»Sie sind sehr unglücklich, Herr!«, prophezeit eine Zigeunerin dem jungen russischen Revolutionär Tarabas. »Ich lese in Ihrer Hand, dass Sie ein Mörder sind und ein Heiliger. Ein unglücklicheres Schicksal gibt es nicht auf dieser Welt.« Von Russland nach New York und wieder zurück in die Wirren des Ersten Weltkrieges und der Revolution führt der Weg des Sünders und Büßers Nikolaus Tarabas. Die bittere Legende eines in die Irre gehenden und wieder heimkehrenden Sohnes.
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Produktbeschreibungen
Der Verlag über das Buch
Joseph Roth neu entdecken mit diesem Querschnitt seiner Romane, Erzählungen und Feuilletons Die Joseph-Roth-Titel unserer Paperback-Reihe jetzt neu gestaltet
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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Über den Autor
*Joseph Roth *wurde am 2. September 1894 als Sohn jüdischer Eltern in Brody (Ostgalizien) geboren, studierte Literaturwissenschaften in Wien und Lemberg und nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Ab 1916 veröffentlichte er Erzählungen und Romane, lebte ab 1918 als Journalist in Wien, dann Berlin, und war von 1923–1932 Korrespondent der Frankfurter Zeitung. Anfang der 1930er Jahre erlangte er mit den Romanen Hiob und Radetzkymarsch Weltruhm. 1933 emigrierte Roth nach Frankreich. Er starb am 27. Mai 1939, verarmt und alkoholkrank, im Pariser Exil und im Alter von nur 45 Jahren.
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Auch in diesem Roman hat Joseph Roth trefflich außergewöhnliche und banale Persönlichkeiten porträtiert. Tarabas, ein nicht gerade sympathischer Charakter, wirkt von Anfang an befremdlich auf den Leser; er lässt sich nicht recht einfügen in ein bestimmtes Weltbild und wirkt trotz seines rauen, nicht selten brutalen Auftretens seltsam verloren. Die Prophezeiung der Zigeunerin - das Wort stammt aus dem Roman - zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman und gewinnt am erwähnten Wendepunkt ihre volle Bedeutung. Zuvor bereits wird eine Art Wende eingeleitet, als ein scheinbar mystisches Ereignis zum Pogrom führt. Tarabas' Wandlung, seine Entscheidung zur unbedingten Sühne, kommt angesichts seines Glaubens an die Prophezeiung schließlich nicht ganz überraschend. Fast ist man an Dostojewski erinnert angesichts der religiös-mystischen Irrungen und Wirrungen und menschlichen Abgründe, die sich durch den Roman ziehen. Roth, selbst jüdischer Abkunft, hat in diesem Roman zudem die Situation der kleinen jüdisch-russischen Geschäftsleute und Bürger zu Beginn des 20. Jahrhunderts geradezu herzzerreißend, zutiefst anrührend dargestellt und auch insgesamt ein vielfarbiges Zeugnis der osteuropäischen Kleinstadt um 1918 geschaffen. Tarabas, einst hochfahrender Student mit revolutionärem Potenzial, dann überzeugter Offizier, muss erkennen, dass manch kleiner Bürger, und sei es ein jüdischer - und in Tarabas' Schicht somit wenig angesehener - Gastwirt oder Bettler, mehr Lebensweisheit in sich birgt, als er selbst je erwerben wird.... Der Mittelteil des Romans zieht sich gelegentlich in die Länge für Leser beziehungsweise Hörer, die Berichten vom Kriegshandwerk nicht allzu viel abgewinnen können. Größtenteils aber reißt die Handlung mit und vermittelt dem Hörer die starken Emotionen der Protagonisten sehr intensiv.
Die ungekürzte Hörbuchfassung wirkt dank der dramatischen Interpretation durch Joseph Lorenz sehr gelungen. Lorenz lässt den Hörer ganz unmittelbar an der gewaltigen Spannung teilhaben, die sich durch den Roman zieht. Ausdrucksvoll, doch nicht manieriert trägt er Roths Werk vor, wo nötig, sehr stimmgewaltig - und immer in Einklang mit der Handlung. Insofern ist auch die Hörbuchfassung dieses Werkes der Weltliteratur sehr zu empfehlen. Die schlicht-schöne und hochwertige Verarbeitung und Aufmachung, wie man sie von Diogenes gewohnt ist, überzeugt nicht minder. "Tarabas" gehört zu den wichtigen Werken der deutschsprachigen Literatur und überzeugt auch in der Hörbuchversion von Diogenes: ein bedrückender, ein wenig mystischer Roman um die Auflösungserscheinungen der osteuropäischen Gesellschaft im frühen 20. Jahrhundert.Lesen Sie weiter... ›