Einem meiner Vorgängerrezensenten entnehme ich, dass Herr Barley offensichtlich für seine spitze Zunge berühmt ist. Nun, ich habe vom Autor bislang noch keine anderen Bücher gelesen und dies auch nicht vor, ergo bewerte ich das Buch von einem Standpunkt außerhalb des "Barleyversums".
Mir gefielen genau zwei Punkte an dem Buch nicht. Zum einen die bereits erwähnte Sprunghaftigkeit. Ich weiß nicht, wie viele Kulturen der Autor auflistet, es sind jedenfalls eine Menge, und jemand wie ich, der *nicht* bereits alle Länder der Erde dreifach bereist hat, kommt dabei mitunter ganz schön ins Schleudern. Es ist durchaus interessant, was hier zu lesen ist (die unterschiedlichen Begräbnis- und Trauerriten rings um den Globus), aber sie sind allesam unzusammenhängend und chaotisch durcheinandergewürfelt, so dass ich nach der Lektüre des Buches zwar informiert aber nicht schlauer war. Ich könnte rückblickend keine einzige Begräbnissitte mehr ihrem korrekten kulturellen Umfeld zuordnen.
Der zweite Punkt, der mich massiv störte, den man aber wohl als typisches Stilmerkmal des Autors werten kann, ist der geradezu verächtliche Tonfall, mit welchem er die eigene (in seinem Fall westlich-englische) Kultur den anderen von ihm beschriebenen gegenüberstellt. De facto hat jede Kultur ihre eigene Berechtigung und man kann entweder keiner einzigen Dummheit, Betulichkeit oder Scheinheiligkeit vorwerfen - oder aber allen. Wenn ein Ethnologe seine eigenen Wurzeln als negativ und verlogen empfindet und dann auch noch in einem Buch darüber herzieht, so ist das nicht unbedingt eine Auszeichnung für ihn als Wissenschafter. Wie gesagt, mittlerweile ahne ich, dass diese Schnoddrigkeit wohl das Markenzeichen des Autors Barley, nicht die des Ethnologen ist. Es stört mich dadurch aber nicht weniger, klingt es doch ganz so, als könne kein einziger Europäer richtig trauern, sondern wären alle nur irgendwelchen vermeintlich verstaubten Kirchenritualen verhaftet.