Für dieses Objektiv müsste man eigentlich zwei Beurteilungen abgeben. Eine gute für das Produkt als Superzoom und eine eher mäßige für das Produkt als Objektiv wie alle anderen auch.
Es ist nichts neues, dass Superzooms optisch nicht die höchste Auflösung, nicht den besten Kontrast etc. bieten. Auf der anderen Seite kann ich aber auch nicht einfach so tun, als gäbe die Einschränkungen nicht und so sind es eben "nur" drei Sterne. Ich hoffe aber, dass jeder Leser sich hier das Bild macht, das für ihn gerade interessant ist.
AUF DEN ERSTEN BLICK
Schon beim Auspacken des guten Stücks fällt auf, dass es wieder mit der wirklich sehr großzügigen 5-Jahresgarantie kommt (vorausgesetzt man registriert das Produkt). Außerdem ist man wirklich baff, wie klein, leicht und kompakt ein Zoom mit derartigem Brennweitenbereich sein kann. RESPEKT, Tamron! Das habt Ihr wirklich toll gemacht.
Dass die Sonnenblende mitgeliefert wird, ist auch schön abgesehen von den bösen Canon aber auch normal.
Die Qualitätsanmutung des Objektivs ist ganz gut. Nichts besonderes allerdings. Der Zoomring geht relativ schwer. Das fand ich persönlich nicht schlimm, zumal es Lens-Creep wirksam verhindert. Weniger gut hat mir da schon der manuelle Zoomring gefallen. Er verläuft viel zu steil und ist viel zu leichtgängig. Manuelles Fokussieren macht so jedenfalls keinen Spaß.
Bildqualität
1. Auflösung
Die Auflösung des Tamron 18-270 pzd ist viel besser, als ich gedacht habe. Es gibt zwar ein paar Stellen auf der Zoomskala, die wirklich mies aussehen (und leider sind das sehr wichtige Stellen). Wer seine Bilder nicht übermäßig groß ausdruckt oder in der 100%-Ansicht bewundert, der sollte aber in der Mehrzahl der Fälle zufrieden sein. Schade, dass die Abbildungsleistung ausgerechnet bei 18mm und bei 250-270mm (jeweils offen) besonders problematisch ist. Das ist vor allem im Tele ein Problem. Denn hier kann man die Qualität zwar durch Abblenden verbessern, hat dann aber ein echtes Lichtproblem. 270mm (432mm Kleinbild) bei f8 wollen schließlich erst mal ruhig gehalten werden. Außerdem erschwert das Abblenden natürlich das Freistellen eines Motivs.
2. Kontrast
In dieser Disziplin konnte mich das Tamron 18-270 pzd nicht überzeugen. Von den 5 Objektiven, die ich besitze (davon keines ein "L") bot es den mit Abstand schlechtesten Kontrast. Ebenso wie die Auflösung wird auch der Kontrast durch Abblenden erheblich verbessert. Aufgrund der Lichtverhältnisse will oder kann man aber eben nicht immer abblenden.
3. Chromatische Aberrationen
Sind leider reichlich vorhanden (wenn auch weniger in der Bildmitte). Abblenden hilft, aber....
4. Verzeichnung
Ich fand die Verzeichnung insgesamt tragbar. Sie ist in den meisten Brennweitenbereichen durchaus sichtbar, m.E. aber nur im Weitwinkel störend.
5. Farben
Die Farbwiedergabe leidet etwas unter dem mäßigen Kontrast. Ich hatte teilweise auch den Eindruck, dass die Linse etwas gelblich färbt.
6. Flares
sind mir nicht aufgefallen
AUTOFOKUS
Das Piezo-Drive des Tamron war für mich einer der Kaufgründe (ich dachte, ich könnte so mein lahmes 55-250 IS in Rente schicken). Tatsächlich ist der Fokus sehr angenehm leise und funktioniert zuverlässig. Leider arbeitet er keineswegs schneller als ein herkömmlicher Mikromotor. Im Gegenteil. Ich glaube, dass z.B. das Canon 18-200 schneller ist als der Testkandidat.
BILDSTABILISATOR
Antishake funktioniert gut beim Tamron 18-270 und gibt nur ein leises Geräusch von sich. Die Wirkung liegt allerdings sicher nicht bei 4 Blendenstufen (schafft die Konkurrenz aber auch nicht), sondern wohl eher bei guten 2.
Bei Testaufnahmen zu Hause habe ich außerdem festgestellt, dass sich der Stabi wirklich gar nicht mit Stativen verträgt. Ich weiß, das sagt man über alle Bildstabilisatoren. Ich habe den negativen Effekt aber noch nie so deutlich gesehen wie hier.
FAZIT
Als Superzoom macht das Tamron 18-270 pzd eine gute Figur. Gewicht und Ausmaße machen es zu einem tollen Reisebegleiter, und die Schärfe dürfte für die allermeisten Urlaubsfotos oder Bilder von Parties und Familienfeiern ausreichen. Das Maß an Verzeichnung und CAs geht angesichts der weiten Brennweite noch in Ordnung. Nicht gut finde ich allerdings den wirklich schwachen Kontrast sowie die Ausfälle in der Schärfe bei 18 und bei 270mm bei Offenblende. Die Lichtschwäche schränkt die Allround-Fähigkeiten der Linse ein, und der leise Autofokus müsste schneller sein. Außerdem finde ich auch den Preis angesichts der Leistungen der Konkurrenz (und dazu zählen m.E. auch Bridge-Kameras mit Superzoom) etwas happig. Insgesamt würde ich für das Superzoom die NOTE 2- vergeben.
Wertet man die bauartbedingten Kompromisse nicht als Entschuldigung, sieht die Sache natürlich anders aus. Da haben wir ein vergleichsweise teures Objektiv, das in keiner Einstellung 100%ig scharf wird, licht- und kontrastschwach ist und mit Verzeichnungen und CAs nicht spart. Es bietet eine Art Ultraschallmotor, fokussiert aber nicht schnell. Es besitzt einen Bildstabi, eignet sich aber wegen der schwachen Lichtstärke trotzdem nicht für Low-Light-Situationen. Als ENDNOTE wäre für mich bei ganz nüchterner Betrachtung daher nicht mehr als eine glatte 4 drin.
Ich bin froh, dass ich das Objektiv testen konnte. Wenn ich auf der nächsten Wanderung wieder über die ständig notwendigen Objektivwechsel oder über das Gewicht meines Rucksacks fluche, weiß ich wenigstens wieder, warum ich das tue. Den Hobby-Fotographen unter Ihnen, denen Bildqualität wichtig ist, rate ich davon ab, dieses Objektiv zu kaufen.
Wer seine Prioritäten anders als ich voll auf Flexibilität setzt, der darf meine Bewertung dagegen gerne als 4-Sterne-Rezension lesen. Denn wer in Kenntnis all der notwendigen Kompromisse ein Superzoom haben möchte, der ist mit dem TAMRON 18-270 sicherlich gut beraten.