Das Leben der erfolgreichen Rechtsanwältin Amanda Travis wird eines Abends komplett auf den Kopf gestellt: Schlimm genug, dass ihr längst vergessener Ex-Mann Ben Myers der ungebetene Anrufer ist, doch der Grund des Anrufs verschlägt selbst der hartgesottenen Amanda die Sprache. Ihre Mutter soll angeblich einen wildfremden Mann in einer Hotellobby erschossen haben und verweigert nun jede Aussage. Ben bittet sie, umgehend nach Toronto zu reisen und sich um die Angelegenheit zu kümmern. Trotz anfänglichem Widerwillen und bohrenden Zweifeln an der Glaubwürdigkeit dieses Vorfalls macht sich Amanda auf den Weg und wird mit einem immensen Wechselbad der Gefühle konfrontiert. Die Schattenseiten ihrer Kindheit holen sie ein, die dunklen Erinnerungen an die verkorkste Beziehung zu ihrer Mutter überfallen sie emotional und zu allem Übel scheinen alte Gefühle für ihren Ex-Mann neu aufzuflammen. Parallel dazu betreibt sie Ursachenforschung und versucht in Erfahrung zu bringen, warum ihre Mutter diesen Mord begangen hat. Letztere weigert sich vehement, irgendwelche Motive nach außen zu tragen. Was bringt diese alte Frau dazu, einen jungen Familienvater vor den Augen der Öffentlichkeit ohne weiteres zu töten? In dem schier unlösbaren Rätsel tastet sich Amanda langsam aber sicher an die Lösung heran. Und erlebt dabei mehr als nur eine unliebsame Überraschung.
Die Handlung in "Tanz, Püppchen, tanz" ist frisch, ideenreich, durchgängig unterhaltsam und voll überraschender Wendungen. Aus thematischer Sicht ist mir kein vergleichbares Buch bekannt. Joy Fielding hat es wieder einmal geschafft, mich für einige Stunden vollkommen in ihren Bann zu ziehen. Die Protagonistin des Buches ist jedoch eine der mit Abstand unausstehlichsten Figuren aller Fielding-Bücher, die ich bisher las. Manch einer mag Amanda Travis für eine emanzipierte, extrovertierte und verrückte Frau halten (und es gibt sicher viele Leserinnen, die sich gerne mit ihr identifizieren), aber für mich ist diese Frau oberflächlich, verwirrt, notgeil, extrem aufmerksamkeitsbedürftig und ein wenig debil. Dass die Protagonistin so stark polarisiert, muss nicht zwingend negativ sein. Ich fand sie in vielerlei Hinsicht dennoch unterhaltend und bin der Meinung, dass ein unsympathischer Charakter besser ist als ein vollkommen farbloser. Auch sind mir hier und da einige Rechtschreib- und Grammatikfehler aufgefallen, die den Lesefluss allerdings nicht stören. Vier Sterne ist mir dieses Buch allemal wert. Fielding hat bessere, aber auch schlechtere Werke vorzuweisen.