Ich habe seit dem Canon 35-350 mm L zahlreiche Reise-Zoom-Objektive ausprobiert, Tamron war hier immer innovativ und hat sogar Sigma und die Kamerahersteller meist überflügelt.
Eine Objektiv-Konstruktion von 76 Grad Bildwinkel bis hin zu 8 Grad Tele (vergleichbar 28 mm Weitwinkel bis 300 mm Tele im Kleinbild) ist immer ein großer Kompromiss und nur sehr aufwendig zu konstruieren. Meistens sind diese Objektive im Weitwinkel- oder Normalbereich gut und werden dann mit zunehmender Telebrennweite immer weicher und schwächer in den Abbildungsleistungen.
Doch wer auf Reisen nicht ständig Objektive wechseln und Staub auf den Sensor ziehen will, kommt an einem Reise-Zoom nicht vorbei.
Durch die Lichtschwäche von effektiv f:6,3 ist es mehr für Reisen an sonnige, helle Plätze geeignet, doch wenn Licht und Kontrast vorhanden sind macht es einwandfrei spaß damit zu fotografieren. Von allen Konstruktionen die ich bisher von Canon, Nikon, Tamron, Sigma, Panasonic, Olympus und Leica eingesetzt habe, ist das Leica 14-150 mm für mFT mit weitem Abstand der gelungenste Kompromiss. Für die spiegelfreien Systemkameras hat Olympus das kleinste und handlichste 14-150 mm ' doch dieses Tamron weckt mehr Vertrauen und enttäuscht in der Bildqualität zum Glück nicht.
Ich hatte das dickere Sony Objektiv 18-200 mm und das Tamron parallel zum Ausprobieren. Die Konstruktionen ähneln sich sehr, bis hin zu gleichen Bauteilen, weshalb die Vermutung nicht fern ist, dass auch das Sony von Tamron produziert wird.
Allerdings ist das Sony-Zoom deutlich dicker, schwerer, mit größeren Frontdurchmesser und vignettiert trotzdem stärker.
Schon alleine vom Handling hat es mir wenig gefallen, es passt nicht wirklich zu den kleinen, flachen Nex-Kameras. Auch sein Preis ist eine Kröte, die nicht jeder schlucken mag.
Außerdem habe ich ausprobiert, ob mir die Sony-Kombination aus dem guten, kompakteren 18-55 mm und dem neuen langen 55-200 mm Tele, besser gefällt.
Tamron ist jetzt noch nicht so viel preiswerter, aber doch spürbar schlanker, angenehmer verarbeitet, wird auch in schwarz angeboten und fasst sich für mich besser an. Die Mischung aus Polycarbonat und Metall-Gehäuse ist sehr gelungen und sauber verarbeitet. Auch die Gummierung ist sehr breit und angenehm griffig. Es fällt auch in schwarz weit weniger auf und passt harmonischer zur Kamera.
AUTOFOKUS:
Was mir missfällt ist der unzuverlässige Autofokus, einige Fotos sind immer scharf und andere wieder nicht, auch Bildserien ' 3-4 Aufnahmen hintereinander vom unbewegten Landschaftsmotiv zeigen meist 2 Unscharfe und ein scharfes Bild. Aber das kann ich nicht dem Objektiv anlasten, da es bei allen Nex-Objektiven vorkommt und auch an verschiedenen Nex-Kameras die ich probiert habe ' hier ist Sony noch ein ganzes Stück von der Zuverlässigkeit und der Schnelligkeit von Olympus und Panasonic entfernt. Besonders bei wenig Licht oder Kontrast schwächeln die Nex-Kameras bisher sehr. Zum Glück bleibt der AF leise, so dass auch Filmen möglich ist.
Wenn andere den Autofokus hier als gut und schnell beurteilen, dann hatten sie noch keine aktuelle mFT-Kamera in der Hand.
Mir ist der AF sehr wichtig, deshalb habe ich intensiv mit dem Sony 18-200 mm verglichen. Das Sony Reisezoom hat weniger Probleme mit wenig Kontrast/Licht und fokussiert etwas schneller und es fokussiert lautlos. Doch letztlich hat die Haptik des Tamron mich mehr Überzeugt.
