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Tanz ums Grab
 
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Tanz ums Grab [Gebundene Ausgabe]

Nigel Barley
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 305 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta (1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608918116
  • ISBN-13: 978-3608918113
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 13,2 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 677.379 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Nigel Barley
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Allzu heitere Todesriten

Nigel Barley tanzt ums Grab

Nigel Barleys neues Buch bekräftigt, was der Autor bereits in seinen früheren, teilweise stilistisch aussergewöhnlichen und in ihrer erzählerischen Kraft faszinierenden Büchern hat anschaulich werden lassen: «Es ist schlechterdings unmöglich, sich auszudenken, was eine andere Kultur als normal und was sie als fremdartig versteht.» Es ist die Aufgabe des Ethnologen, die scheinbare Selbstverständlichkeit, mit der wir unseren eigenen Vorstellungen folgen und die der anderen geringer schätzen, aufzubrechen und der Hierarchie eine Gleichwertigkeit entgegenzusetzen: Kein Ritual ist dümmer, wilder, unzivilisierter als ein anderes, nur weil es uns auf dem Hintergrund unserer Kultur, oder den anderen auf dem Hintergrund ihrer Kultur, so erscheinen mag.

Nigel Barleys «Tanz ums Grab» lenkt den Blick auf die unausdenkbare Vielfalt an möglichen Verhaltensformen gegenüber dem Tod, der Tatsache, der sich kein Mensch verschliessen kann. Leider verbleibt das Buch auf dem Niveau einer – klugen – Materialsammlung, im wesentlichen gestützt auf Mythen und Riten in Afrika und Asien und auf die Riten, Pseudoriten und Pseudoempfindungen in der westlichen Welt. Verliebt in die Imitation von Dialogen und in die impressionistische Darstellung und pointierte Karikierung der «Sterbeerlebnis-Industrie», aber auch eingeengt durch sein zwanghaftes Verhältnis zum Witz und zur Ironie und sich in seiner Argumentation beständig selbst begrenzend durch seine massive Abwehr philosophischer und psychoanalytischer Erklärungsformen, kommt Barley über endlose Deskriptionen und heitere Geschichten grossenteils nicht hinaus. Sein neues Buch ist – im Unterschied zu seinen bisherigen Büchern «Der Löwe von Singapur», «Hallo Mister Puttymann», «Traurige Insulaner», «Traumatische Tropen» und «Die Raupenplage» – nicht komponiert; es hat keine innere Entwicklung, alle Kapitel sind in der Reihenfolge austauschbar. Wenn nicht klar wird, woraufhin eine Geschichte erzählt wird, wiederholt sie immer wieder nur die eine, anfänglich so spannende These, dass die anderen eben anders sind. So sind diese Aufzeichnungen nicht Fisch, nicht Fleisch, will sagen: nicht Literatur, nicht Wissenschaft.

Im Vergleich zu philosophisch so tiefen und dabei äusserst unterhaltsamen Werken wie etwa Prentice Mulfords «Unfug des Lebens und Sterbens» oder so weisen, von Lebensklugheit erfüllten Abhandlungen wie Sogyal Rinpoches «Buch vom Leben und vom Sterben» – Texte, die sich nicht in einer Trockenlegung des Unbewussten und der seelischen Tiefen gefallen – lässt Barleys Karteikartensammlung den Leser in einer eigenartigen Verwirrung zurück: Einerseits fühlt man sich tief berührt von den Todesriten; andererseits verhindert gerade der satirische und alles Tiefe abwehrende Ton das Sichberührenlassen.

Hans-Jürgen Heinrichs

Kurzbeschreibung

Da am Tod kein Weg vorbeiführt, auch wenn wir davor die Augen fest verschließen, ist es hilfreich, herauszufinden, wie das Ende in anderen Kulturen verkraftet wird. Der Ethnologe Nigel Barley hat "tausendundeine" Geschichten über den Tod gesammelt und die Phantasien, Mythen, Rituale, Vorschriften auf Gemeinsamkeiten hin untersucht. Der Tod ist universal, doch, wie die Lebenden mit den Verstorbenen umgehen, welche Bedeutung der Tod im Leben hat, das ist von Kultur zu Kultur verschieden.Nigel Barley studierte moderne Sprachen und Ethnologie in Cambridge und Oxford und betrieb zwei Jahre lang Feldforschung in Kamerun. Seit 1981 arbeitet er am British Museum in London. Weitere Buchveröffentlichungen: "Die Raupenplage", "Traurige Insulaner" und "Hallo Mister Puttyman".

