Die Namen versprechen ein ganz großes Wagner-Ereignis: Nilsson (2x), Windgassen, Fischer-Dieskau, Adam ...
Die Aufnahme hält dieses Versprechen nicht ganz. Das liegt sicherlich auch an der etwas sterilen Studio-Atmosphäre. Die Tempi sind langsamer als man das heute gewöhnt ist, vieles klingt zwar sehr kammermusikalisch durchgehört, aber eben auch etwas vorsichtiger, weniger lebendig und temperamentvoll als auf der Bühne.
Etwas merkwürdig ist auch die Entscheidung, beide Frauen-Rollen mit Birgit Nilsson zu besetzen: So sehr sie sich auch bemüht, zu differenzieren, die Rollen sind einfach zu unterschiedlich, um sie mit derselben Stimme zu singen - ein eher zweifelhaftes Experiment. Zudem ist die Nilsson als verführerische Venus - trotz ihres nordisch-kühlen Timbres - überzeugender denn als keusche Elisabeth, für die sie zu erwachsen und welterfahren klingt. Trotzdem bin ich nicht der Auffassung einiger Kritiker, dass sie eine Fehlbesetzung wäre - dafür singt sie schon die Hallenarie viel zu mitreißend.
Wolfgang Windgassen ist ein sehr differenzierter und gerade im Finale mitreißender Tannhäuser. Fischer-Dieskau singt hier den Wolfram distanzierter als in der in dieser Hinsicht besseren Konwitschny-Aufnahme, trotzdem natürlich wunderschön. Theo Adam ist ein überzeugender Landgraf, die restliche Besetzung angemessen.
Alles in allem eine wirklich gute Aufnahme, eine der besten aus dem Studio, nur: das bessere ist des guten Feind: Ich ziehe die Live-Aufnahme aus Bayreuth unter Sawallisch vor: Sie klingt in allem lebendiger, Windgassen ist ebenso gut, Waechter ein impulsiverer, menschlicherer Wolfram, Anja Silja eine jugendlich-sanfte Elisabeth und Grace Bumbry eine sehr erotische Venus.
Und wer das Traumpaar Nilsson-Windgassen in Topform erleben will, kann auch zu dem Bayreuther Tristan-Mitschnitt oder Soltis Ring greifen.