Mit "Tante Julia und der Kunstschreiber" gelingt dem Autor Mario Vargas Llosa gleich zweierlei: Kurzgeschichten und einen Roman miteinander zu verbinden. Die Rahmenhandlung ist die dabei Geschichte des 18jährigen Mario, der in Lima Jura studiert, in einem Rundfunksender Nachrichtenredakteur ist und versucht, Schriftsteller zu werden. Als er eines Tages einer angeheirateten Tante seiner Familie, der 32jährigen Bolivianerin Julia, begegnet, verliebt er sich in sie, und, nachdem sie erst eine Weile passiv bleibt, sie sich auch in ihn.
Darüber hinaus geht es aber auch dem Hörspielautor Pedro Camacho, der für Marios Rundfunksender Hörspieldramen schreibt und damit überaus erfolgreich ist, womit auch schon die Brücke zu den Kurzgeschichten geschlagen ist: zwischen jedem Romankapitel bringt Llosa nämlich eine Hörspielgeschichte von Pedro Camacho, zwar direkten Bezug zur Haupthandlung, aber umso kurioser. Allein diese Geschichten wären schon ein Buch für sich wert...
Besessen vom Hörspieleschreiben und dem Gedanken, die einzelnen Hörspielgeschichten durch bewußte Personenverwechslungen miteinander zu verbinden, wird Camacho schließlich verrückt und landet im Irrenhaus. Indes wächst die Liebe zwischen Julia und Mario, sie beschließen zu heiraten. Köstlich: die Reise durch die Provinz auf der Suche nach einem Bürgermeister, der Julia und Mario - der 18jährig ohne Erlaubnis der Eltern nicht heiraten darf - trotzdem traut. Nach Art der Telenovelas: Wie wird die Geschichte ausgehen???
Ein typisch lateinamerikanischer Roman, voller Leichtigkeit und Sorgenfreiheit, aber trotzdem auch mit melancholischen Seiten - und natürlich den kuriosen Radio-Telenovelas, die ein gelungenes Abbild der lateinamerikanischen Unterhaltungskultur sind. Über allem liegt aber ein Augenzwinkern - das macht das Buch zu einer so angenehmen Lektüre.