Der bessere AF des Sony-Objektives hängt sicherlich mit dem größeren Frontdurchmesser zusammen, denn auch seine Lichtstärke bleibt bis 120 mm auf f:5,6 während das Tamron schon bei 75 mm seine Flügel streicht und auf f:6,3 abfällt. Sony ist letztlich bis in den mittleren Telebereich 1/3 Blende lichtstärker.
Bildqualität:
Ein so lichtschwaches Zoom noch stark abzublenden macht bei den hochauflösenden (beugungsbegrenzten) Sensoren wenig Sinn, ich setze es überwiegend mit f: 6,3 ' f:8 ein. Und in diesem Bereich ist seine Schärfe wirklich beeindruckend. Ganz besonders im Bereich von 25-150 mm zeichnet es sehr scharf an den Enden lässt es etwas nach ' da hilft dann das schließen auf f:8.
Die Vignettierung hält sich noch im Rahmen und ist sogar besser als die des 18-55 mm und des Sony 18-200 mm ' in RAW betrachtet ' im JPEG wird sie weitgehend von der Kamera korrigiert.
Leider sind auch hier die Farbfehler nicht wirklich gut auskorrigiert, die Kamera übernimmt einen Teil, aber wer kritisch schaut kann sie trotzdem bei manchen Lichtsituationen entdecken.
Der Bildstabilisator schafft an meiner Nex 5n meistens 3 Stufen, an meiner Nex 7 jedoch allenfalls 2 Stufen ' das ist der deutlich höheren Auflösung der Nex7 geschuldet. Es ist wirklich bedauerlich, dass Sony hier nicht auch auf den besseren, kamerainternen SuperSteadyShot der Alpha-Kameras setzt. Dafür würde ich sogar eine größere dickere Kamera gerne akzeptieren.
Resümee:
Zwei Objektive, oder eins?
Für mich auf jeden Fall zwei. Aber nicht 18-55 mm und 55-200 mm ' sondern 18-200 mm & 1,8/24 mm. Ich habe das Sony 18-55 mm behalten, als wirklich kleines Zoom mit besserem Nahbereich.
Da mich das Sony 55-200 mm gar nicht überzeugt hat, es ist im Telebereich weniger scharf als das Tamron ' war das 18-200 mm VC Tamron ein guter und sicherer Kauf.
Ich habe es ergänzt durch das exemplarisch gute Zeiss 1,8/24 mm. Zeiss hat zwar eine kühlere Farbabstimmung, aber das lässt sich zum Glück korrigieren.
Das 3,5/30 mm Macro gibt mir nichts, die Brennweite ist mir zu kurz.
Somit bleibt das Tamron 18-200 mm VC einstweilen das wichtigste Objektiv und ein gelungener Kompromiss in meiner Sony-Tasche. Jetzt fehlt noch ein 4,0/10-24 mm!
Es gibt bis heute nur eine Handvoll wirklich zufriedenstellende Reise-Zooms ' dieses Tamron 18-200 mm VC gehört dazu!
Licht:
+ noch handlich
+ angenehm verarbeitet
+ gute optische Leistung bei Offenblende
+ guter Bildstabilisator bis max. 3 Stufen
+ gute eher warme Farbwiedergabe
+ kein durchrutschen der Brennweite beim Tragen
+ Metall-Armiert
+ leiser AF
+ guter Nahbereich
+ kompakte Sonnenblende
+ auch in schwarz erhältlich
Schatten:
- gerade noch Preis-Wert
- Farbfehler
- sehr lichtschwach, ab 75 mm nur noch f:6,3
- AF nicht immer zuverlässig und langsam bei wenig Licht
- nur eingeschränkt nutzbar für Panorama-Fotos
Optisch: 3-4 Sterne; Mechanik: 4 Sterne; Autofokus 3 Sterne; Preiswert: 3-4 Sterne
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