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Vor dem Tod erschrecken wir alle, oder? Das dies nicht so einfach zutrifft, sondern im Extrem eher eine spezifisch neuzeitlich-westliche Erlebensweise ist, zeigt Nigel Barley durch seine kenntis- und erlebnisreichen Streifzüge durch andere Kulturen. Hier haben wir viel zu lernen. Dabei ist das Buch nicht trocken, gelehrsam oder belehrend. Nein, es ist - obwohl der Tod im Mittelpunkt steht - amüsant, bereichernd. Ein Tanz ums Grab, der uns viel Last abnehmen kann, wenn ernst genommen und weiterverfolgt. Ein mir besonders liebes Beispiel ist der Besuch einer Bierabfüllanlage mit seinen afrikanischen Gastgebern, die ihm die Reinkarnation erklären wollen. Wie das Bier immer wieder in die Flasche komme, so kehre die Seele in den Körper zurück. Die Technisierung führt nicht zwangsläufig zu einem Verlust der eigenen Werte, sondern wird einverleibt und verarbeitet. Das Lebensgefühl dieser Menschen bleibt erhalten und kann unseres erweitern.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Kleine Enttaeuschung 4. November 2003
Von Peer Sylvester TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Zugegeben, ich wusste dass "Tanz ums Grab" - im Gegensatz zu den anderen (von mir sehr geschaetzten) Buechern von Nigel Barley KEIN Reiseroman ist. Trotzdem war ich etwas enttaeuscht. Besonders in den ersten Kapiteln vermittelt das Buch einen ziemlichen Lehrbuchcharakter. Die unterschiedlichen Todesriten, sind zwar interessant, aber zum Teil etwas uninspiriert aneinandergereiht und man kann einen Grossteil gar nicht recht aufnehmen. Erst wenn man sich etwas eingelesen hat, bekommt man ein Gefuehl fuer die Staerken des Buches, die vor allem dann zum Vorschein kommen, wenn er Fremde Begraebnisriten mit westlichen Riten vergleicht (was er mit dem ueblichen Barley-Humor tut) und in den Reiseanekdoten, die er ueberall einstreut. Es blitzt also immer wieder der witzige, beobachtende und lesbare Barley auf, doch er ist nicht so offensichtlich wie in den anderen Buechern von ihm.
Insofern kann man das Buch nicht so uneingeschraenkt empfehlen, wie ich es bei seinen Reiseromanen tun wuerde.
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Von Nina R.
Format:Taschenbuch
Einem meiner Vorgängerrezensenten entnehme ich, dass Herr Barley offensichtlich für seine spitze Zunge berühmt ist. Nun, ich habe vom Autor bislang noch keine anderen Bücher gelesen und dies auch nicht vor, ergo bewerte ich das Buch von einem Standpunkt außerhalb des "Barleyversums".

Mir gefielen genau zwei Punkte an dem Buch nicht. Zum einen die bereits erwähnte Sprunghaftigkeit. Ich weiß nicht, wie viele Kulturen der Autor auflistet, es sind jedenfalls eine Menge, und jemand wie ich, der *nicht* bereits alle Länder der Erde dreifach bereist hat, kommt dabei mitunter ganz schön ins Schleudern. Es ist durchaus interessant, was hier zu lesen ist (die unterschiedlichen Begräbnis- und Trauerriten rings um den Globus), aber sie sind allesam unzusammenhängend und chaotisch durcheinandergewürfelt, so dass ich nach der Lektüre des Buches zwar informiert aber nicht schlauer war. Ich könnte rückblickend keine einzige Begräbnissitte mehr ihrem korrekten kulturellen Umfeld zuordnen.

Der zweite Punkt, der mich massiv störte, den man aber wohl als typisches Stilmerkmal des Autors werten kann, ist der geradezu verächtliche Tonfall, mit welchem er die eigene (in seinem Fall westlich-englische) Kultur den anderen von ihm beschriebenen gegenüberstellt. De facto hat jede Kultur ihre eigene Berechtigung und man kann entweder keiner einzigen Dummheit, Betulichkeit oder Scheinheiligkeit vorwerfen - oder aber allen. Wenn ein Ethnologe seine eigenen Wurzeln als negativ und verlogen empfindet und dann auch noch in einem Buch darüber herzieht, so ist das nicht unbedingt eine Auszeichnung für ihn als Wissenschafter. Wie gesagt, mittlerweile ahne ich, dass diese Schnoddrigkeit wohl das Markenzeichen des Autors Barley, nicht die des Ethnologen ist. Es stört mich dadurch aber nicht weniger, klingt es doch ganz so, als könne kein einziger Europäer richtig trauern, sondern wären alle nur irgendwelchen vermeintlich verstaubten Kirchenritualen verhaftet.
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