Die im Paris der zwanziger und dreißiger Jahre berühmt gewordene polnische Künstlerin Tamara de Lempicka erfährt heute eine Neubewertung und gilt als Verkörperung des Art déco. In ihren sinnlich-erotischen Portraits und Akten, die der figurativen Malerei und dem Realismus verpflichtet sind, dominieren klare Konturen, satte, glatt aufgetragene Farben und eine metallische Kühle. In ihrer Malerei gelang Lempicka eine einzigartige Synthese verschiedener stilistischer Einflüsse. Die plastische Forschheit der von ihr gemalten Frauenkörper und die perfekte Inszenierung der menschlichen Gestalt rückt sie in die Nähe der Neuen Sachlichkeit. Virile weibliche Persönlichkeiten und träumerische junge Frauen vermag sie mit eleganter und zugleich lässiger Haltung darzustellen. In den klar konturierten Frauenkörpern spiegelt sich Sinnlichkeit und kraftvolle Vitalität wider. Wie Architektur setzten sich die Frauenkörper aus subtil abgestuften Modellierungen von Kugeln und Zylindern zusammen. Vor allem die späteren Werke sind an das herrschaftliche Portrait der Renaissance, die flämische Malerei und in der Lichtführung an Caravaggio angelehnt.
Zahlreiche zwischen 1922 und 1935 entstandene Portraits von Mitgliedern der Bourgeoisie und der italienischen Aristokratie wurden aus Privatsammlungen zusammengetragen um die schöpferische Pariser Phase der Künstlerin nachzuzeichnen. Daneben geben Aufsätze von renommierten Autoren Aufschluss über gesellschaftliche und künstlerische Hintergründe dieser Zeit.