derart fett mit dem Schlagzeug zusammen groovenden Kontrabass gehört wie auf WakeniusInterpretation von "Good Morning Susi Soho" (CD:Love Is Real) und auch hier!
Also: diese Melancholie verbreitet bei mir nur gute Laune und diese Scheibe gehört für mich jetzt schon zu einem der ganz großen Meilensteine des Jazz der letzten Jahre! Könnte ich in begründeten Ausnahmefällen sechs Sternchen vergeben, würde ich dies tun.