Mit "Talking Dirty - Mein Job bei der Sex-Hotline" führt Autorin Marischa Sommer den Leser in eine Grauzone der Gesellschaft. Es ist ein Job, ein gut bezahlter noch dazu, doch erzählen will man niemandem davon.
Offen berichtet Marischa Sommer darüber, wie sie zu diesem Beruf kam, und den meisten Lesern dürfte der Spruch in den Sinn kommen "Ich war jung und brauchte das Geld", etwas, was man mit eher verwerflichen Berufen oder Aktionen gerne in Verbindung bringt. Trotzdem versucht Marischa Sommer Verständnis für die Frauen zu erwecken, die doch zu einem solchen, vermeintlichen verrufenen Beruf greifen.
Schnell muss der Leser aber auch einsehen, es geht erst einmal um Sex, der auch nicht verklärt wird, sondern die Autorin stellt den Charakter und die Zielsetzung einer solchen Hotline heraus. Trotzdem weiß Marischa Sommer eine Geschichte dramatisch rüberzubringen; ihre herausgegriffenen Männer, von denen sie berichtet, decken die Extreme männlicher Gelüste ab. Damit kann sie der Leserin und sicher auch vielen männlichen Lesern nur wenig Verständnis abringen, eher irritiert dies. Trotzdem erweckt sie auch Mitleid, denn außer Männern, die man weithin als Perverse bezeichnen würde, findet man hier auch tragische Figuren und das zu beiden Seiten der Leitung, denn speziell für die Kundschaft, die nur reden möchte, übernimmt man schnell mehr Verantwortung, als man denkt; viele sind Stammkunden und man verbringt viel Zeit mit ihnen.
Damit ist "Talking Dirty" von Marischa Sommer zwar kein spannungsgeladener Roman und auch nicht romantisch oder Ähnliches, aber sehr menschlich.