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Schade, dass T.C. Boyle so verdammt unterhaltsam und definitiv zu jung ist. Der Nobelpreis hätte diesem Mann längst auf einem Samtkissen überreicht werden müssen! Was TCB in seinem elften Roman aus einem vergleichsweise schlichten Gut-Jagt-Böse-Roadmovie an Funken zu schlagen vermag, zeichnet nur ganz große Erzähler aus. Aller Talk Talk (engl. für Gebärdensprache zwischen Gehörlosen), bringt Dana bei den Behörden nicht weiter. Zwar spricht man sie -- nach einem drastischen Aufenthalt im Untersuchungsgefängnis -- schuldfrei; ihren Job als Gehörlosenlehrerin aber ist sie los und die Identität ihres Peinigers bleibt weiterhin unbekannt. Bis Danas etwas schlafmütziger Freund Bridger per Bankauskunft eine Telefonnummer herausbekommt. Die Spur führt nach Marin County. Dort, in bevorzugter Pazifiklage, lässt es sich ein gewisser William Peck Wilson zwischen Palmen, Armani und russischer Geliebter ausgesprochen gut gehen.
Die hübsche Dana hat Blut geleckt. Die Jagd beginnt! In einer haarsträubenden Ralley verfolgen Dana und Bridger den flüchtigen Peck alias Dr. Dana Halter quer durch den Kontinent. Klar, dass jemand wie TCB sich die Gelegenheit nicht entgehen lässt, heftige Stimmungsbilder des heutigen Amerika beizusteuern. Einer mitleidlosen Konsumgesellschaft, in der nur der Erfolg zählt, wie Pecks unersättliche Zickenfreundin Natalia zeigt, ein Russenimport der teuren Art, die die Betätigungsfelder Shoppen und Ficken zu ihrer ureigensten Religion erhoben hat. Mit dem Handicap der hochintelligenten Dana, die in einer ignoranten Umwelt nur auf krasses Unverständnis, ja auf ironischerweise taube Ohren stößt, schuf TCB zusätzlichen Suspense, vor dem sich selbst ein Hitchcock verneigt hätte. Schließlich kreierte er mit der Figur des Peck einen so smarten wie beängstigenden Charakter, wie sich beim überraschenden Showdown zeigt. Wenn man dann noch nicht vom Schlag getroffen ist! --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Boyle s Kitchen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Talk Talk: Roman (Taschenbuch)
Mangelnde Vorsicht führt dazu, dass Dana Halter hinter den Diebstahl ihrer eigenen Identität kommt. Als ausgefuchster Exsträfling sollten Peck Wilson (alias Dana Halter 2) diese marginalen Fehler nicht unterlaufen, die schließlich zur Verhaftung der echten Dana Halter führen. Nicht nur, dass er sich die Identität einer Frau geklaut hat, sie ist auch noch taubstumm und sinnt auf Rache nachdem sie ein Wochenende in einer Gemeinschaftszelle in Untersuchungshaft verbringt, ihren Termin beim Zahnarzt verpasst und in weiterer Folge ihren Job als Literaturdozentin für Taubstumme verliert. Gemeinsam mit ihrem Freund Bridger Martin begibt sie sich zuerst auf die Suche nach, dann auf die Fersen des Peck Wilson.Der Roman beschreibt in fünf Teilen und einem Epilog ein Szenario, wie in einem zielgerichteten Roadmovie. Während im ersten Teil die Verhaftung, die Inhaftierung und der Freispruch im Zentrum des Lesers Interesse stehen, taucht bereits zu Beginn des zweiten Teils Peck Wilson mit der Geschichte seines Lebens aus dem Hintergrund. Ob beabsichtigt oder nicht, ist jener skrupellose Gauner und Betrüger der wesentlich deutlichere Charakter in diesem Roman. Er zeigt Ecken und Kanten in der Hülle eines smarten Dandys und Liebhabers der Frauen und gewinnt er auch nicht an Sympathie, so pokert er doch sehr hoch auf der Verständnisebene. (Sehr gut gelungen!) Dana Halter als zähe Mittdreißigerin, die auf Grund ihres Handykaps zu kämpfen versteht, wirkt daneben mitunter blass - oder zumindest nicht neu erfunden! Die