"Tante Lisbeth" ist meines Erachtens neben "2 Frauen", "Die Frau von dreissig Jahren" und "Das Mädchen mit den Goldaugen" der beste Roman Balzacs. Vom ersten bis zum letzten Wort ist dieser Roman perfekt! Wie aus einem Guss! Die Tante "Lisbeth Fischer" ist Balzacs mächtigste und köstlichste Figur, sie lebt! Schon in der Mitte des Romans weiss man genau, wie sie sich bewegt, wie sie ist, wie sie aussieht - er hat sie fabulös gezeichnet. Dieser Roman entstand, als Balzac sich in völligem Defätismus verlor, daher ist der Roman scharfsinnig und röntgend. Ferner hat er ihn mit grellem, süberben Humor verziert. Wie er die Religion in dieses Buch einflicht, hat mich fast wieder in den Schoss der Kirche zurückgebracht;-)) Tante Lisbeth kollaboriert mit der Feindin der Familie Hulot, einer prächtigen, bestrickenden Frau, die den Familienvater Hulot und viele andere Männer in ihr Garn lockt, um ein Netz der Intrigen immer enger um die Familie ihrer Cousine Adeline Hulot zu spannen und sie sukzessive zu zerstören. Sie zehrt aus ihrem Neid und ihrem Hass und wird schlussendlich unter den von ihr in Gang gebrachten Mühlen zermalmt.
Dieser Roman ist gleichsam ein literarischer Fackelzug für die Frauen, dieses prächtige Geschlecht, das Balzac verehrt. Es ist ein Genuss, wie er die Frauen beschreibt, vor allem ihre Gefühle, wie er beschreibt wie sie sich kleiden und geben, ihre Macht, ihre Gelüste und ihre Liebe.