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Talleyrand: Virtuose der Macht 1754 - 1838
 
 
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Talleyrand: Virtuose der Macht 1754 - 1838 [Gebundene Ausgabe]

Johannes Willms
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Willms' Werk kann einiges Neues zum Bild dieser durchaus auch unheimlichen Persönlichkeit zwischen den Zeiten beitragen, es ist mit einer Eleganz geschrieben, die seinem Gegenstand alle Ehre macht." --Urs Buhlmann, Die Tagespost, 5. Mai 2012

Kurzbeschreibung

"Die Sprache ist dem Menschen gegeben, um seine Gedanken zu verbergen" - so ließ der wohl berühmteste Diplomat der Weltgeschichte einmal den spanischen Gesandten wissen, als dieser ihn an ein nicht eingehaltenes Versprechen erinnerte.
Johannes Willms geht in seinem neuen Buch dem rätselhaften Genie jenes Mannes nach, der es mit unnachahmlicher Geschmeidigkeit verstand, in sechs verschiedenen Regimen sechsmal eine führende Rolle einzunehmen und das vollständig besiegte Frankreich ohne die geringste Gebietsabtretung durch den Wiener Kongreß zu lotsen. Talleyrands Opportunismus mit seinen geradezu mythischen Dimensionen hat ihm bis heute bei den Historikern eine schlechte Presse und heftige moralische Verurteilungen eingetragen. Anders als das gängige Bild vom skrupellosen Verräter portraitiert Johannes Willms, dem wir schon eine grandiose Biographie Napoleons verdanken, Talleyrand erstmals jenseits aller Klischees als Phänotyp seiner Zeit - einer Epoche gewaltiger sozialer und politischer Umbrüche, von der seine hochadlige Gesellschaftsschicht besonders stark betroffen war.

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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
"...möchte ich mich davon überzeugen, dass mein Name, die Dienste, die ich Europa schon zu anderer Zeit geleistet hatte wie auch die Anstregungen, die ich auf mich zu nehmen bereit war, vielleicht genügen würden, um das grässlichste Unglück abzuwenden: einen revolutionären und allgemeinen Krieg. Der Gedanke machte mich glücklich, dass ich damit noch erfolgreich sei, bevor ich meine Karriere beendete."

So und nicht ganz ohne Eitelkeit Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord am Ende eines langen diplomatischen und politischen Lebens. Diesem wohl bekanntesten französischem Staatsmann und Diplomaten (geb. 2. Februar 1754 in Paris, gest. 17. Mai 1838 ebenfalls in Paris) hat Johannes Willms, exzellenter Schriftsteller, dessen Biographien über Napoleon, Balzac und Stendhal zu den Besten ihrer Art gehören, eine großartige Arbeit gewidmet.

Wer war dieser Talleyrand, der mit einem Klumpfuss ("un diable boiteux") auf die Welt gekommen ist, was "sein Schicksal war" und ihn letztlich wohl und gegen seinen Willen zum Priester hat werden lassen? Bischof von Autun wurde er, als verwöhnter Aristrokat gar Revolutionär, später einflussreicher Staatsmann und Diplomat unter mehreren Regierungen. Er "diente" dem Ancien Régime, der Revolution von 1789 und Napoleon, den er liebte und dessen Widerpart er schließlich wurde - und den nach-napoleonischen Königen der Restaurationszeit als Außenminister und Botschafter. Der Wiener Kongress und die Neuordnung Europas sind ohne Talleyrand nicht denkbar. Kein Geringerer als Goethe nannte in den "ersten Diplomaten des Jahrhunderts". Als einen "Virtuosen der Macht" hat Johannes Willms ihn bezeichnet. Als solcher war er stets opportunistisch und gewieft erfolgreich auf seinen eigenen Vorteil bedacht.

Eine in jeder Hinsicht eine singuläre Persönlichkeit und eine schillernde Figur auf der politischen Bühne seiner Zeit. Eine schillernde Figur auch als Mensch, der geliebt und gehasst wurde.Talleyrand war ein Intellektueller und ein geistreicher Zyniker. Berühmt sind Sätze wie diese: "Verrat, Sire, ist eine Frage des Datums" und "Die Sprache ist dem Menschen gegeben, um seine Gedanken zu verbergen". Er war ein Egomane und ein abgefeimter Intrigant, der ohne Rücksicht auch Menschen missbrauchte, wenn es dem Erreichen seiner Ziele dienlich schien. Eine der "interessantesten" Bezeichnungen stammt von Napoleon, der ihm einmal zugerufen hat: "Talleyrand, Sie sind nichts als ein Seidenstrumpf voll Scheiße."

