Elliot Teichberg (Demetri Martin) arbeitet als Innenarchitekt im New Yorker Stadtteil Greenwich Village, lebt aber als 34jähriger Sohn immer noch brav bei seinen Eltern, die in der Kleinstadt Bethel ein etwas heruntergekommenes Motel betreiben. Um das Geschäft für Mom (Imelda Staunton) und Dad (Henry Goodman) zu verbessern, die immer wieder vor der drohenden Pleite stehen, organisiert Elliot immer wieder kleine Musikabende oder Theateraufführungen.
Als Präsident der lokalen Handelskammer hat er auch schon lange eine Lizenz, um in diesem verschlafenen Nest Musikfestivals durchzuführen.
In diesem Jahr wartet eine experimentelle Theatergruppe mit exhibitionistischen Neigungen nur darauf endlich ihren Auftritt zu haben. Sie haben sich bereits hinter der Scheune des Motels einquartiert.
Als Elliot erfährt, dass der Musikproduzent Michael Lang (Jonathan Groff), den er von früher kennt, ein großes Musikfestival mit Megaacts wie Janis Joplin, Jimi Hendrix, The Who, Joan Baez und vielleicht sogar Bob Dylan plant, nimmt er Kontakt mit Lang auf und bietet ihm das große Areal des Motels als Ort der Veranstaltung an.
Doch erst das Gelände des befreundeten Farmers Max Yasgur (Eugene Levy), auf dem friedlich Kühe weiden, hat die optimalen Voraussetzungen für ein Musikfestival dieser Größe.
Elliot und seine Eltern bilden aber das Organisationsteam mit Kartenverkauf, endlich ist Geld da und zwar recht viel.
Allerdings gerät auch die gesamte Bevölkerung aus Bethel zunehmend aus dem Häuschen, der junge traumatisierte Vietnamveteran Billy (Emile Hirsch) unterstützt Elliot zumindest mental, was man von dessen Bruder nicht sagen kann. Der organisiert die Protestwelle gegen das Festival, denn die meisten Bürger haben Angst vor soviel Flower-Power Jugendbewegung, sie fürchten Sodom und Gomorrha auf sie zukommmen.
Tatsächlich wird das legendäre Festival auch bald zum geistigen Umbruch für Elliot, der in den kommenden Tagen langsam aber sicher auch sein Coming out als Schwuler durchmacht und sich gegen die möglichen Prosteste der Eltern ein eigenes Leben aufbauen will. Freiheit und Selbstverwirklichung ist angesagt, dazu immer wieder mal einige Drogen, die inzwischen laufend angeboten werden.
Der krasse gesellschaftliche Wechsel ist auch bei Transvestit Wilma (Liev Schreiber) zu sehen, noch vor kurzer Zeit war der schräge, sympathische Vogel ein US-Marine in Vietnam...
Ang Lees "Taking Woodstock" ist ein interessanter Bilderbogen einer sehr kurzen Zeit bzw. einer Momentaufnahme, die erst in einer Rückschau zu dieser Legende wurde.
Das Festival läuft bei Ang Lees Zeitreise auch lediglich im Hintergrund ab, er skizziert die Menschen, die in unmittelbarer Umgebung Woodstock erlebt haben und dieses Festival organisierten. Woodstock ist Zeitgeistlieferant, ein Überbau und ein Blick in den damals begonnenen Hippie-Lebensentwurfs, der bereits kurze Zeit später keine Gültigkeit mehr hatte.
Ang Lee nähert sich in "Taking Woodstock" dem Festival durch die Hintertür. Die Musik weht als ferner Klang herüber, die Bühne erstahlt von Ferne im Lichterglanz. Dominierend wird das damals existierende Lebensgefühl an den Rändern skizziert.
In der beeindruckendsten und besten Szene des Films schlängelt sich ein Motorrad eines Bullen mit Elliot als Beifahrer die von unzähligen Autos verstopfte Straße nach Bethel hinauf. Die Blumenkinder ziehen ihr Ding ab.
Wie so oft in Ang Lees Filmen geht es um Harmonie, um Coming out. So steht "Taking Woodstock" auch für die Veränderung einzelner Menschen, auch wenn die gesellschaftliche Revolution nie stattfand.
Elliot ist mittendrin, aber er kommt nie ans Zentrum. Ang Lee lässt ihn absichtlich nicht dort ankommen, aber er entdeckt in diesen Momenten immer wieder eine Vielzahl von Inspirationen, die sein Leben fortan prägen sollen.
Ein angenehmer Film, der vor allem auch meditativ und nachhaltig wirkt...