Wohl nur der, der in dem gleichen Bewußtseinszustand lebt, wie Laotse selber. Denn wie unterschiedlich die Herangehensweisen an den Text und die Interpretationen sind, kann jeder schnell selbst herausfinden, angesichts einer Flut von Übersetzungen und Deutungen. Ich beschäftige mich schon seit Jahren mit dem Laotse und bin fast schon frustriert gewesen, denn er hat sich mir - zumindestens textlich - immer mehr entzogen. Jeder der Autoren wußte es besser als der andere. Erst mit der Übersetzung / Übertragung (das ist mir auch nicht ganz klar geworden, ist aber auch egal, schaut man auf die Kompetenz dieses Mannes selbst) von Zensho W. Kopp tritt wieder ein Vertrauen ein. Er ist selbst ein Zen-Meister, und wenn die Erwachten alle aus derselben Quelle schöpfen, dann muss er diesen Tao-Meister und dessen Worte voll und ganz erfassen, denn sie entziehen sich ja gerade oft eines rein verstandesmässigen Begreifens. Also, Vertrauen in die Worte, weil ein spritiueller Meister das Werk wiedergibt und - wie komisch - diese Ausgabe wird insgesamt vertändlicher, intuitiv erfahrbarer und auch, ja tatsächlich, humorvoller an einigen Stellen, ohne auf Kosten der Qualität zu gehen. Das Vorwort hat mir gezeigt, dass dieser Mann es vom Herzen her ernst meint. Praktisch ist das Büchlein auch noch, man kann es gut überall mitnehmen und sich schnell vor z.B. wichtigen Terminen nochmal einschwingen, auf das, um was es wirklich geht. Die Aufteilung der "Verse" ist übersichtlich und gelungen. Der Preis ist, denke ich, fair. Vielleicht sollte man auch einmal über eine schön aufgemachte gebundene Ausgabe nachdenken - für meinen Bücherschrank :-).