Ani Bycall arbeitet als Barkeeperin in einer Eisbar im sonnigen Florida. Sie gibt sich sehr verschlossen und pflegt keine Freundschaften. Lediglich ihrer neuen Kollegin Lisa gelingt es, ihr Vertrauen zu gewinnen. Lisa erfährt von Ani, dass diese vor einiger Zeit wegen eines angeblichen Datendiebstahls von der Uni in Alaska geschmissen wurde und durch diesen Vorfall auch ihre große Liebe Eve verlor. Sie überredet Ani, gemeinsam nach Alaska zu fliegen und die Sache endlich zu klären....
Die erste Hälfte des Buches habe ich fast nonstop den Kopf geschüttelt und mich gefragt, weshalb ein mir drittklassig erscheinender Roman wie dieser überhaupt ins Deutsche übersetzt wurde. Denn einiges schien mir inhaltlich sehr holprig:
Zu schnell gab Ani ihre Abwehrhaltung gegenüber Lisa auf. Lisa war hartnäckig, zugegeben, für meine Begriffe schon nervtötend. Dennoch hatte ich gerade anfangs den Eindruck, da wären etliche Seiten an Annäherungsprozess heraus gekürzt worden.
Lisa wirkte auf mich durchwegs wie eine konstruierte Figur, die nur nötig war, um den LeserInnen Anis Vergangenheit zu erzählen und dafür zu Sorgen, dass sämtlichen Beteiligten irgendwann ein Licht aufgeht. Gleichzeitig war in dieser Person jedes erdenkliche Klischee vereint: schlank, blond, großer Busen, sportlich, sonnengebräunte Haut, sexy...Natürlich war sich Lisa ihrer Reize stets bewusst und setzte sie gegenüber Männern und Frauen zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ein, und NATÜRLICH fuhren alle absolut auf diese Reize ab. Langweilig!
Genervt hat mich mal wieder diese absurd hohe Lesbenquote: fast jede vorkommende weibliche Person war lesbisch, auch, wenn es sich nur um eine Nebenfigur handelte. Ich frage mich, ob die Autorin in einer Art Kokon lebt, wo diese Häufigkeit tatsächlich ihrer Wahrnehmung entspricht, oder ob sie einfach bewusst eine Phantasiewelt für ihre Leserinnen schafft.
Die Geschehnisse an der Uni - Dekan mag keine Lesben, unterstellt der Dozentin ein Verhältnis mit ihrer Studentin und greift dankbar nach der nächsten Gelegenheit, um die beiden loszuwerden; kein externes Gremium schaltet sich ein, um den Fall zu prüfen; alle StudentInnen wenden sich sofort geschlossen gegen Ani - waren einfach absurd und spiegelten für mich eine Realität wieder, die es möglicherweise in den USA geben mag, mir jedoch völlig fremd ist.
Dass Eve Anis große Liebe ist - immer noch - war mir bis zu letzt ein Rätsel: eine Frau, die vorbehaltlos alles glaubt, was ihr von Dritten erzählt wird und das Verschwinden ihrer Freundin still leidend akzeptiert, anstatt nach ihr zu suchen? - Toll, das wünscht frau sich...
In der zweiten Hälfte des Buches kam Spannung auf, weshalb ich dann gerne weiter gelesen habe und dem Buch statt einem Stern doch guten Gewissens drei Sterne gebe. Insgesamt ist dieses Kallmaker-Buch jedoch eine seichte, oberflächliche Schnulz-Story, getränkt von Klischees und auch sprachlich teilweise schwer erträglich: es hagelt Wiederholungen, abgedroschene Phrasen reihen sich aneinander...
Es begann mit einem Kuss" und Liebe im Sternenlicht" von Karin Kallmaker haben mir recht gut gefallen. Für dieses kann ich mich jedoch nicht so begeistern.