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Nach dem sehr kontrovers diskutierten Album 10.000 Hz Legend, verfügt Talkie Walkie wieder über Qualitäten, sich widerstandslos in die Ohrenmuscheln der Air-Fans einzunisten. Aufgenommen wurden die zehn in Zuckerwatte gepackten Songs des Albums mit dem Produzenten Nigel Godrich (Radiohead, Beck) in Paris. Auffällig harmonisch reihen sich die stimmungsvollen Tracks aneinander, schon das Eröffnungsstück "Venus" ist eine rührige Weltraum-Liebesgeschichte, die von einem schleppenden Pianospiel begleitet wird. Verträumte Flötentöne bestimmen "Cherry Blossom Girl", "Alpha Beta Gaga" ist mit seiner Fröhlichkeit selten im Air-Repertoire, während "Alone In Kyoto", geschrieben für den Sofia-Coppola-Film Lost In Translation, einen melancholischen Abschluss mit Meeresrauschen bildet.
Der Geniestreich auf Talkie Walkie aber heißt "Run". Zu dezent futuristischen Sounds ertönt urplötzlich ein tragender, langgezogener Gesang, der einen umgehend an den 10cc-Hit "I'm Not In Love" erinnert. Air verstehen es immer, sich mit spielerischer Leichtigkeit knapp am Emo-Kitsch vorbei zu schlängeln, kleine elektronische Spielereien mit zarter Gitarrenarbeit und gestenreichen Sounds zu verbinden, und sich eine Parzelle im Grenzland zwischen Pop, TripHop, French House und Easy Listening abzustecken. Dort sind sie liebenswerte Könige. --Sven Niechziol
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Hier sind sie wieder, die beiden Franzosen, die mit ihrem Debüt "Moon Safari" inmitten des Easy-listening-sixties-retro-scifi-Trends landeten und musikalisch einen weiten Bogen vom Sound der Sechtziger zur Beschallung einer Science-fiction Raumstation schlugen.
"10000 hz" kippte dann mit seinem Independent-Anspruch sehr ins nervige und ließ sowohl Fluß als auch roten Faden vermissen.
"Talkie walkie" kehrt nun zum puren Wohlklang zurück, aber nicht ganz. Wer durch die Lagen von atmosphärischen Bleeps und Blings, Synthiflächen und puckernden Rhythmen hindurchhört entdeckt puren Folk. Wohlige Melodien, die ins Ohr gehen, zart gehauchte französische Stimmen, gezupfte Akustikgitarren und ein wenig Beach-boys Psychedelia. Über allem weht eine melancholische Weite. Das läßt plötzlich die Nähe zu Bands wie "Kings of convenience" aufleuchten, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen. Aber immer wieder ist es die seltsame Mischung aus Sechtziger kühlen Achtzigern und verfremdeten Stimmen, die deutlich machen, wer an den Reglern sass.
"Venus" überrascht mit geradlinigem Achtziger-Glanz, "Cherry blossom girl" hat traumhafte mehrstimmige Gesänge über einem kühlen Beat, "Universal traveller" legt eine kleine Melodie und glitzernde Synthie-Soli über einen puslierenden Rhythmus und "Another day" erinnert an die weiten Flächen von Pink floyd" Nur "Surfing on a rocket" hat ein wenig mehr Wucht als die restlichen Songs.
Höhepunkt ist jedoch das strenge "Run", dass sich der Abstraktion von Björk nähert, um dann in einem schamlos schönen Enya-Refrain aufzugehen. Über allem hängt eine androgyn-verfremdetete Stimme, die in monotonen Wortsamples hängenbleibt - Hypnose pur.
Abgerundet wird der Reigen von zwei bezaubernden Instrumentals.
Dieses Album bekennt sich hemmungslos zum Wohlklang, manchmal sogar zum Kitsch, und ist bei aller Elektronik warm und atmosphärisch geworden. Wer Air und französischen Wohlklang mag, wird hiermit vollends glücklich. Und wer genau reinhört wird eine Ahnung davon bekommen wie es wäre, wenn Jean-Michel Jarre irgendwann angefangen hätte, gute Platten zu machen.
Ein Hoch auf Superplatten von bands, die man eigentlich nicht mag.
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