In den 80er waren die the rolling stones schon eine Geschichte für sich. Nach den Alben "Emotional Rescue" (1980) und "Tattoo You" (1981) ging man auf eine riesengroße Tour, die die Band u.a. 1981 durch Nordamerika und 1982 durch Europa führte. Ohne lange Umschweife wurde danach das etwas durchwachsene und Disco-beeinflusste Album "Undercover" (1983) aufgenommen. So weit, so gut. Im Anschluss weigerte sich Mick Jagger jedoch, erneut auf Tour zu gehen und zog es vor, sich lieber im Studio für sein erstes Solo-Album ("She's The Boss", 1985) zu verschanzen.
Im Ehrenkodex eines Keith Richards stand eine solche Aktion gleichbedeutend mit Hochverrat. Die Stimmung und Atmosphäre bei den nächsten Treffen, den Aufnahmen für das Stones-Album "Dirty Work" (1986) waren dann so gespannt, dass man die Luft praktisch mit einem Messer hätte zerschneiden können. Die Situation wurde vom näheren Stones-Umfeld gar als »der dritte Weltkrieg« beschrieben. Schön nachvollziehbar auch bei dem Video zum "Dirty Work"-Song "One Hit (To The Body)" mit einem sehr aggressiven und dauerhaft Jagger attackierenden Keith, was den damaligen Zustand der Hass-Liebe zwischen den beiden Songwritern authentisch widerspiegelte.
Das Fass vollkommen zum Überlaufen brachte dann, dass es Jagger erneut vorzog, für sein zweites Solo-Werk ("Primitive Cool", 1987, u.a. mit dem deutlich auf Keith gemünzten Song "Party Doll") ins Studio zu gehen und die Band damit erneut nicht touren konnte. Auch ein Keith Richards war zu diesem Zeitpunkt mit seinem Latein am Ende und hatte nur noch eine letzte Antwort übrig. Nämlich das Album aufzunehmen, das er eigentlich nie machen wollte: Sein eigenes Solo-Album!
Als seinen neuen 'Partner In Crime' hatte er sich dafür den Drummer Steve Jordan auserkoren, mit dem er zuvor bei einem Projekt für Chuck Berry ("Hail Hail Rock'n'Roll") zusammengearbeitet hatte und mit dem er dann alle Tracks von "Talk Is Cheap" komponierte. Zum inneren Kreis, bzw. zu seiner Begleitband The X-pensive Winos (die 'Teuren Säufer') gehörten weiter Charley Drayton am Bass und Waddy Wachtel als zweiter Mann an der Gitarre, sowie Ivan Neville am Piano und den Keyboards. Dazu hatte sich Richards aber noch viele weitere Gäste ins Studio geladen, die sich auch nicht lange bitten ließen.
"Talk Is Cheap" hat nicht von Beginn an die Schuhe vor Begeisterung ausgezogen, ist aber über die Jahre in Schwindel erregende Höhen gewachsen und kann bereits jetzt guten Gewissens als Klassiker bezeichnet werden. Falls ihr die Scheibe schon viel zu lange im Schrank verstauben lasst, dann zieht sie mal wieder raus und geht mit einem frischen Ohr an die Sache heran. Falls ihr sie noch gar nicht besitzen solltet, dann gibt's nur eins: Losrennen und besorgen!!