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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Tanz der Derwische,
Von
Rezension bezieht sich auf: Tanzende Araber (Taschenbuch)
Sein Vater sagt ganz am Ende, nachdem er aus Ägypten zurückkehrt, dass es am Besten sei, dass ein israelischer Araber "siebtklassige Bürger in einem zionistischen Staat würde. Das sei besser als erstklassiger Bürger in einem arabischen Staat zu sein. Mein Vater hasst Araber, er sagt, es ist besser, Sklave bei einem Feind zu sein statt Sklave eines Führers aus dem eigenen Volk".Und das bei einem Vater, der sich zeitlebens als kämpferischen Palästinensischen Araber sah und für die Juden nichts Gutes übrig hatte! Fiktion? Wenn man das Buch von Anfang bis Ende liest, hat man nicht den Eindruck. Es scheint autobiographisch und authentisch zu sein. Viele Details aus dem Alltag der Araber in Israel sind sehr genau. Wären sie unrichtig, würde das sofort Widerspruch hervorrufen. Der Autor ergreift nie Partei, weder für die eine noch für die andere Seite. Man mag viel Ironisches und Selbstironisches entdecken, daneben gibt es viel hässlich banales, auffälliger ist aber das Sinnlose und Widersprüchliche in dem Hass und der Verhaltensweise der Araber. Vielleicht hatte der Autor doch die Absicht dahinter ein großes Fragezeichen zu setzen. Die Palästinenser leben auf Hoffnung, auf viele Erwartungen, von denen allesamt irrational zu sein scheinen. Das Ende der Juden muss jeden Augenblick nahe sein. Der Prophet kommt zurück, Jerusalem wird schon morgen fallen, die Araber aller Länder vereinigen sich.... An erster Stelle steht die Vernichtung oder Vertreibung der Juden. Und wenn das nicht gelingt, sollen sich zumindest die Verhältnisse im Land ändern. Dann sollen Juden Bürger zweiter Klasse sein, schließlich sind nur die Araber rechtgläubig. Nur, in den arabischen Staaten geht es den Arabern auch nicht besser als in Israel. Wirtschaftlich eher im Gegenteil. Der judenverachtende Vater" baut an seinem vierten Haus und hofft darauf, dass sein Sohn einmal eine arabische Atombombe baut. Der Ich-Erzähler selber weiß auch nicht so recht, wo er steht. Er ist ein Pragmatiker, es ist ihm Recht, wenn die Juden ihn für einen Juden halten. Das bringt Vorteile. Er kleidet sich wie ein Jude, spricht wie ein Jude und darauf ist er auch noch stolz. Bei den Juden gibt es sauberes Wasser, Lehrer, die nicht schlagen und Arbeit. Und natürlich hat er eine jüdische Geliebte. Die arabische Ehefrau hasst ihn. Bei all den Widersprüchen und ins Auge fallenden hausgemachten Problemen im Lager der Muslime vermag er nicht Partei für sie zu ergreifen, die Erziehung hat ihn nicht vorbelastet, die Propaganda nicht verblendet, sondern eher abgeschreckt. Wenn der Autor ein unparteiisches Buch schreiben wollte, ist ihm das nicht gelungen, auch wenn er nie politisch wird. Vielleicht liegt gerade darin das Besondere, etwas klar zu machen, ohne es auszusprechen? Viele Anekdoten scheinen ohne Sinn und Verstand aneinandergereiht, aber insgesamt ergibt sich doch ein Bild. Es müssen einem die Haare zu Berge stehen über Naivität, Unmündigkeit, Verbohrtheit und aggressive Potenz der "tanzenden Araber". Das Buch ist verständlich geschrieben und leicht zu lesen. Für manchen ist es vielleicht eine bessere Einführung in das Leben in der "Zone" als eine journalistische Abhandlung. Aber eines ist auch klar, Muslime werden es nicht mögen. Was nicht wahr sein darf, kann nicht wahr sein. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Innenansichten eines palästinensischen Israeli,
Von M.P. (Niedersachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Tanzende Araber (Gebundene Ausgabe)
Das Buch schildert ein persönliches Scheitern, das allzu menschlich erscheint in einer Situation, die aufgrund des Palästina-Konflikts einzigartig ist.Zudem erinnert das Buch an einen Aspekt, der bei der Israel-Problematik häufig vergessen wird, nämlich dass ein Großteil der Israelis arabischer Abstammung ist, und trägt den Leser in einer Innenansicht durch die vielfältigen Widrigkeiten, die das Schicksal eines in Israel geborenen Arabers mitsich bringt. Einem Leser, dem die Geschichte und Situation des Konflikts in Israel/Palästina nicht bekannt ist, wuerde ich das Buch eher nicht empfehlen, da vieles ohne dieses Kenntnisse vermutlich unverständich bleibt. Für jeden Israel/Palästina-Interessierten stellt es jedoch sicher eine Bereicherung da, die eindrucksvoll eine menschliche Dimension dieses Konflikts schildert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sprich nicht über Politik,
Rezension bezieht sich auf: Tanzende Araber (Gebundene Ausgabe)
Als Kind schläft er bei seiner Großmutter im Bett, um sie vor dem Tod zu schützen. Im elterlichen Garten baut er kleine Schützengräben und spielt mit seinem Bruder Krieg. Doch er ist ganz anders als sein Vater. Noch nicht einmal eine arabische Fahne kann zeichnen. Er will lieber Jude sein, das ist viel cooler.Er, der Namenlose, das ist Sayed Kashua, Jahrgang 1975. In seinem stark autobiografisch geprägten Roman erzählt er die Geschichte eines israelischen Arabers. Israelischer Araber - was soll das eigentlich sein? Kashuas Protagonist hat Glück: Er spricht hebräisch und geht auf eine jüdische Schule. Dass er Araber ist, sieht man ihm nicht an. Das Problem ist seine innere Zerrissenheit: Als er zum ersten mal Juden sieht, pinkelt er sich vor lauter Aufregung in die Hose. Das war im Kindergarten. Später wird er auf eine Schule für Begabte versetzt. Er ist der einzige Araber dort und fühlt sich wie eine Außerirdischer. Wegen seines rosafarbenen Bettlakens und dem falschen Aussprechen hebräischer Wörter von seinen Mitschülern gehänselt, entwickelt er ein nebulöses Selbstbild. "Juden, das bedeutete, dass ein paar Stunden Unterricht ausfielen, und die Lehrer benahmen sich ganz anders, sie schlugen uns nicht und lächelten die ganze Zeit". Jude-Sein bedeutet keine lachenden Mitschüler, keine Angst vor Kontrollen der jüdischen Grenz-Soldaten, kein Inkognito-Leben mehr. Letztendlich aber bleibt Kashuas Protagonist ein Verlassener zwischen den Welten: "Zuweilen denke ich daran zum Judentum überzutreten, und dann glaube ich wieder, ich müsste mich selbst in die Luft sprengen oder die Soldaten an der Kreuzung in Ra'anana überfahren". Der Erstlingsroman von Sayed Kashua erzählt die Geschichte einer Kindheit und die Suche nach Selbstbestimmung und Identität in einem zerrissenen Land. Minutiös beobachtete Alltagsgeschichten wechseln sich ab mit realistischen Schilderungen über das annektierte Dorf. Trotz des ernsten Themas macht Kashua keinen Halt vor Pointen, in denen er in sarkastischen Tönen die Tragik der Lebenssituation kommentiert. Ironie als Überlebensstrategie: Wir dürfen Lachen, auch ohne dass uns das Lachen im Halse stecken bleibt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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