Der sechste Band der Anita Blake-Reihe wartet nicht mit einem kompliziertem Kriminalfall auf. Es geht auch nicht vordergründig um den Auftrag, Anita zu töten. Im Mittelpunkt stehen diesmal die Beziehungen der einzelnen Charaktere, sowohl emotional, wie gesellschaftlich. Das Wirrwarr, dass die Autorin seit dem dritten Band der Serie aufgebaut hat, nährt sich hier seinem - vorläufigen - Ende.
Sowohl Anita, als auch Richard müssen sich entscheiden. Bei Anita heißt das, sich für einen Mann zu entscheiden und zu akzeptieren, dass ihre beiden Freunde eben keine Menschen, sondern Monster sind. Bei Richard heißt das, die Führung seines Rudels zu beanspruchen, auch wenn er dadurch seine dunkle Seite akzeptieren und eine Abscheu vor dem Töten überwinden muss.
Besonders bei Anita ist dies interessant und erfreulicher Weise möglichst wenig kitschig erzählt. Anita hat sich seit dem ersten Buch enorm gewandelt, die Erfahrungen der letzten Monate (oder Bücher) haben sie einiges über sich selbst und die Monster gelehrt, die sie früher einfach nur bekämpfte. Hier bleibt die Autorin sowohl ihrer Heldin, als auch dem von ihr geschaffenen Universum treu, Anita hat sich und ihre Einstellung verändert, auch wenn sie dies lange nicht wahrhaben wollte.
Aber auch Richard, der sonst als zu perfekter Freund die Nerven des Lesers schon mal belasten konnte, ist in diesem Buch vielschichtiger dargestellt. Auch wenn Anita - und die Autorin - bei ihm immer noch etwas blind wirken, was seine Fehler angehen, so wird diesmal auch seine dunkle, unheimliche Seite gezeigt und auch Anita sieht, dass Richard nicht unfehlbar ist. Das bezieht sich nicht nur auf die Tatsache, dass Werwölfe eben doch Monster sind, Richard hat auch allzu menschliche Schwächen, wie sein männliches Ego.
Die anderen Charaktere treten etwas in den Hintergrund und dienen eher dazu, das innere Dilemma von Anita und Richard aufzuzeigen. Nur Jean-Claude darf noch einige neue Seiten zeigen und neben Anita glänzen, wenn dem Scharfrichter klar wird, wie gut der Meister der Stadt sie doch kennt und versteht.
Besonders positiv fällt hier auf, dass der Autorin diesmal das Ende durchaus gelungen ist. Hier wird kein Gegner soweit aufgebaut und die Situation so verzwickt dargestellt, dass jede Auflösung einfach enttäuschen muss. Diesmal werden alle Handlungsfäden und Rätsel behutsam gelöst. Am Ende steht kein Herzschlagfinale, aber man ist gespannt, wie all die Veränderungen Anitas Welt beeinflussen und verändern werden. Denn schließlich sind die Würfel gefallen und in Anitas Leben wurden ein paar dringend nötige Entscheidungen gefällt.
"The Killing Dance" heißt dieser Band im Original. Im Buch wird dies mit "Tanz mit dem Tod" übersetzt, was für die Werwölfe Sex und den Kampf um die Nachfolge bedeutet. Damit sind die Hauptthemen dieses Anita Blake Abenteuers treffend zusammen gefasst. Hier geht es nicht darum, ein moderndes Monster zu finden und einzufangen, und auch Anitas Kampf gegen die Auftragskiller ist nur oberflächlich. Dieses Buch ist die Auflösung offener Handlungsfäden und schließt somit ein Kapitel in Anitas Welt ab. Das geschieht sicher etwas emotionaler und mit weniger Gewalt, als man es von anderen Abenteuern der Heldin gewohnt ist. Trotzdem ist "Tanz der Toten" ein spannendes und sehr lesenswertes Buch, das einige Fragen der Fans beantworten wird und Platz macht für neue Abenteuer in Anitas Welt. Sicher nicht das beste Buch der Serie, aber eins, dass die Entwicklung der Charaktere und deren Geschichten vorantreibt.