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Das Talent meiner Frau
 
 
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Das Talent meiner Frau [Gebundene Ausgabe]

Evelyn Schlag

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Undine und Ikarus

Evelyn Schlags neue Gedichte

Von Rüdiger Görner

Poetische Imagination leiste Widerstand gegen die Wirklichkeit, sagt man. Oder versteht sich solche Phantasie nicht eher als das Ausschöpfen der Lebenswirklichkeit bis zur Neige? Im Falle der Lyrik hat dieses Auszuschöpfende Namen; sie lauten «Ich» und «Du» und «Wort», das Wort an sich, das, was sich aus ihm generieren lässt, was in ihm und durch es zur Sprache kommen will. Evelyn Schlags Gedichte fragen unablässig nach diesem Ich und dem Wort, unablässiger noch nach dem Du. In ihrem Gedichtband «Ortswechsel des Herzens» (1989) stellte sie die Frage: «Bist du grammatisch?» – eine im Satzbau zu verortende Grösse oder wie in der Sammlung «Der Schnabelberg» (1992) ein Pochen in den Schläfen, «von einem Traum verlegt ganz / nah an mir». Jetzt lesen wir über dieses «Du», dass sein «später Ruf (. . .) in einen fremden Schoss» gefallen sei.

Dieser neue Gedichtband Evelyn Schlags (mit dem nicht ganz glücklichen Titel «Das Talent meiner Frau») bietet gleichsam lyrische Destillate der Jahre 1992 bis 1999: elegisch-melancholisch, behutsam gearbeitete Stimmungsbilder, die gewöhnlich von einer maximenhaften These durchzogen sind, einem gedanklichen Rückgrat, wenn man so will. Eine solche «These» enthüllt den Kern des melancholischen Schreibens der Evelyn Schlag: «Wir sind / Wissende die sich neu ins Alte verlieben.» Das Mythische ist nie weit in diesen Gedichten, ob in Gestalt von Undines Tochter oder Ikarus, den das Ich des Gedichts «Birdwatching», neben dem walisischen Barden R. S. Thomas sitzend, durch dessen (!) Fernglas stürzen sieht. Dass die Vermittlung von Mythen auch andere Wege kennt, zeigt das Gedicht «Auf ein Foto Iosif Brodskijs beim Begräbnis von Anna Achmatova». Hier werden Traditionslinien beschworen, von deren Muster auch Schlags Gedichte zehren: Poet neben Poet, die unsichtbare Fackel weiterreichend.

Und die Landschaften: Vierwaldstättersee, Wales, Morawien, Finnland – Weite und Tiefe in einem, poetische Räume, von Worten besiedelt, auf «birkenhelles Papier» geschrieben. Und Rom, des Museo Etrusco und seiner Sarkophage wegen: Urgestein der Kultur, mit dem diese Lyrikerin arbeitet, aber nie spielt. Evelyn Schlags Gedichte bestimmt nämlich ein tiefer Ernst; ihre Verse sind nicht einfach dahingesagt; sie wirken eingehend erwogen, still bedacht und dabei leidenschaftlich, dringlich, mithin nie abgeklärt. Es sind Gedichte, die sich der Zeit nicht verschliessen. Sehr im Gegenteil.

Der Zyklus «Das Gedicht im Krieg» stellt sich dieser unserer Zeit: «Als wir aus der Kirche kamen schlug / ich mir die Hände an die Ohren alle / schossen hoch in die Luft mir graute / im weissen Kleid vor den Tarnanzügen / einer trat mit seinem Stiefel gegen / mein Schienbein vor Freude vor Lust» («Die Kroatinnen»). Das Gedicht «Friedensberichterstattung» weiss von lärmenden Gräbern am Ende eines Dorfs, von einer menschenleeren Welt, aber auch von der Austauschbarkeit der Bilder des Elends und der verblendeten Neuanfänge.

Es ist Musik in dieser Lyrik: Wir begegnen einer Konzertgängerin, einem Flügelstimmer, ein Streichquartett tritt auf; aber man kann dieser Musik schwerlich froh werden. Sie besänftigt nichts, sie regt nicht einmal an. Vielmehr zeugt sie von jener Anonymität, von der Douglas Dunn, von Evelyn Schlag einst kongenial übersetzt (1991), in seinen «Elegien» gesprochen hat, eine Anonymität in «words and music».

Vielleicht lässt sich dementsprechend auch das Ich dieser Gedichte nur noch als anonym bezeichnen; und selbst die Namen, die Schlag nennt, und sie nennt zahlreiche, sind womöglich nicht mehr als Feigenblätter einer allgemeinen Namen- und mithin Identitätslosigkeit der Individuen und Dinge. Auch in den Bergen kann dieses Ich nicht «frei» werden: «Alle Kämme entlang steht / ein Streifen dunklerer Wald / Breitseite des Bleistifts / mit dem ich Länder umrandete / bis in jede Bucht Schatten / den die Grenze warf.»

Evelyn Schlag sind einmal mehr Gedichte gelungen, die den Leser nicht nur ansprechen, sondern sich in ihn, Vers um Vers, einsprechen.

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.04.2000
Besonders zwei Gedichte im jüngsten Lyrikband der niederöstereichischen Dichterin haben auf Walter Hinck großen Eindruck gemacht: `Der Sarkophag des Ehepaars im Museo Etrusco, Villa Giulia, Rom` und `Schuhe zählen`. Hier vertraue die Dichterin ihre Sprache "einem geheimen epischen Kompass an", ohne dabei ihren "lyrischen Grundton preiszugeben". Oft jedoch sei der Ausdruckswille stärker als die Sprache, was zu einer wahren "Metaphernjagd" führe. Im Wesentlichen aber hat Hincks einen positiven Gesamteindruck.

© Perlentaucher Medien GmbH

Kurzbeschreibung

Von Glück und Verlust, Annäherungen und Auseinanderdriften, von Liebe und Krieg sprechen diese Gedichte von Evelyn Schlag, und sie tun es behutsam, präzise und unverwechselbar.
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