In Alaska hatte die Ex-Polizistin Jenna Darrow nur knapp den Angriff eines unheimlichen Wesens überlebt. Als sie nach mehreren Tagen aus einem komaähnlichen Schlaf erwacht, befindet sie sich an einem ihr unbekannten Ort in Boston. Was sie von ihrer Freundin Alex über Vampire und die Folgen ihrer Zeit in der Gewalt des monströsen Urvampirs erfährt, scheint zunächst mehr, als sie noch verkraften kann, nachdem sie bereits vor einigen Jahren ihren Mann und ihre kleine Tochter verloren hatte.
Nun befindet sie sich als einziger Mensch unter außergewöhnlichen Lebewesen, die ihr mit Reserviertheit begegnen, während ungeahnte Veränderungen in ihrem Körper stattfinden. Nur Brock, der zu ihrem Schutz abgestellt wurde, begegnet ihr offener und möchte ihr helfen. Nachdem er bei einer früheren Mission als Leibwächter eine junge Frau nicht vor ihrem tödlichen Schicksal bewahren konnte, plagt er sich mit Schuldgefühlen herum und vermeidet eine feste Beziehung aus der Angst heraus, wieder zu versagen. Er setzt seine einzigartiger Fähigkeit, den Schmerz anderer auf sich zu nehmen, für Jenna ein. So attraktiv dieses Angebot (und Brock) auch scheint, möchte sie aus eigener Kraft klarkommen und vor allem kein Mitleid. Als beide sich auf eine rein körperliche Beziehung einlassen, sieht es aber genau danach aus...
Nach der beeindruckenden Szenerie in Alaska in "Shades of Midnight" spielt Folge 8 wieder im Zentrum des Geschehens in Boston. Alle bisherigen Charaktere der Serie sind in die Handlung involviert, was einerseits eine vertraute Atmosphäre vermittelt und bisherige Handlungsfäden aufgreift, andererseits Jennas einzigartige Position herausstreicht. Neben den zunächst beängstigenden Veränderungen, die mit ihr vorgehen und denen die anderen mit Skepsis und einem gewissen Mißtrauen begegnen, muß sie mit ihrer Außenseiterrolle klarkommen und der Tatsache, daß es keine Rückkehr in ihr bisheriges Leben in Alaska geben kann. Sie kämpft darum, mit dieser Situation zurechtzukommen, und engagiert sich aktiv im Kampf der Ordensmitglieder gegen Dragos und seine widerlichen Projekte, anstatt in Jammern oder Lethargie zu verfallen. Von Brock möchte sie kein Mitleid, auch wenn sie ihn zunächst ihren Schmerz ertragen läßt, bis ihr wirklich klar wird, was vor sich geht. Wie dieser ihr den Rücken freihält und keine Schwäche darin sieht, Hilfe anzunehmen und schmerzhafte Erfahrungen zu teilen, gehört zu den besten Seiten der Geschichte. Wieviel er bereit ist für Jenna zu riskieren und wie die beiden sich aufeinander und eine gleichwertige Partnerschaft zubewegen, ist nahezu unwiderstehlich. Daß Jenna an mehreren Aktionen maßgeblich beteiligt ist und ein wesentlicher Schlag gegen Dragos' Pläne mit ihrer Hilfe gelingt, rundet den Plot noch weiter ab.
Insgesamt stellt "Taken by Midnight" eine der besten Folgen der Serie dar. Die Handlung direkt im Bostoner Orden und die Interaktion der vielen Mitglieder ist genauso lesenswert wie die Geschichte der beiden Hauptcharaktere. Schade ist eigentlich nur, daß der Leser nicht mehr über Jennas neue Fähigkeiten erfährt und man im unklaren darüber bleibt, wie weit ihre Veränderungen noch gehen werden. Daß sie sich von den anderen unterscheidet, stellt eine genauso interessante neue Wendung dar wie ihre Beziehung zu Brock. Die Rahmenhandlung wird weiterentwickelt und zielt auf eine entscheidende Auseinandersetzung in der Zukunft. Daß die Frauen zum Kampf mit ihren Mitteln genauso viel beitragen wie die Männer, ist ebenso positiv wie ein begleitender Humor mit Anspielungen an "Star Trek" und andere Fernsehserien. Einige Handlungsfäden bleiben offen und halten Spannung auf weitere Folgen; vor allem über Hunter würde man gern mehr erfahren. Folge 9, "Deeper than Midnight", sollte hier neue interessante Weiterentwicklungen bringen.