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Mit dem trotzigen "Not Ready to Make Nice" machen die Chicks klar, dass sie sich immer noch gekränkt von der massiven Ablehnung fühlen, auf die sie 2003 mit ihrer Kritik an George Bush st! ießen. Doch wie sie in dem gleichermaßen autobiographischen "The Long Way Around" feststellen, waren sie noch nie gewillt, sich anzubiedern oder nur ziel- und kritiklos vorgegebenen Pfaden zu folgen. Konkret bedeutet das, dass die Chicks ihren Starstatus einerseits mit Stolz und andererseits mit Distanz sehen ("Everybody Knows") und dass die frischgebackenen Mütter zunehmend Trost im Familienleben finden, abseits des Rampenlichts ("Easy Silence", "Lullaby", "Baby Hold On"). Von diesen Gefühlsgegensätzen lebt das Album, das auch persönliche Themen aufgreift wie die lange unerfüllten Kinderwünsche der Schwestern Martie Maguire und Emily Robison oder die Alzheimer-Erkrankung von Natalie Maines' Großmutter. Die Dixie Chicks haben die 14 Stücke mit Koautoren wie Sheryl Crow, Gary Louris, Mike Campbell und Keb' Mo' geschrieben und erzählen aus ihrem Leben so offen und ehrlich wie in einem Tagebuch. Dementsprechend scheint Taking the Long Way zunächst zu düster, um den Höre! r langfristig fesseln zu können. Das Album könnte mehr schnell! e Stücke wie "I Like It", eine freche Nummer mit Sechziger-Charme, und etwas mehr Unbeschwertheit vertragen. Außerdem entspricht das Songwriting scheinbar nicht dem Standard, den Darrell Scott, Patty Griffin and Bruce Robison auf Home setzten. Mehrmaliges Anhören zerstreut aber alle Skepsis. Bis zum letzten Titel, der R&B-Gospel-Nummer "I Hope", nimmt man Anteil an den Lebensgeschichten eines Trios, das Besinnlichkeit mit Chutzpe verbindet und Protest mit Sensibilität. --Alanna Nash
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Auf ihrem neuen Album "Taking The Long Way" bleiben die Schwestern Martie Maguire, Emily Robison und Natalie Maine ihrem Image treu: Sie gehen volles Risiko, sie bleiben in ihren Aussagen ehrlich, unangepasst und glaubwürdig. Das macht alleine schon die Tatsache klar, dass sie für ihre neue CD keinen Hitschneider wie Dann Huff (Keith Urban, Faith Hill, Rascal Flatts usw.) engagierten, sondern ein echtes Original, eine echte Legende - Rick Rubin. Dass der Soundschmied für Krawall-Combos wie Red Hot Chili Peppers durchaus auch eine Ader für feinfühligen Folk und Country hat, bewies er bei den viel gerühmten Arbeiten mit Johnny Cash. Doch wem sage ich das? Jeder halbwegs informierte Countryfreund weiß dies sicherlich... Dennoch: Rick Rubin und Johnny Cash konnte man sich gut als perfektes Tandem vorstellen. Doch was lockt der bärtige Bär hinter dem Mischpult aus den zerbrechlichen Stimmen der drei Dixie Chicks hervor?
In 14 neuen, meist unter Mithilfe prominenter Co-Autoren (u.a. Shery Crow, Keb' Mo, Mike Campbell und Pinks Autorin Linda Perry) entstandenen Titeln geben sie die Antwort: Die Dixie Chicks haben in den vier Jahren seit ihrem letzten Album "Home" etwas an ihrer Unbekümmertheit eingebüßt. Doch wen wunderts? Immerhin haben die drei hübschen Texanerinnen eine ganze Menge erlebt. Als frisch gebackene Mütter nimmt das Familienleben nun einen wesentlich größeren und bedeutenderen Teil in ihrem Leben ein. Davon berichten sie in sanften Folk-Songs wie "Easy Silence", "Lullaby" und "Baby Hold On". In dem rockigen, mit wuchtiger Orgel (Benmont Tench) und satten Beats (Red Hot Chili-Drummer Chad Smith) inszenierten "Everybody Knows" gehen sie dagegen auf Distanz zu ihrem eigenen Superstar-Status; in dem an den frühen Neil Young erinnernden "Not Ready To Make Nice" legen sie noch mal im Streit mit George W. Bush nach. Nein, die Dixie Chicks sind immer noch nicht die braven Landmädels, wie sie der amerikanische Präsident - und leider wohl auch ein Großteil der US-Medien - gerne sehen und hören würde.
Rustikale Rock-Töne bilden dennoch die Ausnahmen der CD. Neben dem erwähnten "Baby Hold On" schlagen lediglich noch das flotte "I Like It" und das robuste, mit hübschen Banjo-Kontrapunkten ausgestattete "Lubbock o r Leave It" in die härtere Kerbe. Ein Nachteil ist das freilich nicht. Denn das Trio kann in den ruhigen, bluegrass und folk-verwurzelten Songs herrlich ihr musikalisches Können und ihren unerreichten Satzgesang ausleben. Hier einen Song noch weiter hervor zu heben, ist schlichtweg überflüssig: Alle Titel liegen weit über der gängigen Niveau-Messlatte. Zum Abschluss des Longplayers wagen die Ladys noch einen Fingerzeig auf ihre musikalische Beweglichkeit: "I Hope" besticht als souliger Gospel in bester Norah Jones-Manier. Der Umweg hat sich gelohnt...
Fazit: Das persönlichste - aber auch das nachdenklichste Album der drei Country-Diven. Johnny Cash-Produzent Rick Rubin leistete wieder mal ganze Arbeit. Gunther Matejka