Sie waren der Schrecken aller Mütter. Ihr Zeichen war ein weißes Fadenkreuz, das einen schwarzen Mann ins Visier nahm und je nach Perspektive in den Gegenkontrast changiert. Public Enemy waren voll auf Konfrontation aus. Ihre Musik war stilprägend und veränderte alles. Was mit kreischendem Jubel und einer apokalyptischen Sirene eingeleitet wird, ist eine der ganz großen Sternstunden des Agit-Rap. Epochale Slogans (It Is Too Black, Too Strong; Bring The Noise), peitschender Funk und dröhnender Lärm lösen eine musikalische Revolution aus, die nie zuvor explosiver, provokativer und brachialer als auf diesem Album war. Bis heute ist die Scheibe als Benchmark in Sachen Hiphop nahezu unerreicht und ein Manifest der kulturellen Emanzipation der schwarzen Minderheit in den 80ern. Wie Paramilitärs in Tarnanzügen gekleidet, agitierte der Stoßtrupp um den Public Enemy No. 1 Chuck D in höllischen Tiraden und anarchistischen Botschaften gegen das politische und gesellschaftliche System. So kolportieren sie Verschwörungstheorien, propagieren den Aufruhr, huldigen der Black Panther Party von Newton und Seale und schießen verbale Salven gegen FBI, CIA, Justiz, Fernsehsender und korrupte Politiker. Ihr Debüt "Yo! Bum Rush The Show" war zwar gut, aber zu spartanisch. Chuck D war sich bewusst, dass sie nun eine Schippe drauflegen mussten. Dazu unterhöhlten sie die Gesetze der medialen Meinungsmache und polten sie in ihrer Musik für ihre Zwecke um. Schon die Titel der einzelnen Tracks wurden zu Schlagwörtern im Sprachgebrauch einer ganzen Generation. "Don't Believe The Hype" und "Mind Terrorist" sind Repliken auf die damals noch von Weißen dominierten Medien. Das schwarze CNN müsste Hiphop werden, propagierte Chuck D einst im zivilen Ungehorsam. Eine mediale Chance zur politischen Bewusstseinsbildung der farbigen Minderheit, frei von der Misogynie und Gewaltverherrlichung des späteren Gangsta-Raps der 90er und 00er. Einzelne Drum Machines programmierten sie unterschiedlich und legten die jeweiligen Schichten zu diabolisch groovenden Rhythmen wild übereinander. Samples werden ganz old-school in die Länge gezogen und dann bis zur Unkenntlichkeit gescratcht und zerstückelt. Bis der Tonarm zu glühen anfängt. Dankbar ist man beim Hören für die instrumentalen Interludien, die Gelegenheit zu einer kurzen Atempause geben, ehe es mit den infektiösen Hochgeschwindigkeits-Breakbeats in die nächste Runde geht. Es wummert, dröhnt und quietscht durchgehend in einem teuflischen Tempo. Ewig ins Gedächtnis brennt sich dabei dieses markant pfeifende Sample ein, das wie ein brodelnder Dampfkessel unter Hochdruck fiept und das sich fast das ganze Album hin durchzieht. Ähnlich einer von Track zu Track hüpfenden Maus auf einem rotierenden Plattenteller. Auf "Terminator X", auf dem Queens "Flash Gordon" in seine Einzelteile zerhämmert wird, und dem später folgenden "Rebel Without A Pause" rückt es schließlich in den Vordergrund. In liebevoller Heimarbeit hat Chuck D das Sample zusammengebastelt, was ihm der Legende nach gehörigen Ärger mit seiner vom ohrenbetäubenden Lärm genervten Mutter einbrachte. Zu einem Meilenstein wurde "She Watch Channel Zero?!", das mit einem heulenden Gitarrengewitter (Slayer-Sample und James-Brown-Loops) eingeläutet wird und in den 90ern als Schablone für Bands wie Rage Against The Machine herhalten musste. "Security Of The First World" verwendete Madonna kurze Zeit später als Sample für das Intro zu "Justify My Love". Das anagrammierende Wortspiel "Party For Your Right To Fight" appelliert noch einmal an das politische Bewusstsein und ist eine eindeutige Anspielung und Absage an die hedonistische Partyseligkeit der Def Jam-Kollegen Beastie Boys, die sich dann auch endgültig vom nihilistischen und infantilen Punk-Primitivismus ihrer Anfangstage lossagten und ebenfalls voll auf Agitation setzten.