wechselnden Perspektiven sind an sich nichts Neues, für den Boyle- Fan und Bewunderer allerdings - wenn kein "Must have" so doch eine "Nice to have"! In der Namensgebung seiner Charaktere wirkt er leider diesmal etwas erschöpft. Der Schwung in den gelungenen Start gelingt spielend, mit der Entdeckung des Peck Wilson tritt wahre Spannung zu tage. Der Wechsel der Perspektiven hinterlässt jedes Mal eine Lücke, die sich nur durch unmittelbares "Weiterlesen" befriedigen lässt. Das kocht! Und dann lässt sich Boyle hinreißen und serviert ein lauwarmes Ende par excellence. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Auch T.C.Boyle schreibt mal ein schwächeres Werk,
Von Rheinischer Lesekreis (Köln, Düsseldorf, Neuss, Hilden, Kaarst) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Talk Talk: Roman (Gebundene Ausgabe)
DER AUTOR ALS LABERTASCHE - SCHADE UM DAS THEMA! (LUDWIG WITZANI)Interessiert es Sie, wie es einer kalifornischen Hippiekommune ergeht, die es nach Alaska verschlägt? Wollen Sie wissen, wie sich ein mexikanisches Emigrantenpaar fühlt, das am Rio Grande die amerikanischen Grenzanlagen überwinden muss? Reizt es Sie nicht, endlich zu erfahren, wie es mit dem sagenhaften Dr. Kinsey und der sexuellen Revolution eigentlich angefangen hat? Wenn sie dergleichen Fragen interessieren, dann sind sie bei den Büchern von T. C. Boyle ("Drop City", "America", "Dr. Sex") genau an der richtigen Adresse. T.C. Boyle gießt solche Problematiken in gut durchkonstruierte Romanhandlungen, die man eigentlich eher als romanhafte Reportagen bezeichnen müsste, und am Ende des Buches ist der Leser belehrt und unterhalten zugleich. Das vorliegende neue Buch "Talk, talk" liegt genau in diesem Trend, denn diesmal geht es um das Problem des im Zeitalter der Kreditkarten, der PINs, TANS und Codes zunehmend bedrohlicher werdenden Identitätsdiebstahls. Auch Dana Halter, die eigenwillige aber bildschöne taube Lehrerin für Gehörlose hätte sicher nicht gewusst, was sich hinter dem Begriff des Identitätsdiebstahl verbirgt - bis sie selbst eines Tages wegen Betrug, Kreditkartenüberziehung und zahlreicher anderer Delikte von einem auf den anderen Tag verhaftet und eingesperrt wird. Es dauert eine ganze Weile, ehe ihr Freund Bridger Martin der Justiz die Verwechslung erklären und seine Freundin aus dem Gefängnis holen kann, doch wer würde nun den entstandenen Schaden ersetzen? Peck Wilson, der Übeltäter, der sich mit der Kreditwürdigkeit, den Karten und der Identität von Dana Halter ein schönes Leben gemacht hatte, war längst über alle Berge, um einem anderen Ahnungslosen die Identität zu rauben und von dessen Konto eine Zeitlang zu leben. Aber diesmal war er an die Falsche geraten. Dana Halter, die im Zusammenhang mit der Verhaftung ihren Job verloren hatte, macht sich zusammen mit ihrem Freund Bridger auf, den Übeltäter quer durch die Vereinigten Staaten zu verfolgen, um ihn schließlich in seinem Geburtstort in Peterskill zu stellen. So weit der Plot: Wie aber ist er gelungen ? Um die Wahrheit zu sagen: mäßig. Das durchaus interessante Problem des Identitätsdiebstahl kommt zwar einige Mal in seinen technischen Details zur Sprache ( S. 89, 295 u.a.), aber wie die Methode richtig funktioniert, kann auf der Grundlage des Buches kein Mensch verstehen. Warum der Autor als Hauptperson eine Gehörlose erwählt, bleibt ebenfalls uneinsichtig. Einen besonderen Einblick in der Situation tauber oder stummer Menschen bietet das Buch trotz diverser Anläufe nicht wirklich, und für das Thema Identitätsdiebstahl selbst ist die Behinderung des Opfers ohne Belang. Auch die Charakterzeichnungen der Romanfiguren ist