Ein durchschnittliches Ehepaar (Lynn Carlyn und Buck Henry) wird aus seiner Routine geworfen, als die pubertierende Tochter Jeannie (Linnea Heacock) von daheim ausreisst. Sie mischt sich in New York unter die Hippies, weil sie gerne Sängerin werden möchte. Die Eltern suchen sie derweil, vorerst ohne Erfolg. Schon bald kreuzt Jeannie wieder zu Hause auf, macht sich aber schon nach Minuten wieder aus dem Staub. Die Eltern suchen schliesslich im Rahmen einer für solche Situationen zuständigen Organisation. Dort geht man aber das Problem nicht nur mit der Suche an sich an, sondern auch psychologisch. Zu diesem Zweck versucht man der in die Jahre gekommenen Schar an Erziehungsberechtigten das Jugendgefühl nahe zu bringen, indem man sich konkret mit der Wirkung des Kiffens befasst. Da staunt dann sogar der Nachwuchs darüber, wie bunt es bei den sonst so verklemmten Eltern neuerdings hergeht!
Dieser Film zeigt die Hippiezeit und den vorherrschenden Zeitgeist teils anschaulich, teils scharfsinnig und hintergründig. Es handelt sich bei "Taking Off" (Universal Pictures, 1971) um den ersten amerikanischen Film des tschechischen Regie-Genies Milos Forman. Zunächst wechselt der Film munter zwischen verschiedenen Milieus, vernachlässigt aber vorerst die Handlung. Erst nach ungefähr einer halben Stunde kommt dann die Geschichte in Fahrt und lässt auch die scharfzüngigen Aussagen zum Umfeld der Geschichte etwas konkreter werden. Es stört nicht weiter, dass der Film kaum bekannte Schauspieler vorweist, denn dadurch wagt man sich unvorbelastet an die Figuren heran. Wie üblich begeistert Forman mit seinem Film. Er ist lustig, ohne dass er seine Pointen gleich auf dem Silbertablett präsentieren müsste. Ein Stück Zeitgeschichte zum Mitdenken und Mitlachen.
Auf DVD dauert dieser leider eher unbekannte Klassiker 89 Minuten. Das Bild im Format 1,85:1 (16:9) macht einen etwas gealterten Eindruck, aber es handelt sich ja auch nicht um eine Hochglanzproduktion. Die verfügbaren Tonspuren sind nur Deutsch und Englisch. Untertitel zum Film gibt es nicht, da sind die Angaben auf dem Umschlag leider irreführend. Hingegen gibt es welche auf Deutsch im sehenswerten Interview-Beitrag mit Milos Forman, der eine halbe Stunde dauert und im Bonusmaterial zu finden ist. Dazu gibt es noch eine kurze Bildergalerie. Damit ist das überschaubare Bonusmaterial schon vollständig aufgezählt. Die DVD hätte man auf der Ausstattungsseite noch deutlich verbessern können. Deshalb gibt es in der Gesamtbeurteilung drei von fünf Gitarrenstunden und eine Einladung zum Familienbesuch bei Jeannie zu Hause.