Obwohl die Taran-Bände schon für Leser ab zehn bis zwölf Jahren geeignet sind, halte ich sie bis heute für eines der schönsten Beispiele zeitgenössischer Fantasy.
Dabei lassen sich Alexanders Quellen ausnahmsweise nicht bei Tolkien, sondern direkt (und unschwer) in den keltischen Sagen finden; seine Erzählung ist zwar märchenhaft, seine Handlung phantasievoll und spannend, aber doch sehr kindgerecht. Wenn mal gekämpft wird, spritzt kein Blut; wenn geliebt wird, dann weder romantisch noch körperlich. Noch dazu vereint keine Suche oder Prophezeiung die fünf dünnen Bände zu einer Handlung. Was sie verbindet, ist allein die Hauptfigur Taran und ihr Heranwachsen zum Mann. Die Dramatik der meisten dicken Fantasy-Wälzer fehlt ihnen völlig. Was also macht "Taran" so außergewöhnlich? Ihr Protagonist.
Taran ist zu Beginn ein törichter Bengel, der vom Heldentum träumt - wie viele andere Protagonisten auch. Wie sie wird er unversehens in den Kampf zwischen Gut und Böse hineingezogen, wie sie sammelt er Gefährten um sich - Gurgi, den tollpatschigen Tiermenschen, Flewddur, den prahlerischen Barden, Doli, den dickköpfigen Zwerg, Gwydion, den strahlenden Fürsten, und Eilonwy, diesen Irrwisch von einer Prinzessin mit dem rötlich-goldenen Haar. Anders als sonst ein Held trägt er aber viel früher Verantwortung für sein Tun, wird nicht beschützt, nicht in seine Aufgabe eingewiesen. Daß er eine Prophezeiung erfüllt hat, erfahren er und der Leser erst ganz zum Schluß. Immer wieder scheitert er und ist lange - viel länger als üblich - auf der Suche nach sich selbst, bei der er viele Freunde findet und wieder verliert. Lange braucht er auch, um sich Respekt zu verschaffen und nicht mehr wie ein Kind behandelt zu werden; nie entwickelt er das Selbstbewußtsein und die "Fachkenntnis", die so viele Helden nach kurzer Zeit erwerben. Seine schüchterne Liebe zu Eilonwy ist weder romantisch noch vorherbestimmt, sondern ebenso schlicht und natürlich wie der erste Kuß eines Neuntklässlers, und daß er schließlich wirklich ein Mann wird, auf den man als Leser stolz ist, verdankt er nicht weniger seiner qualvollen Suche nach dem eigenen Ich als ihrer Liebe.
Umso leichter ist es aber, der sehr zügig und doch gekonnt erzählten Handlung zu folgen: Es ist Tarans immer wieder neu erlebte Unzulänglichkeit, sein Selbstzweifel, die den Leser mit ihm fühlen lassen; und es sind sein Verantwortungsbewußtsein und sein zäher Wille, nicht aufzugeben, zu denen man aufblicken darf.