Bei Talkshows handelt es sich um ein Sendeformat, welches vor allem in den 90er Jahren an Bedeutung gewann. Aus dem Nachmittagsprogramm der meisten Fernsehsender sind diese heute kaum noch wegzudenken. Im Gegensatz zu früheren Talkshow-Formaten ging und geht es bei ‚Vera', ‚Andreas Türk' und anderen Gastgebern nicht vorrangig um die Diskussion politischer Aspekte oder um philosophische Fragen, vielmehr werden der Alltag und die ganz ‚normalen' Probleme ‚normaler' Menschen thematisiert, wobei nach und nach immer mehr Tabus zu fallen scheinen. Nichts, so der Eindruck, ist so trivial, dass man es nicht auch in Talkshows kommunizieren könnte. Damit ebnete die Talkshow den Weg für heutige Reality-Shows beziehungsweise Doku-Soaps, die ebenfalls Alltag thematisieren und dabei gern auch mal Grenzen überschreiten.
Klaus Plake hat sich eingehend mit dem Sendeformat der Talkshow beschäftigt und zeigt in seinem Buch den Stellenwert des sprechenden Fernsehen in einer entgrenzten Gesellschaft auf. Es handelt sich hier um eine wissenschaftliche Analyse des Sendeformates ‚Talkshow', wobei der Autor auf Entstehung, Rahmenbedingungen, Strukturen, Funktionen und Auswirkungen dieses Sendeformates eingeht. Trotz zahlreicher Exkurse, die auch die Zusammenhänge zwischen Fernsehen und Gesellschaft veranschaulichen, bleibt der rote Faden erkennbar.
Besonders angenehm fällt bei diesem Buch der grandiose Schreibstil des Autors auf. Klaus Plake analysiert kurz und knapp, bringt Zusammenfassungen präzise auf den Punkt, verliert aber dennoch nie den Blick fürs Detail. Hier und da eine Prise Ironie, ohne allerdings unwissenschaftlich zu werden, und eine sprachliche Brillanz, die man in der Fachliteratur leider selten findet, ergeben unterm Strich ein Buch, das uneingeschränkt jedem empfohlen werden kann, der sich für das Thema ‚Talkshow' interessiert. Spezielle Kenntnisse sind für diese erstaunlich locker-leichte Lektüre nicht erforderlich.
Fazit: Ein Werk, welches sich wohltuend aus der Masse der wissenschaftlichen Bücher abhebt.