Nachdem der Tales of the Jedi Ominbus 1 bereits die Geschichte des Großen Hyperraumkriegs erzählt und am Ende bereits einige der Protagonisten des Sith-Krieges vorgestellt hat, liegt es nun beim zweiten Tales Ominbus, die Geschichte fortzuführen. Dabei umspannt der Sammelband vom Freedon Nadd Uprising, über Lords of the Sith, The Sith-War und Redemption, Kernhandlung, Finale und Epilog der Tales of the Jedi.
Freedon Nadd war ein gefallener Jedi-Ritter, der vom ins Exil geflüchteten Naga Sadow in den Künsten der Sith unterwiesen wurde, nachdem das Sith-Imperium längst untergegangen war. Doch Nadds Streben nach Macht ging seltsame Wege, der Sith-Adept ließ sich auf Onderon zum König krönen und errichtete ein grausames Regime. Als Onderon der Republik beitreten wollte, wurden die Jedi als Vermittler entsandt, um den seit ewigen Zeiten schwellenden Krieg zwischen den Bewohnern der Hauptstadt Iziz und den aus der Stadt Verbannten zu schlichten. Der trügerische Frieden wird erschüttert, als Anhänger des Freedon Nadd-Kults den Sarkopharg des Siths entführen und dabei auch Jedi Meister Arca in ihre Gewalt bringen.
Der Konflikt mit den Kultisten ist jedoch nur ein unheilvolles Vorzeichen, der Entwicklungen die bevorstehen, denn Nadd ist fest entschlossen sein dunkles Erbe in die Galaxis hinaus zu bringen, nachdem er es für Jahrhunderte auf Onderon verborgen gehalten hat und das bedeutet nichts weniger, als eine Rückkehr der Sith. Vorerst sind es jedoch die Krath, um Aleema und Satal Keto, die sich als Marionetten anbieten, um einen weiteren Stellvertreterkrieg gegen die Republik zu eröffnen. Währenddessen beschreitet der mächtige Jedi-Schüler Exar Kun in seinem Ehrgeiz die Macht seines Meisters noch bei weitem zu übertreffen, einen dunklen Weg...
Die Tales of the Jedi sind ein im Expanded Universe einzigartiger Zyklus, dessen epische Dimension durch die schiere Masse der Actionszenen sogar verstärkt wird. Die Tales sind im übirgen zur gleichen Zeit enstanden wie Dark Empire, was den Zeichenstil erklärt, der sich zwar besser ausnimmt als bei Cam Kennedy, aber sich dennoch massiv von den Cover-Arts unterscheidet, wo die Lichtschwertklingen oft gänzlich andere Farben haben, als im Comic. Eine direkte Verbindung zu Dark Empire gibt es schließlich in Form der Ruinen von Ossus und Vodo Siosk Basks Holocron, dass in Luke Skywalkers Kampf gegen den wiederauferstanden Imperator eine tragende Rolle spielt. Die wahre Bedeutung von Tales of the Jedi geht jedoch weit über Dark Empire hinaus, das Erbe des Großen Hyperraumkrieges und insbesondere des Sith-Krieges ist Star Wars-Urgestein, das gesamte Expanded Universe baut darauf auf und Jedi Knight 3, die Jedi Academy Trilogie, Knights of the old Republic, Legacy, sie alle haben oft sogar eine direkte Verbindung zu den Tales. Mit neuen Werken über die KotoR-Ära werden die Tales sogar noch bedeutsamer.
