Pirates! kenne ich noch vom Commodore Amiga. Es war eines der wenigen Spiele, die einen Nächtelang am Rechner festhalten konnten. Sicher: Eigentlich war es simpel und primitiv, und dennoch: Es war alles da... Handel treiben, Preise vergleichen, Städte bereisen, Städte einnehmen, Piraten bekämpfen oder andere Schiffe plündern.
Nun ist es für die Wii erschienen. Was soll man nun von einem Remake oder eine Portierung erwarten? Es wird sicherlich kaum eine innovative Steuerung geben, da man es nicht mal seitens Nintendo selbst geschafft hat, z.B. Wii Sports Resort mit Bowling, Tennis oder Golf über WiFi zu spielen. Daher erwartete ich von Sid Meiers Pirates! auch nun keine Wundersteuerung oder eine für die Wii eher ungewöhnliche, spielfirmreife Grafik. Letzteres ist eh nicht das Metier der Wii, sondern hier geht es eher um das Spielen an sich.
Die Steuerung ist daher simpel. Das Steuerkreuz, ein paar Tasten und das muss reichen. Okay, ein wenig den Kontroller bewegen ist auch dabei, aber das war es auch schon. Gemütlich auf dem Sofa sitzend kann man das Spiel daher förmlich aus dem Handgelenk spielen, und da es nicht schwer, sondern kinderleicht ist, muss die Story für den Rest herhalten.
Und hier setzte Pirates! Maßstäbe auf dem Amiga und später auf dem PC.
Plündern, volle Breitseiten, Kettengeschosse... alles ist da. Konnte man früher auf dem Amiga noch landen und eine Stadt über den Landweg angreifen, so fehlt dies in der Wii Version, was nicht schlimm ist.
Letztendlich: Man steuert sein Schiff über das Steuerkreuz durch die Karibik, wo sich die Kolonnien der Engländer, Franzosen, Niederländer und Spanier in den Haaren liegen. Als frischer Piratenanwärter sollte man seiner eigenen Nationalität treu bleiben, aber feindliche Schiffe auf das Korn nehmen. In Acht nehmen muss man sich vor Geleitschiffen, Piratenjägern und einigen Piraten selbst. Dabei macht man sich auf, nach der eigenen Familie zu suchen, die unter den Wirren der Kolonisation der "neuen Welt" verschleppt wurde.
Dabei kann man Größere Schiffe erobern und diese dann auch ausrüsten, wobei nicht jede Stadt die gleiche Ausrüstung anbietet, zudem muss man in den Schenken der Orte Hinweise erfragen, von Fremden kann man Kleidungsstücke oder Teile von Schatzkarten erstehen, oder eben herumlungernde Matrosen anwerben, um die eigene Crew zu vergrößern. Mit den Händlern kann man Handel treiben und die eigenen Vorräte auffrischen. Beim Stadtvorstand bekommt man politische Informationen wird für seine Taten ausgezeichnet oder getadelt, ja bekommt hier auch nette Frauen vorgestellt, mit denen man Bindungen erarbeiten kann.
Unterwegs kann man nun andere Schiffe angreifen und in Seeschlachten bezwingen, oder diese letztendlich entern, um im direkten Duell nun das Schiff zu übernehmen oder schlicht zu versenken.
Feindliche Städte lassen sich angreifen und ggf. einnehmen, man kann sogar Schätze suchen oder sich als Geleitschiff politische Ehre erarbeiten, oder mit Piraten andere Städte überfallen und plündern.
All dies spielt sich dann in Form von Minispielen ab. Das erste Minispiel ist sicherlich die Seeschlacht, wo man das eigene Schiff steuert und nun mit Geschützen versuchen kann, den Gegner zu treffen. Da hier alles über das Steuerkreuz geht, ist dies von der typischen Wii Steuerung eher sehr konservativ, doch macht es dies für mich liebreich, weil so nicht eine Körperbewegung zu Problemen führt, wie bei anderen Spielen.
Die Duelle sind das nächste Minispiel, wobei man seinen Kontrahenten mit drei Waffen gegenüber treten kann. Hierzu muss nun der Nunchuk Controller entsprechend geschwungen werden, Bewegungen aus dem Handgelenk reichen aber auch, um Angriffe oder Paraden auszuführen.
Auch der Angriff einer Stadt geht über ein Minispiel, wobei hier mit dem Controller ein Zielkreuz über den Bildschirm durch zeigen bewegt werden kann, um dann mit A oder B seine Geschütze abzufeuern.
Auch das Tanzen funktioniert über kurze Bewegungen des Nunchuk Controllers, wobei hier Timing und Geschick gefragt ist, aber eher weniger Körpereinsatz als bei anderen Spielen gefordert ist.
Ich betachte daher die Umsetzung schlicht als gelungen. Das es eine Portierung ist, keine Erweiterung oder ein neues Spiel, ist die konservativ ausgelegte Steuerung und das bekannte Spielprinzip zu erwarten. Trotzdem: Es beschert einem viele wunderbare Stunden vor der Wii, in der man durch die Karibik segelt und sich eine Seeschlacht nach der anderen liefert.
Es lasen sich zum Glück bis zu 4 Spieler anlegen und entsprechende Spielstände speichern, ohne das die Spielstände des anderen Spielers beeinträchtigt sind. Leider gibt es nur einen rudimentären Mehrspielermodus, doch es ist ja nur eine Portierung, nichts Neues. Das solche Spiele ausbaufähig sind, keine Frage.
Trotzdem: Ich liebe dieses Spiel und kann es daher uneingeschränkt empfehlen - volle Punktzahl