durchaus unterschiedlich gelungen. Während Bridger wie ein Weichei durch die Handlung trottet und sich die mondänen Frauen in dem vorliegenden Buch gleichen wie ein Ei dem anderen, entfaltet Boyle seine literarischen Stärken nur bei der Beschreibung des Übeltäters Peck Wilson. Dabei ist Boyles Sprache wie immer fetzig und hyperaktiv, wenngleich diesmal die Zahl der Stilblüten selbst eingefleischte Boyle-Fans beunruhigen muss. Als sich Dana über den schlafenden Bridger beugt, "regte sich in ihr ein gewisses hormonelles Wollen"(S. 239), dem Übeltäter Peck Wilson "flüsterte der Wein seine Geheimnisse zu"(S. 275), wobei offen bleibt, welche das sein könnten. Und während Bridger und Dana dem den Bösewicht "über die fetten ausladenden Hüften des Landes" (S. 267) verfolgten, zieht sich für Peck Wilson die "Straße an der Bergflanke entlang wie eine Bauchnaht, die das Bindegewebe zusammenhielt" (295). Am unerfreulichsten an dem vorliegenden Buch jedoch ist seine pseudoepische Weitschweifigkeit, die auch schon den Genuss der früheren Boyle Werke durchaus verleidete. Diesmal aber entpuppt sich der Autor als eine echte Labertasche und erzählt, als würde er nach Zeilen bezahlt, so dass der rote Faden der Handlung manchmal wie unter einem Gestrüpp von Einzelheiten ohne jede poetologische Funktion einfach verschwindet. Lieber T.C., ist man fast versucht zu sagen, bitte, mach es das nächste mal wieder etwas besser! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Na ja...,
Von Roland Freisitzer "freisitzer" (Vienna, Austria) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Talk Talk: Roman (Taschenbuch)
Die Idee per se, also eine Geschichte über Identitätsdiebstahl, gewürzt mit einer Rache-Verfolgungsjagd (Dana und ihr Freund jagen den Identitätsdieb Peck Wilson), das könnte (noch dazu in Händen von T. C. Boyle) ein wirklich aufregendes und spannendes Buch werden. Ist es aber nicht geworden. Leider. Es ist sogar noch träger und langweiliger als "Dr. Sex" (wo es wenigstens immer wieder gute bis sehr gute Momente gab) geworden.Müde (und kitschige) Metaphern, eine über-bemühte Konstruktion der Storyline und permanente Zeilenschinderei (man spürt förmlich, "Talk-Talk" wäre auf vielleicht 180-220 Seiten viel besser) machen die Lektüre eigentlich zur Qual. Wieso sich T. C. Boyle für eine gehörlose Dana entschieden hat, bleibt mir ein Rätsel, da Danas Gehörlosigkeit für das Buch nicht wirklich von Belang ist, bzw. da er bis auf klischeehafte Annäherungen keine wirklichen Einsichten in das Metier bietet und Dana eigentlich als Figur zwar sympathisch aber seltsam gesichtslos bleibt. Zusätzlich verleiht er dem "Dieb" Peck Wilson dandyhafte Züge und lässt ihn permanent um die Sympathie des Lesers werben, was mit Verlaub auch gelingt. So komisch sich das auch liest, aber die Figur des Peck Wilson (inklusive seiner russischen Nobel-Geliebten) ist die, die man noch am ehesten mit "gelungen" bewerten möchte. Ich hatte auch an einigen Stellen das Gefühl, daß der Plot (bzw. die Frage nach "wie funktioniert der Identitätsdiebstahl hier?", oder "Wie soll das gehen?") nicht genau recherchiert (oder durchdacht) ist. In diesen Situationen wird das Buch dann sehr geschwätzig (ergo- Nebelschwaden statt versuchter Aufklärung). Fazit: T. C. Boyle (der mit "World's End", "Wassermusik" und vor allem vielen Erzählungen wirklich tolle Bücher abgeliefert hat) hat mit "Talk-Talk" einfach nur uninspirierte Routine abgeliefert, nicht mehr, nicht weniger. Da tut es mir dann um die vergeudete Zeit schon leid. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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