Habe das Objektiv nun seit 3 Monaten im Einsatz und bin größtenteils sehr zufrieden.
+ Schärfe: Bei Blende 2.8 noch sehr weich, schon ab 3.5 aber merklich besser. (Natürlich darf mein dabei nicht vergessen, daß die Schärfentiefe bei diesem Blenden sehr gering ist: D.h. solche Fotos wirken meistens 'softer', obwohl die Schärfezone durchaus paßt.) Ab Blende 5 knackscharf.
+ Kontrastleistung überdurchschnittlich gut - fast auf Festbrennweitenniveau!
+ auffallend schönes Bouquet
+ Autofokus: Für ein 'nicht-Ultraschall-Motor" recht schnell und auch leise. Die Genauigkeit kann ich als Besitzer einer EOS 450D leider nicht sicher beurteilen, denn diese Kamera produziert auch mit L-Objektiven manchmal Fehlmessungen. Nach einigen 1000 Fotos würde ich sagen: Präzision nicht ganz auf Toplevel, aber zufriedenstellend. Bei einem Autorennen hat das 70-200 4L USM deutlich mehr schärfere Fotos produziert - ein direkter Vergleich ist aber wohl nicht ganz passend ....
+ Gewicht: zumindest deutlich leichter als das Canon 24-70 2.8L ... Sowohl mit der 450D, als auch mit der 5D liegt das Tamron gut in der Hand.
+ CAs: Konnte so gut wie keine feststellen - für den Preis top!
+ Verzeichnung: bei 28mm leichte tonnenförmige Verzeichnung, ansonsten kaum sichtbar.
+ Vignettierung: so gut wie keine auf Kameras mit Crop-Sensoren - Details zu Vollformat weiter unten ....
o Verarbeitung / Haptik: Für den Preis erstaunlich gut verarbeitet. Zoom- und Fokusring sind griffig und leichtgängig. Der Bereich für den Fokus könnte ruhig größer sein. Wirklich präzise manuelle Fokusierung ist nur schwer möglich. Der Schalter, welcher das Ausfahren des Zooms verhindert, kann man ohne umzugreifen mit dem Zeigefinger 'wegschnippen' - wenn man es eilig hat. Find ich gut :)
Ergänzungen bei Verwendung mit Vollformatkameras:
Laut Tamron soll die Linse tauglich für Vollformat sein. Hab sie daher kürzlich auf einer 5D Mark II getestet im Vergleich zum Canon 24-70 2.8L
+ Schärfe: Auch auf Vollformat ab ca. Blende 3.5 scharf bis in die Ecken. Das Canon 24-70 2.8L ist nur minimal besser. Hut ab - wirklich top!!
+ CAs: in den Ecken minimal sichtbar, hier ist das 24-70 2.8L leicht besser. Kostet auch mehr als das 3-fache. Auch auf VF ein sehr gutes Ergebnis für das Tamron.
- Vignettierung: Hab einige Serien mit allen Brennweiten und verschiedenen Blenden gemacht. Ergebnis:
28mm: Erst ca. ab Blende 4,5-5.0 brauchbar. Bei Blende 2.8 EXTREME Vignettierung an allen Ecken. Beweist zumindest, daß mein Tamron gut zentriert ist :)
35mm-75mm: ab ca. Blende 4 brauchbar, aber definitiv schlechter als das Canon.
Eigentlich dürfte Tamron dieses Objektiv nicht als Vollformat-tauglich bezeichnen. Bzw. wenn überhaupt, dann wäre die Bezeichnung 'Tamron 28-75 4.5' passender, denn unter Blende 4.5 ist es definitiv NICHT für VF geeignet.
o Verzeichnung: Auch hier ist wieder bei 28mm Verzeichnung sichtbar, etwas mehr als auf dem Crop-Sensor. Bei größeren Brennweiten nur sehr geringe Verzeichnung.
Mein Fazit:
* auf Cropkameras für den Preis unschlagbar
* Schärfe sogar auf Vollformatkameras erstaunlich gut
* CAs kaum vorhanden
* Verzeichnung am unteren Ende vorhanden - für meine Anwendungen aber gerade noch akzeptabel.
* Vignettierung auf Crop-Kameras praktisch nicht vorhanden. Auf Vollformat jedoch bei großen Blenden EXTREM. Wer damit leben kann, erst ab ca. Blende 4-5 zu fotographieren wird auch auf einer VF-Kamera mit dem Tamron seine Freude haben - bei dem Preis!
Ergänzung am 20.12.2010:
Hab inzwischen das Tamron auch ausgiebig auf meiner EOS 3 (analog, d.h. Vollformat) getestet und auch einige Fotos mit Blende 2.8 gemacht - aus Protest quasi :)) Die Ergebnisse waren (zumindest auf den 10 x 15cm Fotos) überraschend gut. Die oben erwähnte Vignettierung ist auf keinem Foto sichtbar, will sagen ist in der Praxis wohl grossteils vernachlässigbar. Wer Landschaft mit blauem Himmel fotografiert wird bei Blende 2.8 sicher Abdunkelungen in den Ecken feststellen. Nur: Wer macht schon Landschaftsfotos am hellen Tag mit Blende 2.8???
Mein Fazit nach 1 Jahr mit dem Tamron 28-75:
- minimale CA's
- geringe Verzeichnung
- präziser Fokus: In Summe hatte ich erstaunlich wenige Fehlmessungen
- bei grossen Blenden Vignettierung bei Vollformatkameras vorhanden, jedoch in der Praxis kaum relevant.
- auch auf Vollformat gut, obwohl man sich als Besitzer einer Vollformatkamera schon fragen sollte, ob die Verwendung einer 'Billiglinse' wirklich Sinn macht. Denn wer sich eine 5D etc. leisten kann, sollte meiner Meinung auch beim Objektiv nicht sparen. Denn eines ist sicher: Sowohl das Canon 24-70 2.8L, als auch das CANON 24-105 4L sind besser als das Tamron - wenn auch nicht beim Preis/Leistungs-Verhältnis.
- für den Preis unschlagbar
Abschliessend möchte ich noch sagen, dass das Tamron 28-75 2.8 ideal für alle ist, die mit Crop-Kameras fotografieren und den günstigen Umstieg auf Vollformat planen oder wie ich gelegentlich noch mit analogem Equipment, sprich alter Kleinbildkamera arbeiten. Denn so kann man erst mal das Gehäuse kaufen und sich später bei Bedarf immer noch eine L-Linse zulegen. Bei einem Preis von nur 360,- ist wirklich nichts verloren ...