Jeder, der sich ein bisschen in seinem Leben fürs Ballett interessiert, sollte dieses Buch - eigentlich für Kinder/Jugendliche gedacht - lesen. Natürlich ist es in einer vereinfachten Sprache geschrieben, nur 202 Seiten stark und groß gedruckt; aber der Inhalt ist so derartig überzeugend, dass es auch für jeden Erwachsenen geeignet ist! Ich empfehle es jeder Ballettschülerin genauso, wie deren Eltern!
Es geht um Diszpilin, Können, Begabung, Verbissenheit, Selbstaufgabe, Stolz, viel Drill und Mobbing einer Ballettlehrerin, die sich für die beste Tänzerin auf der ganzen Welt hält und Kinder dazu zwing dürr zu sein; es ist lehrreicher als jede Ballett-Biografie, die ich bislang gelesen oder gesehen habe. Porter schreibt aus dem Ballettleben, da sie selbst jahrelang eine Ballerina verkörpert hat.
Es geht um ein 13jähriges Mädchen, deren Welt einzig und allein Ballett ist. Als sie von ihrer Lehrerin, einer ehemaligen russischen Ballerina, entdeckt wird, ist sie kaum mehr zu halten. Delia kümmert sich fortan nur noch um ihre Ballettübungen und ihren Körper. Sie wiegt sich täglich (!), misst ihren Körperumfang wöchentlich (!), portioniert ihre kleinen Essensrationen (300 kcal-pro Tag!) mit einer Briefwaage (!) und nimmt bei ihren 48 kg drastisch ab, weil sie den "Stern" in "Der Nussknacker" tanzen soll. Delia's Welt dreht sich nur noch ums Essen, ihr Gewicht und die panische Angst von Madame vor der Klasse "als zu dick" hingestellt zu werden ("ich würde sterben, wenn sie mir das sagen würde", sind nur eines der Sätze, die man Delia wörtlich abnimmt). Diese Entwicklung wäre für jeden Psychologen ein eigenes Studium wert. Es ist grotesk, wie sich Delia mit Haarnadeln und Haarspray im Bad einschließt, damit sie den perfekten Dutt kreieren kann; diese Frisur hat einzig den Zweck um einen langen Hals und Grazie zu bekommen. Madame spricht es nicht aus, aber alle wissen, dass sie es wünscht. Und was Madame wünscht setzt Delia um, bis sie völlig sinnlos in Ungnade fällt!
Ich bin bekennender Ballett-Fan und weiß relativ viel über das Training (z.B. das eine Essstörung völlig sinnlos ist, da der Körper die Kraft und Ausdauer braucht die schwierigen, intensiven und langen Tänze zu überstehen; der Körper muss durchtrainiert sein, aber nicht ausgezerrt und abgemagert!)usw; was ich hier aber gelesen habe, stellt mir die Haare auf! 13jährige Elevinen, die sich bereits wie 20jährige Tänzerinnen benehmen ist erschreckend.
Fazit: Ein eindrucksvoller Ballettroman über ein 13jähriges Mädchen, welches sich derartig in die Disziplin des Balletttrainings hineinversetzt, nur um perfekt zu sein. Sie macht Hungerkuren, zählt Kalorien und macht alles um von Madame gefördert zu werden. Die scheinheilige Glitzerwelt des Balletts bekommt mit diesem Buch einen gehörenden schwarzen Anstrich und es ist schade, dass dieses Buch nicht bekannter ist. Ich wäre sogar dafür, dass von diesem Buch ein Gratisexemplar in jeder Ballettschule erhältlich sein sollte; es würde so mancher zwangsgestörten Lehrerin die Augen öffnen. Den Elevinen sei gesagt, dass nicht jedes Mädchen Ballerina werden kann und tanzen etwas wunderbares und -schönes ist; aber es sollte niemals zum Zwang werden!
Absolute Leseempfehlung!
Viel Spaß!