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Tango ist meine Leidenschaft
 
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Tango ist meine Leidenschaft [Gebundene Ausgabe]

Mauri A. Numminen
3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 346 Seiten
  • Verlag: Haffmans Verlag (2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3251004832
  • ISBN-13: 978-3251004836
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,8 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 282.427 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Finnischer Tango

Ein Roman von M. A. Numminen

Der Tango gehört genauso zu Finnland wie die Sauna. Zehntausende strömen alljährlich in die Stadt Seinäjoki zum «Tangomarkt», der in der Wahl der Tangokönigin und ihres Tangokönigs gipfelt. «Tango ist meine Leidenschaft»: Die Geschichte des finnischen Tangos skizziert der 1940 geborene Schriftsteller M. A. Numminen in seinem jüngsten, essayistisch geprägten Roman, und er erzählt ausserdem von den Liebesnöten des tangobegeisterten Zeitgenossen Virtanen.

Nun sind die Finnen (angeblich) umso glücklicher, je unglücklicher die Melodie ist, und ihr Tango hat in aller Regel eine absteigende Melodie in Moll. Der morbide Zug des Tangos harmoniert mit finnischer Melancholie: «Doch wenn von den Lippen dein / Gift trink ich, / dann ist der Tod mein; / das weiss ich sicherlich.» Den Tango der Argentinier bestaunen die Finnen, und ihr Sängervirtuose Eino Grön, ein ehemaliger Ringkämpfer, ist in Argentinien unter Begeisterungsstürmen aufgetreten. Zu argentinischen Rhythmen drehen möchten sie sich aber nicht: Während in Argentinien Rhythmus- und Tempowechsel wichtig sind für den erotischen Kitzel des Tanzes, ist es ein gleichmässiger Takt, der den Finnen anmacht und seine Finnin mit ihm. Der Komponist Toivo Kärki beschreibt den finnischen «Geh-Tango» als Mixtur aus slawischer Romantik und deutschem Marschschritt. Ziehharmonika und Schlagzeug sind die markanten Instrumente der Kapelle.

Der Schlüssel zum Erfolg populärer Musik in Finnland ist der Text. Der Tango kam 1913 nach Suomi, und die Texte wurden nach und nach der nordischen Szenerie angepasst («Schneeflocken-Tango»). Seine Seele fand das Genre dann im Zweiten Weltkrieg mit Liedern, die die Sehnsucht und das Verlangen von getrennten Liebenden besangen. Der Tango stützte die Kampfmoral an der Kriegs- und an der Heimatfront. Diese Tradition steckt, laut Numminen, noch tief im kollektiven Bewusstsein der Nation. So reagierten die Finnen wiederholt auf die Dominanz ausländischer Musik, indem sie sich mit ihrem Tango identifizierten. Der Boom der fünfziger Jahre war eine Reaktion auf den Versuch, aus Finnland eine Jazznation zu machen, und die Welle zehn Jahre später ein Protest gegen die angelsächsische Popmusik. Damals vertonten Tangokomponisten wie Unto Mononen Texte bekannter Lyriker. Kaj Chydenius schuf den «Hiroshima Tango». Und so mancher Intellektuelle kämpfte im Tangotakt für die Benachteiligten.

Die Jahrhundertstimme aber gehörte Olavi Virta (1915–72), der 600 Schallplatten aufnahm. Als er wegen Trunksucht zu einem Entzugsaufenthalt in einem Arbeitslager verurteilt war, liess er an jenem bösen Ort seine Brille auf den Boden fallen, damit er nach Helsinki fahren durfte, um sie reparieren zu lassen. Unterwegs machte er, angetan mit einem Suomi-Trainingsanzug, Plattenaufnahmen. Das war eine Aktion, die ihm die Seelen der jungen Finnen öffnete. Heutzutage gelangen Tangos freilich kaum mehr in die Charts.

Der literarische Humor der Finnen, wie er uns etwa auch in den Romanen Arto Paasilinnas begegnet, ist spleenig und burlesk. Numminens Ich-Erzähler Virtanen nun, ein leidenschaftlicher Tangotänzer, hat ein «philosophisches Prinzip». Er will den keuschen Griechen Platon übertrumpfen und bis zu seinem 36. Geburtstag enthaltsam leben. Danach möchte er geniessen, was Eros an Geschenken bringt. Das ist kein einfaches Projekt, denn der arme Mann erhält beim Tango eine Ahnung davon, «was Geschlecht ist». Zu seinem Entsetzen muss er erleben, dass die Frauen Erotik für ein fleischliches Verlangen halten. Kaum eine, die versteht, dass Erotik über den Tango geistig sublimiert wird. Kein Wunder, dass sich der Bedauernswerte pervers entwickelt. Eine Peitsche führt er mit sich, mit der er sein eigenwilliges Glied zur Raison zu bringen pflegt. Abgründe tun sich auf unter Numminens derbem Männerwitz. Dass die Christen durch ganze Zeitalter hindurch «mit bösem Gewissen Kinder zeugten», argwöhnte bereits Nietzsche. Im Kern steht Numminen in der Tradition jener freilich sublimeren finnischen «Flaneure» vom Beginn des 20. Jahrhunderts, die ihren Leichtsinn nur verschämt zu geniessen wagten, was immerhin ihre literarischen Kräfte entfesselte. «Verborgen im Park des alten Schlosses / eine schwarze Rose steht . . .»

