Sie sind wieder da, die texanischen Outlaw-Mädels, die sich nicht den Mund verbieten lassen! Und noch immer sind sie "not ready to make nice, not ready to back down", das ist erstrecht erfreulich. Sie lassen sich nicht nur musikalisch nicht kleinkriegen -- gut so!
Allerdings, sie haben sich weiterentwickelt seit ihrem Überflieger-Album "Home". Klar: Sie sind ja auch älter geworden, älter und erwachsener, -- ein bisschen wenigstens. Jedenfalls alt genug, um sich vom entwaffnenden Underdog-Charme weitgehend zu verabschieden, der "Home" zu einem dermaßen hinreißenden Album gemacht hatte.
Aber keine Frage, die drei können was. Und irgendwann kann man ja diesen Girlie-Charme der früheren Tage nimmer bringen, ohne sich zu blamieren... Wer rechtzeitig nach neuen Wegen Ausschau hält, beweist seine Klugheit. Wir hören also grad die Übergangsphase der Dixie Chicks, und die ist bemerkenswert ausgereift. Gleich der Einstieg zeigt, wo's diesmal langgeht: "The Long Way Around" hat alles, was ein solider Country-Rock braucht, und noch einiges mehr.
Dominiert wird diese CD allerdings nicht mehr von Hillbilly und Bluegrass; vorherrschend ist nun Rock mit Country-Einschlägen, auch gute langsamere Nummern (etwa "Not Ready to Make Nice", oder, richtig schön:"Bitter End" und "Lullaby") sind dabei, und nicht zu verwechseln ist zum Glück immer noch Natalie Maines' Stimme. Schließlich: Wenn alle drei zugleich loslegen mit ihrem Harmoniegesang und gekonnter Instrumentierung, dann merkt man, dass diese Band noch viel Potential hat, dass man da auch langfristig mit guter Musik und intelligenten Texten rechnen kann. Einstweilen jedoch bekommt man auf "Taking the Long Way" solide Ware zu hören, mitunter ein wenig zu viel Mainstream, aber einige Tracks (darunter die hier erwähnten) heben dieses Album immer noch locker über den Durchschnitt. Ganz verleugnen tun ihre die Dixie Chicks ihre Wurzeln sowieso nicht: "Lubbock or Leave It" z.B. hat alte "Home"-Qualitäten, und "I Hope" mit federleichtem Blues-Einschlag (Keb' Mo' hatte seine genialen Finger im Spiel) setzt einen fulminanten Schlusspunkt.