Pressestimmen
Der deutsche Film der Fünfziger, schreibt der Journalist Claudius Seidl, sei stets "ein wenig neben seiner Zeit" gewesen; dass das Irreale, Bunt-Verdruckste des Nachkriegsfilms zu einem Gutteil an den Kulissen lag, macht dieses Filmbuch deutlich, das in 310 Farbfotos Glanz und Dilemma der Regisseure abbildet: Weil die Bundesrepublik zerbombt war, mussten die Paläste Sissis ebenso wie die bürgerliche Behaglichkeit der Rühmann- und O.-W.-Fischer-Filme im Studio nachgebaut werden. Die beiden Filmarchitekten Herbert Kirchhoff und Albrecht Becker prägten das Gesicht des deutschen Films; sie kopierten den Zeitgeist bis hin zu so stimmungsvollen Details wie Blumentapeten und Nierentischen. So zeigt diese Hommage an zwei visionäre Handwerker vor allem, wie sehr Film auf Illusion und Täuschung beruht. (KulturSPIEGEL)
Kurzbeschreibung
Ihre Arbeit findet scheinbar hinter den Kulissen statt. Aber in Wahrheit sind sie die Baumeister der Kulissen. Die Filmarchitekten Herbert Kirchhoff und Albrecht Becker, zweifache Träger des Bundesfilmpreises, haben maßgeblich zur Geschichte des deutschen Films beigetragen und ihm eine Gestalt verliehen. Ihre Bandbreite gleicht der des deutschen Films in jener Zeit und ihre Bauten sind oft besser als die Filme, die schließlich daraus wurden. Heinz Rühmann irrt im "Hauptmann von Köpenick" durch die historisierende wilhelminische Architektur von Kirchhoff und Becker, Curd Jürgens sucht seinen Weg in "Des Teufels General" in dem von ihnen überzeichneten, nationalsozialistischen Ambiente, Romy Schneider und Horst Buchholz verlieben sich in "Monpti" unter verwinkelten Pariser Dächern und Marika Röck schwingt das Tanzbein auf überladenen Revuebühnen. Maria Schell schwebt über breite geschwungene Treppen, und Liselotte Pulver übernachtet in der "Zürcher Verlobung" in einer eingeschneiten Skihütte, während Paul Hubschmidt an einem Nierentisch sitzt. Der Schinderhannes wird auf der Guillotine hingerichtet. Das Buch bietet eine umfangreiche Dokumentation der Arbeit der beiden Filmarchitekten und eine Materialsammlung von zum großen Teil unveröffentlichten Zeichnungen, Entwürfen und Fotos, die Szenen des deutschen Films neu beleuchten.