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Wie beispielsweise auch in Naokos Lächeln ist der Protagonist und Ich-Erzähler im Grunde eine popmusikbegeisterte Durchschnittsexistenz -- wäre da nicht sein dunkles Verlangen nach einem geheimnisvollen, surrealen Ort: einem Hotel, das er einst aufgesucht hat und an dem sich die Fäden seiner Biografie unter der dunkeln Regie des Schafsmanns verflechten. Hier allein können Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander gesponnen werden, nur hier vermag er sich (im Grunde hoffnungslos) aufzubäumen gegen Vergessen und Vergänglichkeit, um (wie Sisyphos) dennoch glücklich zu sein in einem neuen (erwachsenen?) Leben. Der Weg dahin ist freilich ein steiniger: Fragile Frauengestalten, die potenziell immer wieder verschwinden, entgleiten ihm ebenso wie todgeweihte Geliebte, weshalb erotische Momente ausschließlich im Schatten einer Todesbedrohung erlebt werden können, ebenso wie Liebe und Tod unausweichlich nebeneinander stehen.
Einmal mehr geht es Murakami in seinen traurigen Liebesgeschichten also um die ganz großen, die unbedingten Fragen. Leider jedoch bleiben deren ästhetische Strukturen vom Autor unreflektiert und werden auch für den Leser in keiner Weise sichtbar: Eine Vielzahl der Metaphern sind so banal, dass man nicht mehr von vereinzelten Übersetzungspatzern sprechen kann; die Einfachheit der Sprache grenzt ans Triviale. ("Schließlich fuhr Gotanda mit meinem Subaru weg, während ich seinen Maserati einparkte. Ein hypersensibler, aggressiver Wagen, reaktionsschnell und voller Power. Sobald man Gas gibt, hebt man ab zum Mond.") Und dennoch: Murakami erfreut sich großer Beliebtheit.
Sein enormer Erfolg auch außerhalb Japans mag allen voran darin begründet sein, dass es ihm in seiner sehr einfachen Prosa gelingt, eine "Zeitstimmung" über alle Ländergrenzen hinweg heraufzubeschwören: Durch spezifische Markencodes, intertextuelle Verweise, das Zitieren eines großen und gemeinhin bekannten Poprepertoires könnten seine Protagonisten in Berlin genauso wie in Tokio, Paris oder New York leben -- das Identifikationspotenzial ist also hoch. Dennoch: Diese sentimentalen Stimmungsbeschreibungen kommen gänzlich unironisch, dafür mit existenzialistischem Ehrgeiz daher, was seltsam berührt, sogar anachronistisch anmutet, hat der Existenzialismus seinen Zenit doch überschritten. --Kristina Nenninger
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