Es ist eine Dissertation, die allen universitären Anforderungen entspricht (Zitate, Quellen, Daten, Statisik..)und entsprechend trocken und ermüdend zu lesen.
Sie enthält eine Übersicht über ältere wissenschaftliche Studien zu Wirkung und Effektivität von Körpertherapien, die nicht sehr zahlreich sind und seither auch nicht explizit mit einer tanztherapeutischen Vorgehensweise durchgeführt wurden. Die Ergebnisse:
Tanzen reduziert Ängste und verbessert die soziale Interaktion, Verbessert die Einstellung zum eigenen Körper und die Körperwahrnehmung.
Dann werden die Begriffe Stress und Lebensqualität sauber definiert und eingegrenzt und als Wirkfaktoren untersucht.
Tanz als Therapieform und in seiner heilenden Wirkung kurz dargestellt.
Bräuninger stellt auch ausführlich dar, welche Methoden in der Tanztherapie besonders geeignet sich bestimmte Veränderungen herbei zu führen:
Führungsstil der Therapeutin im Gruppengeschehen spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Beginn und Abschluss der Gruppenstunden.
Es folgt eine eine Darstellung der statistischen Untersuchung, die nur für Statisikfreaks spannend zu lesen ist. Die Hypothesen werden getestet und weitgehend bestätigt.
Die Disskusion der Ergebnisse ist ausführlich und z.T. verwirrend.
Das Buch insegsamt gibt nur TherapeutInnen einigermaßen inhaltlichen Aufschluss, die vertraut sind damit, was unter den verschiedenen Techniken zu verstehen ist: so z.B. Authentic Movement oder integrative Tanztherapie, Chace Ansatz oder tiefenpsychologisch orientierte Tanztherapie.
Die Behauptung dass, das was inhaltlich in den tanztherapeutischen Gruppen dieser Studie gemacht wurde und die Fähigkeiten der Therapeutinnen, spielten für die Effektivität einer Tanztherapie keine Rolle, scheint mir fragwürdig.
Zumal, mindestens seit Grawe, allgemein klar ist, dass die Beziehung zum Therapeuten eine entscheidende Rolle im therapeutischen Geschehen spielt.
Im Anschluss wird eine 4 phasiger Ansatz von Susanne Bender über die Entwicklung eines Gruppenprozesses herangezogen und mit einzelnen Aussagen aus Berichten der Therapeutinnen versucht zu belegen.
Dies erscheint als eigenartiges Anhängsel, bei dem ich nicht weiß, was damit gezeigt werden soll, an eine ansonsten ordentliche wissenschaftliche Arbeit.
Insgesamt leistet Bräuninger einen sehr wichtigen Beitrag, die sehr wertvolle und wichtige Körperarbeit in Form von Tanztherapie aus ihrerem Ansehen als "Kreative Hilfstherapie" oder " Bewegung tut halt gut" herauszuholen und sie zeigt, dass Bewegung ein Element in der Psychotherapie darstellt, dass in seiner heilenden psychotherapeutischen Wirkung noch völlig unterschätzt wird.