Als Mr.Tiber(Henry Goodman) das zu seinem Sohn Elliot(Demetri Martin) sagt, hat das Woodstock Festival bereits begonnen. Und genau um dieses Festival geht es in Ang Lees Film nicht. Der taiwanesiche Ausnahmeregiseur hat sich vielmehr die Vorgeschichte des größten Rockkonzerts aller Zeiten für einen besinnlichen, hervorragend gestalteten Ausschnitt einer kleinen Zeitepoche ausgesucht. Lees Stärke, die ruhigen, exakt beobachteten Bilder, die Liebe zum Detail und zu den Menschen, kommt in -Taking Woodstock- voll zum Tragen.
Elliot ist der Sohn des Ehepaares Tiber, zweier jüdisch-russicher Emigranten, die durchaus als "Originale" bezeichnet werden können. Deren kleines Motel "El Monaco" steht vor der Pleite. Elliot, der ebenfalls nicht mit Reichtum gesegnet ist, versucht den Eltern zu helfen. Aber gerade bei seiner schrägen Mutter(Imelda Staunton) ist das nicht gerade einfach. Elliot, der als Maler, Geschäftsmann und Gemeindevorstand agiert, erfährt aus der Zeitung, dass die Nachbargemeinde ein großes Rockkonzert verhindert hat. Er sieht seine Chance, holt den Macher des Konzertes, Michael Lang(Jonathan Groff), zu sich nach Hause. Mit Hilfe des Farmers Yasgur(Eugene Levy) werden die gesuchten Flächen gefunden und das Konzert soll starten. Das bringt aber nicht nur Tausende von Hippies in die Gegend, sondern auch einen Teil der Gemeinde gegen Elliot und seine Familie auf. Wie das Konzert, trotz dieser Schwierigkeiten, dann doch noch zustande kommt, das ist überaus sehenswert...
Ang Lee hat sich die Autobiografie von Elliot Tiber(geborener Teichberg) als Grundlage für seinen Blick auf Woodstock genommen. So schafft er es wieder einmal, den Zuschauer positiv zu überraschen, denn: In zwei Stunden Film gibt es weder eine Janis Joplin, noch einen Jimi Hendrix oder Joe Cocker zu sehen. Dafür hält Ang Lee voll auf die "kleinen Leute" der Umgebung. Egal, ob das die schrullige Familie Tiber oder die völlig abgefahrene Theatergruppe Earth Lights, unter der Führung von Deff(Dan Fogler) ist.
Herausgekommen ist ein sehenswerter Film über eine große Idee, Liebe, Freundschaft, Frieden und jeder Menge Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Ang Lee hat den Streifen sehr gut besetzt. Mir hat vor allem Imelda Staunton als Mrs. Tiber gefallen. Aber auch die Auftritte von Emile Hirsch als verschrobenem Vietnam Veteran Billy oder der "Sicherheitschefin" Vilma, die von Liev Schreiber gegeben wird, sind eine Klasse für sich.
Ang Lee hat wieder einmal alles anders gemacht und doch sehr gut hinbekommen. Ein Film über Woodstock ohne auch nur einen Blick auf die Bühne zu werfen. Geht das? Aber sicher! Lassen sie sich überzeugen.