Durch Zeichenstil und oft miese Charakterdarstellungen, sowie überschwänglicher Actionszenen kann man leicht dazu genötigt werden, den Wert der Tales zu verkennen und sie unter dem Verweis möglicher Widersprüche zum Kanon, besonders beim Thema Lichtschwerter, pauschal abzulehnen. All das gibt es natürlich und spielt eine gewichtige Rolle, warum die Tales auf Star Wars-Fans der Prequel-Generation oft eigentümlich wirken, man muss jedoch anerkennen, dass es keinen besseren und umfangreicheren Zyklus über die Faszination der dunklen Seite gibt. Von Sith-Alchemie ist oft die Rede und nie weiß man was damit gemeint ist, wird die Macht doch mittlerweile weniger als Magie sondern Superkraft gedeutet. Mit Machschub, Machgriff, Machtgeschwindigkeit und Machtsprüngen haben zahlreiche Jedi Ego Shooter die Fans fasziniert und angesichtsdessen hat man vergessen, was die Macht ursprünglich war. Das beste Beispiel für die verkannte Seite der Macht, sind Amulette und Rituale, die von den "modernen Sith" eher vernachlässigt werden, von den Schöpfern der Legacy-Ära aber möglicherweise wieder aufgegriffen werden
Ebenso faszinierend, die schon beschworene Faszination der dunklen Seite. In den Tales gibt es nicht nur Sith und Jedi, sondern verschiedene Kultisten und Geheimgesellschaften, die sich in der Abwesenheit der Sith mit der dunklen Seite gespielt haben, allesamt aber nie die hohen Künste der dunklen Seite meistern konnten. Von Freedon Nadd weiß man dass er Schüler des Geistes oder Zombies Naga Sadows wurde und diesen endgültig vernichtete, womit er zwar die Voraussetzungen erfüllte selbst zum Sith-Lord zu werden, aber man vergisst dass Sadow trotz der Ermordung seines Konkurrenten um die Nachfolge des wirklich letzten Sith-Lords Marka Ragnos, nie war. Folglich wurde Nadd bestenfalls zum Mörder und Erben eines Sith-Ratsmitgliedes, aber eben nicht zum Nachfolger Marka Ragnos, diesen zu bestimmen bleibt Ragnos Geist selbst überlassen und damit wird de facto der Sith-Orden geboren. Nadd, der das Erbe hätte antreten können, hat sich selbst aus dem Verkehr gezogen, indem er "nur" König von Onderon wurde, anstatt zu versuchen, die Galaxis im Sturm zu erobern. Warum er sich so unambitioniert verhielt, bleibt im Dunkeln, denn seine Lebensgeschichte wird immer nur nacherzählt. Es bleibt daher der Fantasie überlassen und legt nahe, dass Nadd klar war, dass er in seiner Zeit nichts erreichen konnte, sich aber auf Onderon eine sichere Bastion einrichten konnte, um in Jahrhunderten, wenn die Lage günstig ist, mit seinen loyalen Anhängern die Rückkehr der Sith einzuleiten. Es sind also in den 1000 Jahren zwischen dem Fall der Ancient Sith und dem Aufstieg der ideologischen Sith, also Angehöriger anderer Spezies die das Erbe des untergegangen Sith-Imperiums antreten dürfen, neue Sekten entstanden, die sich des Vermächtnisses der Sith zwar bemächtigen wollten, aber wenig Erfolg dabei hatten, der Thron war gewissermaßen verwaist.
Hier kommen wieder der Sith-Krieg und seine direkte Vorgeschichte ins Spiel, denn anhand des Beispiels von Ulic Qel-Droma wird eines der besten Beispiele für den Fall eines Jedis geliefert, der trotz seines Talents und seiner heldenhaften Absichten schlussendlich scheitert. Ulics Korrumpierung beginnt schleichend und verläuft in Etappen. Auf der anderen Seite steht Exar Kun, dessen Wandel ebenso mit Rückziehern verbunden ist, wenngleich er seine Skrupel dann doch durch seinen Ehrgeiz und Überlebenswillen schneller hinter sich lässt. De facto bleibt Oberschurke Exar Kun jedoch nur ein Nebencharakter, was die etwas verwirrende Gewichtung der Storylines zwischen Qel-Droma und ihm erklärt. Schade, war es doch Kun der das Doppelklingenlichtschwert erfunden hat und einer der begabtesten Lichtschwertduellisten der dunklen Seite war.
Fazit:
Fast noch mehr als Band 1 sollte man den Tales of the Jedi Omnibus 2 kennen, wenn man sich in die Wurzeln des Sith-Ordens und die Ära der Alten Republik vor den Mandalorianischen Kriegen vertiefen will.