Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Filmkunst in ästhetischer Perfektion, 2. August 2007
Die Entstehungsgeschichte von "Dolls" ist so interessant wie die Geschichte des Filmes selbst. Der Regisseur Takeshi Kitano begann seine Karriere vor vielen Jahren in Asakusa als "Liftman" und Komiker. Hier konnte er eine essenzielle Beobachtung machen, welche als Idee dann später in seinen Film miteinfliessen sollte.
An manchen Abenden konnte Kitano ausmachen, wie ein Bettlerpaar durch ein rotes Seil um den Bauch aneinander gebunden war und durch die Strassen zog. Das gesellschaftliche Umfeld dieser Bettler lachte über sie, ohne die Kenntnis zu haben, wer sie überhaupt waren, woher sie kamen oder was sie bewegte, sich aneinander zu binden. Diese Szene beeindruckte Kitano damals dermassen, dass er beschloss, diese Tragik dieser zweier Figuren in einem seiner Filme als Element zu thematisieren. Schliesslich findet sich diese Idee in Dolls wieder.
Ein grosses Anliegen seitens Kitano ist es mit diesem Film bestimmte Vorurteile des Publikums aufgrund seiner vergangenen Filme auszuräumen. Nach "Brother", seinem neunten Film war Kitano äusserst erstaunt, als er erfuhr, dass viele Kritiker über die Medien publizierten, sein neuer Film würde sich wie alle vorangehenden Werke in trübem Farbbild, einem monotonen graublau präsentieren. Er würde seine Filme doch in Farbe drehen, bekräftigte er überrascht. Kitano ist unter dem gemeinen Filmkenner als Filmemacher von düsteren und harten Yakuzastreifen wie etwa "Battle Royale"oder "Sonatine"bekannt. Auch wenn diese Filme eine hohe Brutalität und Gewalt aufweisen, versucht der Regisseur hier Authentizität und Nachvollziehbarkeit zu zeigen. Dabei sind es weniger die Worte, welche das Geschehen beschreiben, als mehr die aussagekräftigen Taten in ihren klaren Bildern, auf die meist eine meditative Ruhephase folgt. In dieser Beziehung unterscheidet sich Dolls nur gering.
Der Film beinhaltet im Grunde drei Liebesgeschichten, welche parallel erzählt werden, aber nichts mit den anderen an sich zu tun haben. Es sind Geschichten, in denen Kitano eigene Erlebnisse und Erfahrungen verarbeitet. Er vertritt persönlich die Meinung, dass die wahre Liebe kein Trugbild ist und existiert. Wobei man aber verschiedene Auffassungen dieser Liebe kennt und verstehen kann. Hoffnung, Verzweiflung und Leidenschaft sind drei zentrale Begriffe in seinem Film, die er darin innerhalb der Liebe stark zum Ausdruck bringt.
Ein junger Uni-Abgänger heiratet nicht seine wahre Liebe aus Jugendtagen, um auf Geheiss der Eltern stattdessen die Tochter seines Chefs zur Frau zu nehmen, damit einem raschen Karrieresprung in deren Firma nichts im Wege steht. Seine ehemalige Freundin ist darüber nie hinweggekommen und droht, den Verstand zu verlieren. Vor dem Altar erkennt er seinen Fehler, will sich wieder bei seiner alten Liebe melden und sich um sie kümmern. Als Symbol ihrer ewigen Liebe beginnen sie mit rotem Seil aneinander gebunden eine lange Reise durch die vier Jahreszeiten Japans.
Ein junger Fabrikarbeiter verabschiedet sich an einer Bank von seiner Liebe, lässt sie wissen, wenn er es zu etwas gebracht habe und wohlhabender geworden sei, zu ihr zurückzukehren. Sie sagt ihm darauf, dass sie jeden Samstag an diesem Ort auf ihn mit dem für ihn zubereiteten Mittagessen warten würde. Ganze dreissig Jahre wartet sie vergebens. Jetzt ist aus dem damals jungen Mann ein alter und einsamer Yakuzaboss geworden. Da nun all seine Bedürfnisse nach Wohlstand und Macht getilgt sind, beschliesst dieser nun, dorthin zurückzukehren. Die Freundin wartet dort auch an diesem Tag. Ohne zu wissen, wen sie vor sich hat, bietet sie dem Ankömmling das Essen an, da sonst niemand da ist, mit dem sie das Essen sonst teilen könnte.
