Aus gegebenem Anlass versuche ich hier mal eine Doppelrezension, und zwar zum Buch "Talking Jazz" einerseits und zu Till Brönners neuer CD "At the End of the Day" andererseits. Beides ist neu auf dem Markt und hat mich als Jazzfreund zum Kauf verführt. Nur, es fällt mir wirklich schwer, beides übereinzubringen...
Da ist einerseits das Buch. Der ZEIT-Feuilletonist Claudius Seidl sprach über viele Tage in ungezwungener Atmosphäre mit Till Brönner, und was daraus entstand ist ein Buch, das dem Jazzfreund wirklich Freude bereitet. Es ist ein locker geschriebenes Buch, das einerseits in Till Brönners - musikalisch wirklich hoch interessante - Biografie und in das Dasein eines zurecht sehr renommierten Jazzmusikers einführt, andererseits aber auch die Welt insbesondere des deutschen Jazz und der Musik allgemein darstellt - mit vielen Anregungen, Hörempfehlungen etc. Kurz und bündig geschrieben und schnell und mit Vergnügen durchgelesen.
Und andererseits ist da die CD. Man erwartet von Till Brönner sicherlich keine experimentelle oder avantgardistische Musik, aber das hier ist wirklich bestenfalls easy listening. Und da fragt man sich schon, wie kan denn jemand, der zweifelsfrei immenses musikalisches Talent - und an sich auch Gesppür - hat, jemand, der in seinem Buch so viele kluge Dinge über den Jazz und die Musik allgemein sagt, jemand, der den Jazz ganz offenbar liebt, nahezu zeitgleich ein solch seichtes, belangloses und uninspiriertes Album auf den Markt werfen. Unerklärlich und enttäuschend! Und noch ein Hinweis: Im Buch beteuert Till Brönner, er sei klar Trompeter und kein oder nur ganz nachrangig ein Sänger. Damit hat er vollkommen recht: Er kann klasse Trompete spielen - keine Frage. Singen tut er auch nicht falsch, aber doch mäßig. Warum, fragt sich der geneigte Hörer, muss er dann auf nahezu jedem Track seines Albums singen...?
Also, Buch: 5 Sterne (wenn man es nicht als durch das Album widerlegt oder zumindest unglaubhaft abtut), CD: 2 Sterne - und ein komisches Gespür, dass hier Worte und Taten nicht zusammen passen.