Dies ist einer der ersten Manga zum Thema "Boy's Love", die ich gelesen habe - und ich wundere mich noch immer, dass ich dieser Leidenschaft danach wieder nachgegeben habe, denn das hier ist ein abschreckendes Beispiel für all die geschwätzigen, langweiligen und in ihrer Plumpheit unfreiwillig komischen Shonen Eiei, die für das minderjährige Publikum gedacht sind. Dies ist ein Buch für Mädels, die bei Ayano Yamane oder Youka Nitta nur ein verklemmtes "Hihihi" oder schiefe Smileys hervorbringen, denen Kazuma Kodaka viel zu derb und Kaori Monchi zu brutal sind oder die Hinako Takanagas Geschichten wegen der hübschen Zeichnungen für "süß" halten ...
Es handelt sich hier zwar um den ersten Band einer Gemeinschaftsproduktion, er bezieht sich allerdings auf so viele Handlungesstränge und Ereignisse der Vergangenheit, dass es sicherlich eine Vorgeschichte gibt, die man kennen sollte - wenn man denn an der ganzen Serie interessiert ist. Nun beginnt dieses erstaunliche Buch damit, dass ein etwa Sechzehnjähriger sich selbst als kaltblütigen, gefühllosen, desinteressierten Menschenhasser bezeichnet ... Allerdings kommt das Bürschchen im Buch absolut nicht so rüber, es wirkt höchstens etwas schüchtern und will nicht angefasst werden, von einer echten Neurose oder sonstigen Folgen seines Kindheitstraumas habe ich bei der Lektüre nichts bemerkt, sie werden lediglich behauptet. Außerdem sind so ziemlich alle Protagonisten völlig unglaubwürdig und benehmen sich nicht wie reale Menschen, sondern wie Figuren aus seifigen, rosaroten Groschenheftchen - wenn ich mal diesen altmodischen Ausdruck benutzen darf, er passt zu diesem seltsam aus der Zeit gefallen Quark.
Die Zeichnungen sind gar nicht schlecht, wenn auch mit den üblichen Problemen behaftet: Wer keine Hände darstellen kann, tut sich auch mit Berührungen und Gesten schwer, die Gesichter sind hübsch aber fade und gleichförmig, die meisten Bilder zum Gutteil mit Sprechblasen oder dem Hintergrund-Blabla Takumis verkleistert und die Königsdisziplin der Mangaka, die Bewegung, beherrschte die Zeichnerin Frau Ohya zumindest damals, 2001, ganz und gar nicht.
Ich gebe zwar zu, dass das Buch einen gewissen Charme hat. Es liest sich schnell weg, wenn man sich an die sülzigen Texte gewöhnt hat und Takumis unerfreuliche Geschichte bringt einen auch nicht um den Schlaf - was zumindest für mich kein Lob ist, mich lässt das ganze Buch kalt, die Tragödie wird zerquatscht und die netten Bilder hinterlassen bei mir höchstens ein maues Gefühl in der Magengegend: Ich habe den Eindruck, dass sich die Autorin Frau Gotoh sowohl mit der Internatsgeschichte als auch mit der Hintergrundstory mächtig übernommen hat.
Nebenbei hoffe ich, keine Leserin nimmt tatsächlich an, dass sich psychische Schäden, die durch Missbrauch im Kindesalter angerichtet werden mit guter Zurede und ebenfalls nicht gerade einvernehmlichem Sex beheben lassen ... Lest den Manga, wenn überhaupt, als seichte Unterhaltung von einer Autorin, die ihre Psychologiekenntnisse offensichtlich aus der Betroffenheitsecke von Frauenillustrierten hatte. Und nehmt ihn bloß nicht ernst!