Ein erfolgreiches Popsternchen verbringt sein Dasein unbekümmert in der Welt des Glamours und Entertainments. Es bildet den Mittelpunkt im Leben unzähliger Menschen, die sie fast schon eher vergöttern als bewundern. Diese Leute würden alles geben, um sie nur einmal zu treffen oder zu sehen. Als ein Unfall ihr einst sehr schönes Gesicht nun verunziert, will sich das Popsternchen der Oeffentlichkeit entziehen und begibt sich betrübt an einen ruhigen Ort, um nachzudenken. Ihr ergebenster Fan nimmt sich das Augenlicht, damit sie sich ihretwegen vor ihm nicht schämen muss. So bekommt er endlich die langersehnte Gelegenheit, sie persönlich treffen zu können.
Die phantastischen Kostüme des Filmes tragen ihren Teil zur allgemeinen Anziehungskraft des Werkes bei. Sie stammen aus der Idee von Yohji Yamamoto. Ihm ist es zu einem grossen Teil zu verdanken, dass Dolls"im Ganzen so ästhetisch berauschend geworden ist. Der Design-Aufwand war nicht klein. Für jede Jahreszeit wurde ein entsprechendes Kimono-Stück gefertigt, welches den Impressionismus der prächtigen Landschaftsbilder noch verstärken sollte. Kirschblüten im Frühling, das leuchtende Meer im Sommer, feuerrote Ahornblätter im Herbst und der Schnee im Winter sind wichtige Aspekte, die man gezielt im Film inszeniert hat. Im Gesamteindruck entsteht ein Bild, wovon man seine Augen nur schwerlich wieder wegnehmen kann.
Fazit: Kitano bricht hier langjährige Konventionen mit sich selbst und beweist, dass er mehr kann, als gewalttätig-blutige Filme zu drehen. Es ist ein regelrechtes Kunstwerk, was Kitano hier veranstaltet. Einer der visuell schönsten, emotionalsten und ruhigsten Filme der letzten Jahre. Wirklich bemerkenswert und empfehlenswert
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hervorragend!, 4. Mai 2004
Mit dieser DVD erfährt Takeshi Kitanos episodischer, meditativer Film über die Liebe eine herausragende Umsetzung. Schon äußerlich macht die Veröffentlichung viel her: Die zwei DVDs finden sich in einer stabilen Pappbox zum Aufklappen, die wunderbar gestaltet ist. Die Bildqualität ist dank eines exzellenten Transfers natürlich makellos, auch der Ton ist prima. Sogar die deutsche Synchronisation, die eigens für diese Ausgabe angefertigt wurde, ist solide - bemerkenswert ist das deshalb, weil asiatische Filme leider noch immer ein Dasein am Rande der Filmwahrnehmung hierzulande pflegen müssen und die Synchro entsprechend meist lausig sind.Das Zusatzmaterial ist reichhaltig vorhanden und auch recht interessant: Es gibt Interviews, Ausschnitte vom Festival in Venedig, wo Kitanos Film gefeiert wurde, und dergleichen mehr. Zum Glück alles auf einer zweiten DVD ausgelagert: So bleibt mehr Platz für den Film reserviert und entsprecehnd besser ist die Bildqualität. Zum Film selbst: Drei bitter-süße Liebesgeschichten mit tragischem Unterton werden in einer farbenfrohen Bildersprache zu einem faszinierenden Gemälde verwoben. Unser Blick springt, von Kitano gelenkt, assoziativ zwischen den Details/Episoden. Ein ruhiger, künstlerisch anspruchsvoller, aber nie langweiliger, schöner Film. Volle Punktzahl!
