Die Sugababes sind zurück. Zwei Jahre nach ihrem dritten Longplayer „Three" melden sich Mutya, Keisha und Heidi aus einer knapp einjährigen Pause zurück. Mit „Push The Button" stürmten sie gleich die UK-Charts und können ihre mittlerweile vierte Nummer 1 im Vereinigten Königreich vermerken. Aber schon allein die Tatsache, dass sie ein viertes Studioalbum veröffentlichen, lässt sie fast Geschichte schreiben. Denn das hat vor ihnen keine britische Girlgroup geschafft. Und trotz Promotion-Stress ist bereits ein fünftes Album in Planung. Doch vorerst beglücken sie die Gemüter mit 12 fantastischen Tracks, die ausnahmslos „Taller In More Ways" sind. Schade ist aber, dass man in Deutschland auf den Track „Better", einen fröhlichen Pop-Song mit frischen R&B-Klängen, verzichten muss. Der Song erinnert ein bisschen an das erste Album „One Touch", bei dem anstelle von Heidi noch die rothaarige Siobhan dabei war. Und wenn man ganz genau ist, kann man „Better" als eine fröhlichere, glücklichere Version von „Stronger" beschreiben. Der kleine Verlust tut der deutschen Edition aber keineswegs einen Abbruch.
Die erste Single "Push The Button" ist ein cooler Up-Tempo-Track, der unverkennbar der poppigste Song des Albums ist. Besonders der Refrain bleibt schnell im Ohr hängen und wird von den ebenso schnellen Strophen unterstrichen. Anfangs wirkt der Song noch wie ein gewöhnlicher Pop-Song, doch nach und nach baut er sich zu einem richtigen Hit auf, und hat einen ganz eigenen Charme. „Push The Button" war eine gute Wahl, das Comeback der Mädels einzuläuten.
Das Party-Highlight des Albums ist allerdings "Red Dress". Kann die Hookline nicht auf Anhieb zünden und braucht einige Einläufe, sprengt der Refrain sofort alles und setzt sich sofort im Ohr fest. Mit ein paar rockigen Beats und jeder Menge Elektro-Fun hat „Red Dress" beste Chancen, die Charts zu stürmen und kann selbst „Round Round" und „In The Middle" mühelos in den Schatten stellen. Besonders auffällig ist der am Anfang extrem hohe Gesang von Keisha, der ihr wirklich gelungen ist. Produziert wurde das ganze von Xenomania, die auch schon für Hits der britischen Girlband Girls Aloud zuständig waren. „Red Dress" ist auf jeden Fall einer der besten Sugababes-Songs. Auch einer der besten Songs des Albums ist unumstritten „Ace Reject". Mit einer verträumten Melodie und wunderschönem Sugababes-Gesang verzaubert der Track die Ohren und lässt nicht mehr los.
In „Ace Reject" geht es ums Auf und Ab in einer Beziehung. Damit ist nicht nur die Liebe zwischen Frau und Mann gemeint. „Ace Reject" ist speziell der Freundschaft der drei Mädels, die trotz anfänglicher Schwierigkeiten heute nicht mehr ohne einander können, gewidmet. Ohne Zweifel ist dies einer der traurigsten und doch besten Songs, den die Sugababes je gemacht haben! Weniger traurig, dafür aber umso herzlicher und liebevoller geht es in "Follow Me Home" um Mutya's Tochter Tahila Maya, die das Leben der 20jährigen von heute auf Morgen komplett verändert hat. Der langsame und ruhige Song ist eine sehr gelungene Mischung zwischen Soul und sanftem Pop. Obwohl der Refrain einen ziemlichen Ohrwurm auslösen kann, ist das Lied keineswegs Mainstream und eine der besten Balladen, die die Sugababes je gemacht haben. Instrumental geht es in eine ganz andere Richtung als „Stronger", das langweilige „Caught In A Moment" muss man an dieser Stelle gar nicht erst erwähnen. Ebenso toll ist „Ugly", beginnend mit schönen, leichten Gitarrenklängen. Der Refrain von Ugly erinnert fast an eine Hymne. Was auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Christina Aguilera's „Beautiful" und TLC's „Unpretty" klingt, hat einen ganz eigenen Hintergrund. Zusammen mit Austin Dallas, der auch Produzent des Songs ist, wehren sich die Drei Mädels gegen fiese Beschimpfungen der Presse, wie zum Beispiel „Zuckerklumpen". Ugly wird im Dezember als zweite Singleauskopplung erscheinen und ist ein poppiger Ohrwurm, dessen Instrumental am Ende sogar ein kleines Bisschen in Richtung Dance-Pop geht.
