Es war nicht unbedingt zu erwarten, dass die Geheimfavoriten geschmackssicherer Rock-Fans aus Island ihr herausragendes zweites Album "Agaetis byrjun" jemals übertreffen würden.
Zu faszinierend waren die melancholischen Melodien und die düster-verträumten Klanggebilde, die in so mitreißender Manier in ausschweifende rockige Klangattacken mündeten.
Doch nun ist "Takk" auf dem Markt und man stellt fest, dass dieses Album durchaus an die Qualität von "Agaetis byrjun" heranreicht. Dabei ist das oben beschriebene Rezept der Band ähnlich geblieben. Faszinierende Melodien, die uns in unserem Kopfe in weite Landschaften und wundervolle Tagträume entführen, werden äußerst kraftvoll in Szene gesetzt, enorm laut und kraftvoll, und trotzdem sanft, mit mitreißenden Dynamikwechseln und kontrastreichen Sounds, von sanften Geigen und Klavierklängen hin zu einem brachialen Schlagzeug-Sound, einem wahren Monster-Bass. Über allem schwebt der extraterrestrisch anmutende Falsett-Gesang von Jonsi Birgisson, der mal wieder so wunderschöne Melodielinien erzeugt, dass man nur vor Bewunderung den Hut ziehen kann.
Im Vergleich zu "Agaetis byrjun" wirkt "Takk" etwas leichter und fröhlicher. Immer noch melancholisch und auch immer noch düster, entführt das neue Album jedoch eher in Szenerien, die sich bei Sonnenaufgang abspielen. Dieses Plus an Leichtigkeit und Minus an Dunkelheit wird vor allem dadurch erreicht, dass das Klavier und die Streicher die dominanten Rollen von Orgel und Cellobogen-Gitarre übernehmen.
Die einzelnen Songs der Isländer sind dabei hervorragend wie immer. Mit "Glosoli" liefert die Band sofort ein absolutes Highlight: Eine eingängige Bass-Linie bietet die Grundlage für einen Song, der von der Rhythmus-Abteilung nach und nach mit einem Zuwachs an Dramatik versehen wird, bis er sich in einer wunderschönen, brachialen Klangcollage verliert, die mehr als Gänsehaut erregend ist.
Mit "Hoppipolla" und "Meo Blodnasir" folgen zwei melodiöse Songs mit viel Streichereinsatz, bevor mit "Se Lest" eine zugegebenermaßen recht schwer zugängliche Klangcollage geliefert wird. Umso genialer und vom ersten Moment an überzeugender wirkt dafür "Saeglopur": Jonsis herausragende gesangliche Melodieführung sowie ein super-kraftvolles Arrangement über ein gefälliges und hochdramatisch anmutendes Piano-Riff sorgen für einen herausragenden Sigur-Ros-Titel.
Ähnliches gilt für das zunächst ruhig beginnende, aber mit einem umso packenderen Refrain versehene "Milano".
Mit "Gong" folgt ein weiterer herausragender Titel, der von einem sehr schönen Gitarrenpicking, einer exzellenten Schlagzeuger-Leistung und einem wieder mal glänzend aufgelegten Sänger zu dem wahrscheinlich besten Titel des Albums gemacht wird. Die etwas unauffälligeren letzten drei Tracks "Andvari", "Svo Hljott" und "Heysatan" runden das Album in ruhiger Manier ab.
Mit "Takk" ist Sigur Ros das wahrscheinlich beste Rock-Album des Jahres 2005 gelungen. Auch bei uns führt die isländische Band noch eher das Dasein eines Inisdertipps für musikalisch und künstlerisch sehr interessierte Hörer, jedoch hat die Qualität der Songs dieser Gruppe, wie der Erfolg von Sigur Ros in den USA beweist, viel mehr Potenital.
Mit "Takk" haben sich Sigur Ros eindeutig im Kreis der überragenden Rockbands dieser Welt etabliert, da sie die auf ihrem erfolgreichsten Album präsentierten Stärken klar bestätigen konnten.