Aldo Keel

Kurzbeschreibung

Die Finnen sind ein merkwürdiges Volk mit der höchsten Handydichte und den meisten Selbstmorden. Im langen Winter versinkt das Land in Dunkelheit, und im kurzen Sommer sind die Bewohner von Mücken geplagt. An den Landesgrenzen stehen übermächtige Nachbarn, die das Land immer wieder überfielen. So entstehen schräge Völker. Den meisten Nord- und Mitteleuropäern liegt der Rhythmus sichtbar nicht im Blut, die Finnen bilden keine Ausnahme, und dennoch sind sie begeisterte Tänzer. Und ihr Lieblingstanz ist ausgerechnet der Tango, Inbegriff der Leidenschaft und Körperbeherrschung. Das kann nicht gut gehen, und so entwickelten die Finnen ihren eigenen Tango, dessen wichtigstes Instrument die Pauke ist. Virtanen ist einer der grössten Anhänger des finnischen Tangos und ein wahrer Experte, der ihn mit Hingabe tanzt, vielmehr geht manchmal auch mit einem als Frau verkleideten Besenstiel. In Finnland geht man Tango. Die Komponisten, Texter und Interpreten der finnischen Variante sind Virtanen allesamt ein Begriff, und die meisten Texte kennt er auch. Tango ist seine Leidenschaft. Seine zweite Leidenschaft sind die Frauen, mit denen er Tango geht und ihnen die meist schmalzigen Texte ins Ohr singt. Doch gibt es da noch eine Wette, die er als 15-Jähriger mit Platon abschloss. Der behauptete, Männer sollten sich nicht vor ihrem 35. Geburtstag mit Frauen paaren. Virtanen nahm sich nicht nur vor Platons Vorgabe zu erfüllen, er will ihn auch noch um ein Jahr übertreffen. Standhaft wehrt er sich gegen alle weiblichen Versuche, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Überkommt ihn zu viel sichtbare männliche Lust, begibt er sich umgehend auf eine Toilette und peitscht sie sich aus. Bis Anja in sein Leben tritt, und die beiden sich ineinander verlieben. Virtanens Privatwette mit dem alten Griechen gerät seitdem immer mehr zum Problem zwischen ihm und Anja, die an seiner Enthaltsamkeit immer mehr (ver-) zweifelt. Sein selbst gewählter Asketismus lässt die beiden in die Katastrophe schlittern. Numminen ist ein liebevolles und äusserst humorvolles Porträt seiner Landsleute und ihrer Tanzleidenschaft gelungen. Zudem ist es auch ein sehr ungewöhnlicher Roman. Das Buch ist nicht nur die schräge Liebesgeschichte von Virtanen und Anja, es ist zudem ein Sachbuch über den finnischen Tango, das geschickt verwoben in eigenen Kapiteln und den Erzählungen Virtanens vermutlich jede Information über den finnischen Tango enthält. Ein wunderbar kurzweiliger Lesespass, der Neugier für das Tangogehen weckt. Bei Haffmanns in Zürich ist wieder eine echte Entdeckung geglückt.

