Aha, Rogga Johansson kann es scheinbar echt nicht lassen. Nachdem der ziemlich vielbeschäftigte Todesblei-Workoholic schon durch unzählige Neben-Projekte (u.a. DEMIURG , PAGANIZER , RIBSPREADER , HOUR OF 13 oder zuletzt BONE GNAWER) auf sich aufmerksam gemacht hat, nimmt er mit seiner neuen "Band" THE GROTESQUERY einen erneuten Anlauf, die weltweite Death Metal-Gemeinde im Sturm zu nehmen. Das kürzlich veröffentlichte Debüt trägt dabei den Titel "Tales of the coffin born" und reiht sich nahtlos an den ellenlangen Backkatalog des Musikers ein. Soll heißen: Trotz zahlreicher guter Ansätze regiert auf diesem rabiaten 10-Tracker eher der musikalische Durchschnitt !!! Ich kann den Veröffentlichungswahn des Herren Johansson leider nicht so ganz nachvollziehen. Es ist schließlich ein offenes Geheimnis, dass Qualität manchmal eben doch wichtiger ist als Quantität.
Zunächst mal muss man "Tales of the coffin born" allerdings attestieren, dass die konzeptionellen Vorzeichen recht vielversprechend sind. So hat sich Rogga Johansson eine ziemlich düstere, unheilvolle Horror-Geschichte ausgedacht, die voll und ganz in der Tradition alter Grusel-Lyriker wie Edgar Allan Poe oder HP Lovecraft steht. Passenderweise sind Booklet und Covergestaltung auch recht schaurig ausgefallen, so dass hier erstmal nur Pluspunkte gesammelt werden. Abgerundet wird das Konzept durch zahlreiche Text-Einsprengsel (in Tagebuchform), die jedem Song eine ziemlich finstere Note geben - dem Fluss dieser Scheibe dauerhaft aber eher hinderlich sind.
Nachdem der wirklich tolle Opener "Coffin birth (Sarg Geburt)" durch die Boxen dröhnt, möchte man als Oldschool-Fan beinahe schon glauben, hier einen wahrhaftigen Meilenstein für sich entdeckt zu haben. Denn THE GROTESQUERY zocken ziemlich dreckigen Death Metal der alten Schule, der größtenteils im Mid-Tempo angesiedelt ist. Nur gelegentlich wird das Gaspedal auch mal kräftig durchgetreten. Als musikalische Eckpfeiler sind hierbei - wie immer - Bands wie DEATH , ENTOMBED , OBITUARY , MASSACRE oder CARNAGE zu nennen, was ja im Grunde auch recht positiv ist. Schließlich gibt es weitaus schlechtere Bands, von denen Herr Johansson abkupfern könnte. Leider fällt einem jedoch ziemlich schnell auf, dass Songs wie "Sins of the father" , "Sepulcher macabre" , "That thing which lurks in shadows" , "The terrible old man" oder "Nightmares made flesh" (unorigineller gehts kaum!) alle nach dem gleichen Muster komponiert wurden, und die musikalischen Höhepunkte schon mit der Lupe gesucht werden müssen. Die groovigen Riffs schlagen teilweise richtig fett ins Kontor, und sorgen im Bauchnabel des Hörers für angenehmes Prickeln...und hier und da hat sich auch mal (versehentlich?) ein feines Gitarren-Lead eingeschlichen, bevor der jeweilige Song dann im nächsten Moment aber wieder in den alten, gleichförmigen Trott zurückfällt. Insgesamt garnicht sooo übel - aber irgendwie fehlt hier der entscheidende Kick.
Als Sänger dürfen wir bei THE GROTESQUERY zum wiederholten male das MASSACRE-Urgestein Kam Lee begrüßen, der sein Mikrofon in gewohnt heftiger Manier in Grund und Boden kreischt. Diese Kooperation hat auch schon beim saustarken (!) BONE GNAWER-Erstling "Feast of flesh" allerbestens funktioniert. Und an Kam Lee liegt es auch nicht, dass "Tales of the coffin born" nicht der erhofft große Wurf geworden ist.
Ich möchte dem Rogga Johansson keinesfalls zu nahe treten. Aber ich habe echt den Eindruck, dass "Tales of the coffin born" einfach 15 Jahre zu spät kommt. Mitte der 90er Jahre wäre diese Scheibe zweifelsohne auf fruchtbaren Boden gefallen, und THE GROTESQUERY hätten sich problemlos in der B-Klasse der Todesblei-Liga etablieren können. Wenn man im Genre Oldschool-Death Metal heutzutage noch Akzente setzen möchte, dann sollte aber vor allem das Songwriting stimmen. Dies ist jedoch bei diesem 10 Tracker leider viel zu selten der Fall. Denn wenn man sich diese Scheibe mal nüchtern anschaut, dann wird einem haargenau das geboten, was uns das textliche Gesamtkonzept suggeriert: Eine ausgemergelte Frühgeburt !!!