"Joy Division" beginnt wie ein Punk-Song von Blink182, ändert die Richtung aber ganz schnell und macht irgendwo zwischen Pop und R&B weiter. Der leicht dumpfe Sound passt perfekt zu den smoothen Strophen und dem noch viel entspannteren Refrain, in dem Keisha die Oberhand gewinnt. Der Song hat etwas Besonderes an sich und sorgt für gute Laune, was ein bisschen an den Sommer erinnert.
"It Ain't Easy" ist ein ziemlich verrückter Track der mehr in Richtung R&B zielt, als dass man es Pop nennen könnte. Die Parts von Mutya und Keisha sind zweifelsohne cool. Auch der sehr eingängige Refrain und das coole „Oh, oh, oh, oh" machen den Song zu einem Ohrwurm, der sich nach und nach ganz entfaltet. Nur Heidis Part ist an dieser Stelle etwas zu kurz geraten. Dennoch ein sehr guter Song, der eigentlich mit keinem anderen Song aus der Vergangenheit der Sugababes zu vergleichen ist. Auf das leicht aggressive „It Ain't Easy" folgt „Brusied", ein Song dessen Lyrics ziemlich ernst sind. Melodiös singen die Sugababes über eine Hassliebe mit mehr Tiefen als Höhen, die einfach kein Ende finden will. Ein Höhepunkt lässt sich gar nicht finden, da das ganze Lied durchweg gelungen ist.
Nach der Neuauflage des Sting-Klassikers „Shape" haben sich die Sugababes nun nach langer Zeit wieder an eine Coverversion gewagt: „Obsession" von Animotion. Beinahe originalgetreu rattern die Mädels den Text herunter, kleiden „Obsession" aber dennoch ins eigene Kleid. Die 80er Jahre sind an dieser Stelle aber unverkennbar. Obwohl die Strophen klar und schön eingesungen sind, ist der Refrain ziemlich schwach. Nicht die absolute Spitze des Albums, aber dennoch gut. Die drei Mädels können es eindeutig besser! "Gotta Be You" ist der wohl amerikanischste Track, den die Sugababes jemals gemacht haben. Man kann fast sagen, dass es eine Art Experiment auf dem Album darstellt. Hypnotisierende Crunk-Beats schmücken den Hintergrund während Heidi „Turn the lights down low" haucht und Mutya und Keisha mit ihren unverwechselbaren Stimmen ihr Bestes geben. Der Song handelt von dem Clinch mit der Presse, von dem wohl jeder Star ab und an mal genug hat. Der Song ist aber nicht selbst geschrieben, sondern wurde bereits vor einiger Zeit von einer ziemlich unbekannten R&B-Sängerin aufgenommen und veröffentlicht. Der letzte Track des Albums ist "2 Hearts". Wie die Sugababes selbst sagen, ist der Song als Outro für das Album perfekt. Erst wirkt der Song, der sich fast über fünf Minuten streckt, gewöhnlich, vielleicht ein wenig düster. Aber dann baut sich „2 Hearts" so weit auf und überrascht mit einem wunderschönen Orchester-Abgang, wie ihn noch kein Sugababes-Song zuvor hatte. Ein weitere Pluspunkt ist, dass Heidi bei diesem Song den Lead-Gesang übernimmt, was bei den anderen Songs oft nicht der Fall ist.
"Taller In More Ways" ist eine gute Mischung zwischen mehreren Stilen und drei ganz verschiedenen Stimmen. Keisha überzeugt mit ihrer wunderschönen R&B-Stimme, die wirklich jeden Ton trifft. Mutyas leicht kratzige und tiefe Stimme steht im Kontrast zu Heidis beinahe zerbrechlichen Engelsstimme, die bei „Follow Me Home" alles da gewesene noch einmal toppt. Auch wenn der ein oder andere Track nicht ganz an die vergangenen Sugababes-Hits herankommen kann, ist dieses Album das bisher beste, da die Mischung einfach stimmt und es ohne Totalausfälle zu einem guten Gesamtergebnis kommt. Dieses Album ist einfach Zucker für die Ohren!