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am 24. Januar 2003
Dem Vorwurf der subjektiven Auswahl setze er sich bewusst aus, erläutert der Autor in seinen einleitenden Worten. Denn warum es ausgerechnet 101 Choreografen sein sollen, anhand derer er die Geschichte des Tanzes des 20. Jahrhunderts nachvollzieht, weiß auch er nicht zu erklären - es ist eine originelle Zahl, mehr nicht.
Also halten wir uns erst gar nicht damit auf, warum etwa der eine oder andere Choreograf in diesem monumentalen Werk fehlt beziehungsweise aufgenommen wurde. Die ganze Bandbreite des 20. Jahrhundert in einem Band unterzubringen ist an sich schon ein sehr ambitioniertes Unterfangen. Jochen Schmidt, Kulturkritiker mit Schwerpunkt Tanz bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Autor mehrerer Bücher, hat seinen Lebensmittelpunkt ist Mitteleuropa bzw. Deutschland und schreibt seine Tanzgeschichte aus seiner persönlichen Erfahrung.
Gerade das führt zu einer äußerst lebendigen Darstellung der Tanzgeschichte des westlichen Theatertanzes mit Seitenblicken nach Japan, Indien und Australien und auf die afroamerikanischen VertreterInnen.
Souverän spannt Jochen Schmid den Bogen von den ersten Pionierinnen - wie schön, dass darunter endlich auch die Wienerin Grete Wiesenthal aufscheint - bis zu der, wie er sie nennt „Stop Dance"-Generation repräsentiert durch Meg Stuart und Jerome Bel.
Schmidt versucht bei jedem seiner 101 TanzschöpferInnen die Essenz ihres künstlerischen Wesens herauszuschälen und schafft so ein buntes und vielfältiges Spektrum. Nicht nur die Höhepunkte finden ihren Niederschlag. Die Profillosigkeit der Choreografen-Generation, die seit den 80er Jahren an den (mittel-)europäischen Theatern den Ton angeben, spricht Schmidt in den Portraits von Richard Wherlock, Ohad Naharin und dem Chef des Wiener Staatsopernballetts, Renato Zanella, deutlich an; ebenso wie die Schwierigkeiten der „Postmodernen" wie Trisha Brown und Lucinda Childs ihre radikalen Positionen in eine theatertaugliche Ausdrucksform zu entwickeln.
Einziger Wermutstropfen in diesem fundamentalen Werk: Das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ist zu kurz gekommen. Hier fehlt tatsächlich einiges: die französische HipHop-Szene (etwa Black Blanc Beurre) oder jene Künstlerkollektive, die verschiedene Kunstmittel mischen wie Les Ballets C. de la B. oder jene Choreografen wie Fréderic Flamand oder José Montalvo, die mit Hilfe technologischer Mittel den Bühnentanz aufpeppen. Denn ganz so einseitig, wie es der Hype um die „Stop Dance"-VertreterInnen vermuten lässt, war die Entwicklung, die ins 21. Jahrhundert führte, gar nicht.
Doch so endet die Schmidts Buch in einer Fin-de-Siècle-Melancholie, in einer Art Schwanengesang auf den Bühnentanz. „Zwischen der Vorstellung derer, die sich als neue Avantgarde verstehen, und dem klassischen Modern Dance, die Aufführungen von Merce Cunningham eingeschlossen, besteht eine größere Kluft, ein wahrer Abgrund, als sie zwischen modernem Tanz und klassischem Ballett je bestanden hat. Im Endeffekt ist die tänzerische Post-Post-Moderne dabei, das Publikum, das choreografische Giganten wie Merce Cunningham oder Pina Bausch dem neuen Tanz eingebracht haben, durch Leichtfertigkeit, Chuzpe und mangelnde Begabung wieder zu verspielen."
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