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Hochgenuß für geduldige und offene Seelen, 18. Januar 2005
Eine Szene aus einem Bunraku-Theater-Stück steht am Anfang des Filmes: Lebensgroße Puppen, geführt von den schwarz gekleideten Kurago (=Puppenmeister), erzählen die Geschichte von einer verkauften Liebe. Gleich geleiteten Puppen agieren auch die Hauptakteure des Films: Wie an Fäden hängend, wandern Matsumoto und Sawako als Bettlerpaar durch die Jahreszeiten. Eine Rückblende zeigt die Vergangenheit des Paares: Matsumoto und Sawako wollen heiraten, jedoch arrangieren die Eltern des Bräutigams eine Hochzeit mit der reichen Tochter des Firmenchefs. Matsumoto stimmt vorerst zu. Als Sawako von der Hochzeit erfährt, wird sie vor Trauer wahnsinnig und verfällt in eine Apathie, in der niemand mehr zu ihr durchdringen kann: Sie erkennt keine bekannten Gesichter mehr. Als Matsumoto von Sawako hört, überkommt ihn eine unendliche Reue, verlässt seine Hochzeit und eilt in die Nervenanstalt, jedoch Sawako zeigt bei seinem Anblick keine Erkenntnis. Verzweifelt nimmt Matsumoto Sawako aus der Anstalt und lebt von an mit ihr in seinem Auto. Eine Unrast ohne Ziel (?) befällt Sawako. Matsumoto bindet Sawako mit einer einfachen Wäscheleine an sich (Man beachte, wie die "Schnur" im Laufe des Filmes immer kostbarer wird!), gleich einem Versprechen sie nie wieder loszulassen und zieht mit ihr bettelnd durch das Land. Das Paar wandert auf seiner Reise vorbei an weiteren Gestalten, deren Geschichten in den Film verwoben sind, einem schönen Regenbogenteppich gleich: Einem altem Yakuza-Boss, der seine Geliebte in früher Jugend zurückgelassen hat und die dennoch all die Jahre auf ihn in einem Park mit gekochtem Mittagessen auf ihn wartet. Oder dem Fan einer Pop-Sängerin, der, um sie zu sehen, sogar zum Blinden wird. Kitano erzählt Geschichten von der ewigen Liebe bis in den Tod und vor allem von den bedienungslosen Opfern, die für diese Liebe in Kauf genommen werden. Im Gegensatz zu seinen sonstigen Filmen verzichtet Beat Takeshi auf die explizite Darstellung von Gewalt, dennoch wirken manche Szenen unglaublich erschreckend. Auch die sonst üblichen schnellen Schnitte oder den kindlichen Humor sucht man (weitgehend) vergebens. Stattdessen wird der Film mit einer unglaublichen, magischen Langsamkeit zelebriert. Wer mit der Erwartung an einen typischen Kitano Film den Film kauft, wird bitter enttäuscht werden. Ja, der Film ist lange, aber wer jedoch mit einer offenen Seele und Geduld den Film besucht, wird unvergessliche Momente erleben: Atemberaubende Bilder, von wein-ahorn-roter Schönheit ('Hero'-Liebhaber werden sehen, dass man es NOCH besser machen kann), tiefgehende Symbole, über die man noch Nächte nachdenken kann und ein so tiefes Gefühl der Liebe, dass Tränen (sowohl vor Freude, wie auch Kummer) schwer zurückzuhalten sind. (Noch eine zusätzliche private Empfehlung hierzu: Ein sehr gutes Glas Rotwein dazu und mit allen Sinnen genießen.) Ein letztes Detail am Rande: Die Kostüme, die so perfekt zu den Jahreszeiten passen und die in ihrem Reichtum an den Bettlern (als Gegensatz und Nicht-Gegensatz) wirken, wurden von Stardesigner Yohji Yamamoto entworfen und sind alleine den Kaufpreis wert. Wertung: 8 von 10 ewigen Liebesbeweisen.
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