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4.0 von 5 Sternen
Reisen auf Augenhöhe, 19. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Tanz des Leoparden: Mein afrikanisches Tagebuch (Taschenbuch)
Beide Bücher von Lieve Joris über die Demokratische Republik Kongo, vormals Zaire, leben von ihren Begegnungen mit Kongolesen, und zwar im ganzen Land, von der Hauptstadt Kinshasa bis in die entlegene Provinz Katanga. "Tanz des Leoparden" erzählt von einer Reise, die wohl um 1997 stattgefunden haben muss (leider ist im ganzen Buch nicht ein Datum angegeben), in einer Phase des Umbruchs, der Chance zur politischen Erneuerung, der Ungewissheit und Angst, als Mobutu ins Exil ging und Kabila sen. sich an die Macht putschte. Es ist allerdings nicht der Anspruch des Buches, politische Verhältnisse zu erklären, sondern etwas über Land und Leute, Einstellungen, Mentalitäten mitzuteilen.
Joris nimmt ihre afrikanischen Gesprächspartner ernst, es ist eine gleichberechtigte Begegnung, sie fragt sie nach ihrer Meinung, versucht, Widersprüchlichkeiten (wie die Trägheit eines Großteils der Bevölkerung, die Anspruchshaltung gegenüber westlichen Regierungen und Hilfsorganisationen oder das Sich-Ausspielen-Lassen durch die Tribalismuspolitik der jeweiligen Herrscher) zu verstehen, nimmt sich zurück mit moralischen Urteilen und abwertenden Kommentaren. Sie lässt die Menschen für sich sprechen, vom Tolekisten (Fahrradchauffeur) bis zum Professor und Regierungsbeamten. Auch ist sie niemals sensationsgeil, auch nicht angesichts brutaler Gewaltanwendung (z.B. gegen Tutsi), die ihr kolportiert wird.
Joris bewegt sich mit großer Selbstverständlichkeit durch das Land und ist dabei gleichzeitig überaus offen. Sie hinterfragt - wie jeder ordentliche Feldforscher es tun sollte - regelmäßig ihren eigenen Blick, versucht Verzerrungen zu korrigieren. Das alles macht sie in ihrem Zugang zum Kongo bzw. zu Afrika nicht nur besonders sympathisch, sondern hat außerdem den Vorteil etwas zu erfahren über die Menschen; man fühlt sich nicht ob der sonst vielbeschworenen Andersartigkeit noch weiter entfremdet, sondern tatsächlich ein Stück näher dran.
Ein sehr gutes Stück Reiseliteratur, wie auch der Vorgänger von einer Reise 10 Jahre zuvor ("Das schwarze Herz Afrikas"). Heilsam ist das Buch obendrein, denn der Kongo ist doch in der westlichen Wahrnehmung (verständlicherweise) sehr angstbesetzt und gilt als nicht bereisbar. Vielleicht ist Lieve Joris töricht, aber sie zeigt das Gegenteil.
Mehr Karten und eine Zeitleiste wären ein Sahnehäubchen, ohne das sich leben lässt.
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4.0 von 5 Sternen
Mitten hinein ins Herz Afrikas, 30. Juni 2010
Eindrückliche Begegnungen mit Menschen im Kongo in der Phase der Vertreibung Mobutus und der Machtübernahme durch Kabila. Lieve Joris reist unter bedenklichen Bedingungen und Gefahren durchs ganze Land bis in die hintersten Ecken ' was für einen Mut hat diese Frau! Und sie zeigt uns eindrücklich, was die Menschen in einem bürgerkriegsversehrten Land umtreibt. Es ist meist nicht das, was wir uns unsere Medien berichten.
Dabei bleibt Joris neutral, vorurteils- und urteilsfrei ' und das ist schade! Da wird das Risiko des Standpunktes vermieden. Es fehlt die politische Stellungnahme, das Urteil, die präzise Analyse, auch wenn das ausdrücklich nicht die Absicht des Buches ist. Aber so bleibt es eine Aneinanderreihung von allerdings sehr spannend erzählten Reiserlebnissen und -Begegnungen vor einem politisch und moralisch vagen Hintergrund.
Trotzdem klare vier Sterne: Schon nach wenigen Seiten sind wir leibhaftig im Kongo, es ist heiß und schwül, der Wald dampft, die Städte rasen, die Menschen lachen, weinen, leiden, sind irr und klarsichtig, abergläubisch und unwissend, liebevoll, brutal, durchtrieben, unschuldig und schuldig, wir schauen durch ein buntes Kaleidoskop mitten hinein ins Herz Afrikas.
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