Den vielen und unterschiedlichen Charakteristiken fügt Johannes Willms eine weitere hinzu - und rundet so das Bild der Talleyrandschen Persönlichkeit ab: Er war ein homme à femme, der, obwohl verheiratet, junge Frauen um sich scharrte, man sprach von einem "vieux serail". Seine Liebhaberqualitäten waren allerdings eher platonisch, denn... Johannes Willms sieht ihn mehr suaviter in modo als fortiter in re. Und räumt damit wie auch in anderen Fällen mit der Legende von der Vielzahl von unehelichen Nachkommen auf.

Wie Willms überhaupt mit Legenden und Klischees aufräumt, die oft Talleyrand selbst zu verantworten hat, die aber von den Historikern gern aufgegriffen wurden. So wird dank Johannes Willms manches Rätslehafte an dem Genie Talleyrand enträtselt. Auch konzentriert sich der Biograph einzig und allein auf Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord. Er stellt ihn in seine Zeit mit ihren politischen und sozialen Umbrüchen - in eine Zeit, die er entscheidend mitgeprägt hat.

Das macht diese Biographie für längere Zeit sicher zum non plus ultra. Auch deshalb, weil Johannes Willms ein homme de lettres ist. So zeichnen seinen "Talleyrand" eindeutiig literarische Qualitäten aus, die die Lektüre über den Erkenntnisgewinn hinaus zum Vergnügen machen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
zufriedenheit 13. April 2012
Format:Gebundene Ausgabe
das Buch entspricht meinen vollen Erwartungen, jetzt kann ich endlich wieder mitreden, denn mein Wissen war sehr oberflächlich. Ich bin sehr zufrieden.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
12 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Mario Pf. HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Bischof, Abgeordneter, Exilant, Außenminister und Diplomat und doch ist Charles-Maurice Talleyrand vor allem in letzteren beiden Funktionen in die Geschichte eingegangen. Neben seinen Verdiensten die er sich als Diplomat und Vermittler erwarb ist der Nachwelt aber vor allem auch die Kontroverse um Talleyrand erhalten geblieben, ein Disput den der Lebemann schon zu Lebzeiten selbst anzufachen begann. Er hat die Revolution unterstützt, ist vor dem Großen Terror geflohen, als Außenminister zurückgekehrt, hat sich auf die Seite Napoleons geschlagen, nur doch am Ende dessen Absetzung und die Restauration der Bourbonen in die Wege zu leiten.

Vorgesehen wäre der Erstgeborene einer verarmten hochadeligen Familie jedoch für den Militärdienst gewesen, wie schon Charles-Maurice Vater. Als sich jedoch abzeichnete dass der junge Talleyrand wohl lebenslang an einem Klumpfuß leiden würde schied diese Möglichkeit aus und der Junge wurde für eine klerikale Karriere bestimmt. In einer Zeit als Ämter und Pfründe innerhalb der französischen Kirche, die immerhin gut 25% des Landbesitzes ihr Eigen nennen durfte, oftmals noch von Onkeln auf ihre Neffen vererbt wurden und Verwandtschaftsbeziehungen einen raschen Karriereaufschwung garantierten konnte sich Charles-Maurice glücklich schätzen die Protektion des Erzbischofs von Reims zu genießen, Alexandre-Angélique de Talleyrand-Périgords.

Nach eigenen Aufzeichnungen hatte sich Charles-Maurice bald mit diesen Karriereaussichten abgefunden, denn seine sozialen Kontakte beeinträchtigten sie ja nicht. Im Gegenteil der junge Priesterseminarist und spätere agent général (der oberste Repräsentant des Klerus gegenüber der Regierung) entpuppte sich als wahrer Salontiger, dessen Aufstieg durch wohlwollende Damenbekanntschaften noch zusätzlich befeuert wurde. Mit einem Bischofssitz in Aussicht begann sich der Generalbevollmächtigte Talleyrand jedoch auch mit der prekären Situation des niederen Klerus auseinanderzusetzen, der mit 500 livres im Jahr auskommen musste, während die Bischöfe mit ihren Pfründen ein mehr als luxuriöses Auskommen fanden. Der in der allgemeinen Bevölkerung spürbare Druck wurde auch in der Kirche spürbar, doch auch Talleyrand konnte nur eine Erhöhung des Solds auf 700 livres durchsetzen.

Schließlich zum Bischof aufgestiegen sollte auch die politische Karriere Charles-Maurice ihren Anfang nehmen und so wurde als Deputierter zu den Generalständen entstand, um dort als Abgeordneter des Ersten Standes zu fungieren. Und damit begann Talleyrands revolutionäre Karriere, indem er sich in eigenen Worten den Ereignissen zur Disposition stellte. Zwei Wochen sollte er dabei sogar als Präsident der Nationalversammlung amtieren dürfen. Doch die Eskalation der Revolution brachte auch allmählich ihn, wie viele seiner Standesgenossen, in letale Gefahr. Glücklicherweise konnte er sich als Diplomat in London bereits seine ersten Sporen verdienen, auch wenn er dort noch vehement gemieden wurde. Über London gelang ihm aber die Flucht ins Exil und danach auch in die USA, der vorläufige Tiefpunkt und Durchhänger seiner Karriere.

