Der Tod und das Sterben - es gehört zum Leben dazu, obwohl wir versuchen den Tod aus unserem Leben zu verdrängen. Das vorliegende Buch TANNER GEHT - ein Mann plant seinen Tod von Wolfgang Prosinger geht es um ein sehr heikles Thema, insbesondere für Deutschland - die Selbsttötung.
Für diese Rezension musste ich mich erst einmal hinsetzen, nicht leichtfertig ist es über dieses Buch zu schreiben, noch zu der Tat Stellung zu beziehen, welche der Autor Wolfgang Prosinger so einfühlsam wie nur möglich schildert und mit umfangreichen Gesprächen und Diskussionen (Pro und Kontra) zum Thema abrundet.
Das Thema ist, wie gesagt, heikel, den eine Menge Emotionen schwingen bei der Selbsttötung mit, christliche Ideale, ärztliches Ethos, Moral und Ethikverständtnis - doch TANNER GEHT beschreibt einen Weg, weit weg von alledem - Tanner hat Schmerzen und sie werden stärker, sein Ausweg innerhalb dieser Gesellschaft scheint die Gesellschaft Dignitas in Zürich zu sein, in vollem Bewusstsein seiner Tat und des Weges den er geht.
Auf viel Widerstand ist Tanner gestoßen und doch hat er es wahr gemacht, denn das Buch startet schonungslos mit dem Ende - Tanner nimmt eine Dosis Natrium - Pentobarbital und stirbt.
Die Tat ist geschehen und nun begibt sich der Autor und Weggefährte Tanners auf die Spur, welche Wolfgang Prosinger mit Tanner drei Monate lang verfolgt hat. Gespräche mit Freunden und Verwandten, die Suche nach einem Ausweg, die Erkenntnis, dass es keinen Ausweg gibt und nur noch mehr Schmerzen auf ihn zukommen werden und die Diskussion um die umstrittene Gesellschaft Dignitas in der Schweiz/Zürich, welche sich vielfachen Anfeindungen gegenüber sieht.
Der Kauf eines Grabsteins, das letzte Essen mit Freunden, die Fahrt in die Schweiz - man kann sich das Entsetzen gar nicht vorstellen, welches einen beschleicht beim lesen dieser Kapitel. Auch die Ablehnung des Tötungsgesuchs von Seiten Dignitas - da sich die Rechtsgrundlage änderte - führen zu einem Schock bei Tanner - doch nach einem weiteren Besuch kommt die befreiende Botschaft.
Dieses Buch wird die Leser und die Gesellschaft spalten, es wird schockieren und aufrütteln zugleich, selbst diese Rezension wird positive und negative Gefühle hervorrufen, denn ich stimme Tanner bei und respektiere seine Entscheidung zur Selbsttötung.
Nach zwei Weltkriegen, den Folterungen im Zeitalter der Aufklärung, den Völkerwanderungen und unendlichem Leid während einer gesellschaftlichen wie menschlichen Entwicklung über weit mehr als 30.000 Jahren, hat der Mensch in der heutigen Gesellschaft ein Maß an Wissen und Freiheit erlangt, welches ihm aber auf der anderen Seite eine Bürde ist, die Bürde der freien Entscheidung und freien Meinungsäußerung - Tanner hat für sich entschieden und es gilt den Respekt vor dieser Entscheidung zu bewahren und allen, welche sich vor einer solchen Entscheidung befinden - zur Hilfe zu eilen und zu Seite zu stehen, im Bewusstsein das das menschliche Leben eine Gnade ist, ein Geschenk - doch wenn es unerträglich wird, einen Ausweg parat zu haben.
Wer diesen Schritt wagt oder diesen Weg geht, wie Tanner es tat, verdient höchsten Respekt, denn nicht leichtfertig war die Entscheidung getroffen und nicht leichtfertig sollten wir ihn daher verurteilen.
Sehr empfehlenswert!