Dieses Buch hat mich begeistert! Innerhalb von zwei Tagen habe ich es verschlungen, weil ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Ich habe gelacht, geweint und gezittert... und alles, was ich sagen kann, ist, dass man dieses Buch bzw. diese Reihe gelesen haben sollte, wenn man auf Fantasybücher steht, die eine fantastische Welt aufbauen, in denen die Fantasyelemente nicht übertrieben sind, sondern sich grandios einfügen... und wenn man Wert auf authentische, lebensnahe Charaktere legt! Dabei schafft Lynn Flewelling mit diesem Buch noch so viel mehr als das!
- Die Handlung -
Es gibt mehrere parallel laufende Handlungs- bzw. Erzählstränge. Ganz am Anfang wird ein ganz neuer Strang hinzugefügt, der sich aber wunderbar in alles einflechtet. Jeder Strang ist für sich unheimlich gut beschrieben und man taucht sofort in sie hinein. In ihnen wird separat Spannung erzeugt und alles gipfelt letztendlich in einen großen Höhepunkt, in dem alles verstrickt wird - auf grandiose Weise.
Am Interessantesten, neben Tamírs Strang natürlich, fand ich den von Lutha und Caliel. Ich mochte besonders Lutha ohnehin schon immer und mit ihm und Caliel lernt man eine andere Seite der aktuellen Situation kennen. Das ist wunderbar und bewegend und erschreckend. Hier gibt es wohl auch den Moment, in dem mir das Atmen am schwersten fiel...
- Tamír (und Ki) -
Ich habe am Ende vom 2. Band ein wenig Sorge gehabt, dass ich Tamír nicht so ins Herz schließen können würde, wie es bei Tobin der Fall war. Eine kurze Zeit über ist es mir wirklich schwer gefallen, "sie" zu lesen und ich musste unangenehm schmunzeln, als es um Kleider und ähnliches ging. Ich kann mir vorstellen, dass es sehr vielen Lesen so ergangen ist, doch wahrscheinlich haben sie sich, ähnlich wie ich, letzten Endes alle in Tamír verliebt. Tamír bleibt einfach Tobin, das ist es, wovor ich am meisten Achtung habe, was Lynns Schreibstil angeht. Wir haben plötzlich eine weibliche Hauptfigur vor uns und dennoch ist dort auch immer noch der Junge versteckt, den wir so lieben gelernt haben. Er ist nicht verschwunden, auch wenn man das einen Moment lang glauben mag, stattdessen erhält er neue Facetten in seinem Leben dazu, die ihn nur umso liebenswerter machen. Seine Veränderungen gehen langsam vor sich, in einem athentischen Tempo, bei dem man sich daran gewöhnen kann - ebenso wie Ki! Auf ihn bezogen ist es ohnehin faszinierend, dass man letztendlich eine sehr ähnliche Entwicklung durchmacht wie Tamírs bester Freund. Zwar ist einem klar, dass man immer zu Tobin, der nun Tamír ist, stehen wird, auch in dieser Gestalt, doch zunächst ist es, als sei der Freund gestorben... doch man nähert sich an, ganz langsam, und dann, ohne es zu merken, sind die Gefühle wieder so stark, wie sie es einst waren. Oder stärker? Das ist schwer zu sagen, aber ich weiß, dass ich noch nie eine Frau in einem Fantasybuch derartig ins Herz geschlossen habe!
Und zu Ki... Er ist mein liebster Charakter. Das war er von Anfang an und das ist er immer geblieben. Ich liebe seine Stellen im Buch, wenn wir Einblicke in seine Gedankenwelt bekommen. Sie sind teilweise schmerzlich, doch eigentlich einfach nur toll zu lesen. Seine Zerrissenheit ist deutlich spürbar und, zumindest für mich, zu jeder Zeit nachvollziehbar.
- Die Charaktere allgemein -
Eigentlich mag ich sie alle, selbst die "bösen" Charaktere irgendwie... sie alle haben fantastische Charakterzeichnungen und sind nicht nur flache Gestalten der Worte eines Buches, sondern erwachen zum Leben während man liest. Dies ist, meiner Meinung nach, eine große Kunst und viel zu wenige Autoren schaffen das. Oftmals sind die Hauptfiguren auf ihre Weise perfekt und bleiben eindimensional und Nebencharaktere bekommen nur die wichtigsten Merkmale zugeteilt. Dies ist hier nicht der Fall. Jeder hat ein Leben, seine Vorstellungen, Wünsche und Ängste. Selbst bei dem "bösen" Zauberer kann man zu einem gewissen Grad nachvollziehen, weshalb er so geworden ist. Er ist einfach lebendig wie sie alle und das macht es eine solche Freude zu lesen.
- der Schreibstil -
Mir fällt es immer schwer, bei einem Buch, das aus dem englischen Übersetzt wurde, den Schreibstil des Autorens zu loben. Wie viel ist vom eigentlichen Schreibstil übrig, wie viel ist Stil des Übersetzers? Wie dem auch sein, wer auch immer für all das mehr verantwortlich ist - der Schreibstil ist fantastisch! Alles ist flüssig zu lesen, die Wortwahl ist passend... und es ist einfach nur fesselnd!
- Fazit-
LESEN!! Mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen! Ich habe die Reihe bereits einer Arbeitskollegin empfohlen, welche den ersten Band an einem Wochenende verschlungen hat. Ich finde es sehr schade, dass die Bücher keinen besonders großen Bekanntheitsgrad haben und ich verstehe es eigentlich überhaupt nicht. Meiner Meinung nach setzt es vorallem was Charakterzeichnungen angeht Maßstäbe und die Geschichte ist neu, unverbraucht und wunderbar erzählt. Wie ich schon sagte: einfach grandios und die volle Sternenzahl mehr als Wert!!