Die Rückkehr aus dem Exil als mittlerweile 11. Außenminister eines geläuterten Direktoriums sollte ihm schließlich zum Durchbruch verhelfen. Rechtzeitig zurückgetreten und auf die Seite des ehrgeizigen Generals Napoleon Bonaparte geschlagen trotzt er dem nachmaligen Ersten Konsul das Privileg ab als einziger dessen Minister stets Zugang zu ihm zu haben. Auch wenn sich Talleyrand gerne damit schmückte für den korsischen Aufsteiger ein Mentor zu sein, so sollte dessen Expansionismus doch zu einem Streitpunkt zwischen den beiden Männern werden, denn Napoleons imperiale Begehren hielt Talleyrand für verderblich. Er präferierte eine französisch-österreichische Achse, gegen Russland.

Trotz allem ging der spätere Kaiser der Franzosen mit Talleyrand allerdings unerwartet schonend um, was Johannes Willms als der Bewunderung des korsischen Artillerieleutnants für den weltgewandten Außenminister deutet, dessen Verhandlungsgeschick zum Erfolg und damit der Festigung des Mythos Napoleons schließlich auch beigetragen haben. Das Faszinosum Talleyrand sollte aber auch den Niedergang Napoleons besiegeln, denn der zum Vice-Grand Electeur bestellte sollte es sein der im Senat die Absetzung des Kaisers der Franzosen orchestrierte und die Restauration der Bourbonen unter Louis XVIII. ermöglichte, was ihn unter diesem sogar die Rückkehr als Außenminister und Frankreichs Vertreter im Wiener Kongress erlauben sollte.

Talleyrands Karriere ist faszinierend und nimmt daher auch einen prominenten Platz in der Biografie Johannes Willms ein, auch wenn sich der Autor bei den über die Jahrhunderte besonders heiß diskutierten Themen auch auf das Privatleben des Diplomaten konzentriert. Dabei erlebt man ein Phänomen das man auch in Willms Napoleon-Biografie stellenweise erleben kann, an fortgeschrittener Stelle verirrt sich die Biografie ein wenig in diesen Affären. Ähnlich wie bei Willms Napoleon-Porträt hat auch bei seiner Talleyrand-Biografie den Eindruck die Betrachtung der Person erfolge eher von außen, auch wenn sich Willms weitgehend sehr stark auf Talleyrands Memoiren und Aufzeichnungen stützt. Diese durchaus objektive Distanz schafft einen speziellen Blickwinkel, der aber zeitweise auch einen Keil zwischen Leser und dem porträtierten "Objekt" treibt. Was Willms zudem versucht ist die Widersprüchlichkeit und Besonderheit der Person Charles-Maurice Talleyrand festzuhalten und enthält sich daher einer immanenten Deutung, nur gelegentlich wagt sich der Biograf daran Aspekte des Handelns und Lebens seines Porträtierten zu interpretieren. Was aber auch etwas irritierend wirken kann, vor allem weil Willms Talleyrands Bereitschaft sich "den Ereignissen zur Disposition zu stellen" als erzählerisches Motiv einsetzt, ob unbewusst oder auch nicht. Der Fokus liegt also auf einem Talleyrand der von den Ereignissen hin und her getrieben wird, nicht so sehr auf dessen Ziele, Visionen und so weiter. Es ist sogar ein Manko dass die Biografie auf nebenher betriebene Darstellung der französischen Außenpolitik eher ausgespart bleibt, vielleicht auch um ein wenig die tatsächlich eingeschränkte Machtbefugnis Napoleons Chefdiplomaten zu bezeugen.

- Resümee -
Mit Johannes Willms hat sich für die Abbildung der Lebensgeschichte der schillernden Persönlichkeit Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord ein erfahrener Biograf gefunden, dessen Napoleon-Biografie schon mehrere Auflagen erlebt und den Ruf des Autors als Kenner der französischen Geschichte untermauert hat. Lorbeeren auf denen sich Willms auch hätte ausruhen können, doch statt mit seiner Talleyrand-Biografie Resteverwertung von Rechercheerkenntnissen zu betreiben ist ihm ein eigenständiges Lebensbild gelungen. Eine Biografie die sich und das sollte man Leser besser vorher wissen, aber auch sehr stark auf das Biografische konzentriert und nicht so sehr die Ereignisse der Zeit. Der Blickwinkel ist eng gefasst und so scheint Willms "Talleyrand: Virtuose der Macht" tendenziell eher als Vertiefungsliteratur zum Leben des facettenreichen Außenministers in einer turbulenten Epoche empfehlenswert.
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