Erst ein interessantes, großes Bild in der FAZ, dann in derselben Zeitung, Tage später, eine Geschichte im Zusammenhang mit einem gesponserten Italienaufenthalt - so wird man neugierig und bestellt. Es kommt ein dünnes Bändchen, liebevoll aufgemacht, vorne, auf der Folie der Hinweis auf den Bachmann-Preis, hinten auf dem cover der Tagesspiegel "Jenny Erpenbeck ist eine Ausnahmeerscheinung".
Genug des Vorspanns, Frau Erpenbeck ist entweder "entdeckt" oder nur geschickt vermarktet, vielleicht auch beides. In den Händen halte ich ein jedenfalls wenig, nur knapp 100 Seiten durch viele Leerseiten, dazu große Buchstaben - dafür ist das Werkchen zunächst zu teuer.
Wichtiger, der Inhalt: Da bin ich hin und hergerissen. Einige Geschichten sind authentisch. Das bezopfte, kleine Wesen, die Großmutter, auch der Liebhaber, die gibt es oder hat es gegeben. Da wird zum Wesentlichen destilliert. Vieles ist dicht und stimmig. Aber wenn sich die Geschichten fremderen Schicksalen zu wenden, dann wird es konstruierter und langweiliger, die polnische Arbeiterin zum Beispiel. Fand ich uninteressant.
Schriftsteller leben von der Umsetzung eigenen Erlebens. Das macht unsere Autorin gut. Mal gespannt, was da noch kommt. Dieses Bändchen zeigt nach meiner Menge ein Potenzial, ein "Werk" ist es nicht. Wie geht es weiter? Man wird Frau Erpenbeck, ein seltsamer Name, begleiten dürfen.