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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Dass M. A. Numminen seit langem leidenschaftlicher Finn-Tanguero ist, bewies er schon 1966. Der damals von ihm getextete und später von Fritz Grünbaum ins Deutsche übersetzte Tango „Ich mit meiner Braut im Parlamentspark" war wegen angeblicher (und wohl durchaus beabsichtigter) Verhöhnung des finnischen Parlaments eine Zeitlang verboten. Mit dem nun im Deutschen vorliegenden Roman „Tango ist meineLeidenschaft" legt Numminen Bekenntnis ab. Genauer: Er lässt seinen Protagonisten Virtanen schon vorweg bekennen, dass seine Antwort auf die vielgestellte Frage nach dem Sinn des Lebens nur eine ist: Tango. Das macht denen unter uns, die Tangueros sind, den Romanhelden Virtanen freilich sympathisch, auch wenn er sich im Lauf des Romans eher als sympathischer Antiheld denn als Held entpuppt. Kein Roman ohne Held, kein Held ohne Konflikt. Virtanen, 35 Jahre alt und von Jugend an Tango- sowie Philosophie-infiziert, hat ein Problem: Mit fünfzehn liest er Platon, der gesagt haben soll, dass Frauen mit 24 und Männer mit 35 reif für den Geschlechtsakt seien. Um Platon zu übertreffen, setzt sich Virtanen in den Kopf, mindestens bis zum 36. Lebensjahr unberührt zu bleiben. Seine (Tango-)Natur indes widersetzt sich diesem Keuschheitsvorhaben, wie Numminen auf amüsante, sehr direkte Art Virtanen erzählen lässt. Nur gut, dass wir hierzulande nicht wissen, wie der finnische Gehtango geht! Virtanens Konflikt - übrigens so alt wie eine Grundfrage der Philosophie, nämlich die nach der Dichotomie von Körper und Geist, Natur und Kultur - verschärft sich, als er sich in Anja verliebt. Seine Leidenschaft beginnt zunehmend, Leiden zu schaffen. Schließlich kommt es zur tragischen Eskalation, sine qua non bei einem Roman über den Tango, den finnischen zumal. Numminens Roman ist aber nicht nur eine tragikomische finnische Liebesgeschichte, die ein Karausmäki-Filmdrehbuch sein könnte, er ist auch und ganz besonders eine ausführliche Einführung in die Geschichte des finnischen Tangos. In zahlreichen Kapiteln - wechselweise zu den Romankapiteln durch unterschiedliche Schriftart abgehoben - gibt Numminen nachgerade liebevoll Einblick in die Besonderheiten des Finn-Tangos, seine Komponisten, Texter und Interpreten. Gleichzeitig lässt sich das Buch als Führer für Tangotouristen zu den gängigsten südfinnischen urbanen (Helsinki, Turku) und ruralen Sommertanzschuppen, Tangoschwofhallen, Tangolokalen und -märkten (Seinäjoki) lesen. Eine Finn-Tango-Chronik, die Auflistung der finnischen Tango-Dynastien von 1985-1999 sowie ein Verzeichnis der knapp 300 im Buch genannten Musiktitel rundet den Informationsgehalt ab. Die Stärke der Vielseitigkeit dieses Buches ist jedoch zugleich seine Schwäche. Literarisch interessierte Nichttangueros werden die tangogeschichtlichen Details überblättern, musik-, populärkultur- und finnlandinteressierte Leser mag der Phallozentrismus des Autors stören und Tanzfanatiker werden Details zum Grundschritt des finnischen Gehtangos vermissen. Jenen jedoch, die vorbehaltlos von sich behaupten können: „Tango ist meine Leidenschaft", sei die Lektüre dieses Buches wärmstens empfohlen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Alles Tango! 7. August 2002
Format:Taschenbuch
Die meisten denken beim Stichwort Tango vermutlich zuerst an Argentinien und die Begriffe Tango und Finnland in einem Atemzug zu nennen käme ihnen gar nicht erst in den Sinn. Wie falsch diese Einschätzung ist beweist der Roman von M.A. Numminen. Der Tango hat in Finnland eine lange Tradition und Numminen lässt es sich nicht nehmen darüber mitunter geradezu ausschweifend zu referieren. Die Geschichte des Protagonisten Virtanen muss da so manches mal in den Hintergrund treten. Die Beschreibung seiner Entwicklung wird immer wieder von seitenlangen Abhandlungen über die finnischen Tangoautoren vergangener Jahrzehnte unterbrochen. Dadurch wird der Erzählrhythmus doch empfindlich gestört und der Leser bekommt gar nicht erst die Möglichkeit mit Virtanen mitzufühlen und seinen nächsten Erlebnissen entgegenzufiebern. Numminens Schreibstil ist durchaus interessant und keinesfalls trivial.
Wer Interesse an Finnland im Allgemeinen und am finnischen Tango im Speziellen hat wird von diesem Roman begeistert sein. Wer einen unterhaltsamen Roman mit einem Schuss typisch finnischer Skurrilität sucht wird ebenfalls nicht enttäuscht sein. Der Leser jedoch, der eine eingängige Lektüre für das Freibad sucht sollte lieber zu Antti Tuuri greifen.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Ein Unikum, dieser Mann. In seinem wundervollen Schreibstil schaffte er es bereits auf den ersten 20 Seiten mein Herz zu erobern. Ich habe nie in meinem Leben Tango getanzt und schon gar nicht finnischen. Doch die Leiden des 35-jährigen Virtanen, der aus philosophischen Gründen noch bis zur Vollendung seines 36.ten Geburtstages 'Jungmann' bleiben möchte, einzig um die Wette mit Platon zu gewinnen, werden ganz schnell zu den eigenen. Virtanen tanzt und begehrt und wird begehrt. Über die Liebe, endlich wieder mal ein Buch, in dem auch in den intimsten Momenten der Humor nicht außen vor bleibt. Stellenweise einfach nur komisch, dann wieder ganz melancholisch, tiefsinnig. Und die uns so oft so fernen Finnen sind auf einmal ganz nah. Ein Blick in die finnische Seele, voller altmodischer und ironischer Anmerkungen. Ich habe dieses Buch verschlungen und mit Erstaunen bemerkt, daß mich der Besuch des finnischen Tangokonzerts Mitte Oktober beim Finnland-Institut hier in Berlin ganz furchtbar lockt.....
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